
Deloitte Analyse: Die Trends für die Bankenindustrie 2021
Wien (OTS) – Die Corona-Pandemie fordert seit fast einem Jahr so gut wie alle Branchen. Auch die Bankenindustrie musste von heute auf morgen rasche Lösungen entwickeln, um das Tagesgeschäft aufrecht zu erhalten und gleichzeitig neue Wege aus der Krise zu finden. Viele dieser Neuerungen werden die Banken langfristig beschäftigen und Geschäftsmodelle dauerhaft verändern. Das Beratungsunternehmen Deloitte widmet sich in einer aktuellen Analyse der Frage, welche Themen im heurigen Jahr für die Bankenbranche besonders wichtig sein werden.
Die Bankenindustrie befindet sich seit mittlerweile mehr als zehn Jahren in einer Phase des Umbruchs. COVID-19 hat diesen Veränderungsprozess nun beschleunigt. Deloitte zeigt mit dem „Banking and Capital Markets Outlook“ jährlich die wichtigsten neuen Entwicklungen auf. Laut aktueller Analyse werden unter anderem die folgenden Trends das Jahr 2021 bestimmen.
Trend 1: Resilienz stärken
Wie für die meisten Branchen lag für die Bankenindustrie zu Beginn der COVID-19-Pandemie eine der großen Herausforderungen darin, den gesamten Betrieb innerhalb kürzester Zeit auf Remote Working umzustellen. Das hat die Bedeutung moderner und krisenresistenter Technologien, einer starken Cyber Security sowie klar festgelegter Prozesse und einer starken Governance verdeutlicht. Doch auch gut ausgebildete, loyale und einsatzbereite Mitarbeiter rücken in Krisenzeiten verstärkt in den Fokus.
„Banken sind heute mehr denn je gefordert, ihre Widerstandsfähigkeit gesamthaft unter Beweis zu stellen. Vor allem in den Bereichen Kapital, Technologie und Mitarbeitermanagement gilt es, entsprechende Maßnahmen zu setzen, um eine stabile Fortführung des Geschäfts sicherzustellen“, betont Dominik Damm, Partner bei Deloitte Österreich.
Diese Resilienz ist laut dem Branchenexperten auch erforderlich, um die Realwirtschaft weiter zu unterstützen und staatliche Förderprogramme flankierend mit Finanzierungen begleiten zu können:
„Auch wenn wir derzeit global bereits einen erhöhten Wertberichtigungsbedarf vor allem in den Segmenten Kreditkartenforderungen, Gewerbeimmobilien und KMU-Kredite sehen, erwarten wir in der laufenden Krise insgesamt weniger Ausfälle als während der Finanzkrise nach 2007. Eine mittelfristige Erholung des Return on Equity ist ab 2022 realistisch.“
Trend 2: Erkenntnisse aus COVID-19 umsetzen
Banken sind jetzt gefordert, die Lehren und Erkenntnisse aus den vergangenen Monaten auch langfristig zu institutionalisieren. Ein agileres Geschäftsmodell, flachere Hierarchien und schnellere Entscheidungsprozesse sind dabei zentrale Punkte. Außerdem werden die Förderung der Entscheidungsfähigkeit der einzelnen Mitarbeiter und die Einführung flexibler Arbeitsplatz- und Zeitmodelle auch nach der Pandemie ein großes Thema bleiben.
„Die Befragung von Top-Führungskräften in Banken hat gezeigt, wie wichtig eine akkurate, zukunftsorientierte Krisenmanagementplanung ist. Dabei ist eine detaillierte Auseinandersetzung mit den konkreten Planungsannahmen sowie die laufende Erstellung von bankspezifischen Simulationen nicht nur in Zeiten von COVID-19 essenziell“, ergänzt Dominik Damm.
Trend 3: Digitalisierung ausbauen
Laut Studie haben die Kunden in der derzeitigen Krise verstärkt digitale Leistungen der Banken in Anspruch genommen. Viele Digitalbanken verzeichneten im Neukundengeschäft beeindruckende Erfolge. Nun gilt es, den eingeschlagenen Kurs im Bereich der Digitalisierung beizubehalten und Innovation weiter anzukurbeln.
Die Pläne liegen bereits am Tisch: Fast die Hälfte aller befragten Banken wollen etwa eine Live-Interaktion mit Bankangestellten über den Bankomaten einführen, einen mit künstlicher Intelligenz ausgestatteten Roboter im Eingangsbereich von Kernfilialen positionieren oder Bankomaten mit branchenübergreifenden Services erweitern. „Durch die Verknüpfung von umfassenden Datenanalysen und künstlicher Intelligenz können Banken individuell zugeschnittene Dienstleistungen anbieten und so die Kundenzufriedenheit holistisch erhöhen“, ist der Deloitte Experte überzeugt.
Trend 4: Risikomanagement weiterentwickeln
Die COVID-19-Krise hat es offengelegt: Das Risikomanagement von Banken muss sich weiterentwickeln. So bedarf es gerade bei einer dezentralen Arbeitsweise der Mitarbeiter einer stärkeren Integration von Verhaltensrisiken – insbesondere in den Bereichen Compliance-, Cyber- und Geldwäsche-Risiko. Viele Banken haben das bereits erkannt. Mehr als 70 % der befragten Branchenvertreter geben an, dass sie derzeit an Projekten zur Reduzierung von Verhaltensrisiken arbeiten.
„Wir sehen oftmals unklare Zuständigkeiten und Kontrollen mit schwach ausgeprägten Überwachungen, die weder effektiv noch effizient sind – eingebettet in eine nicht durchgängig gelebte Risiko-Governance. Das operative Management muss sich seiner Verantwortung im Risikomanagement wieder stärker bewusst werden“, bestätigt Dominik Damm.
Trend 5: Nachhaltigkeit ankurbeln
Als aktive Treiber der globalen Wirtschaftsentwicklung spielen Banken auch beim Thema Nachhaltigkeit eine bedeutende Rolle. Von Banken wird erwartet, hier federführend zu agieren und sich regelmäßig mit Kunden, der Aufsicht, der Industrie und Stakeholdern auszutauschen, um Nachhaltigkeit auch im Finanzbereich voranzutreiben.
„Bei Nachhaltigkeit geht es nicht nur darum, regulatorische Mindestanforderungen zu erfüllen, sondern nachhaltige Geschäftsmodelle, innovative Produkte und Dienstleistungen sowie Kollaborationsmodelle zu entwickeln und auch auf andere Bereiche auszuweiten“, erklärt Dominik Damm. „Die ernsthafte Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeitsaspekten soll letztlich auch zu einem wirtschaftlichen Vorteil für Banken führen.“
Zum Download:
Deloitte Banking and Capital Markets Outlook 2021:
https://deloi.tt/3oCOnhR
Foto Dominik Damm Credits Deloitte/feelimage:
https://deloi.tt/2YwCwr5
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