TIROLER TAGESZEITUNG AM SONNTAG „Leitartikel“ Sonntag, 25. Juli 2021, von Marco Witting: „Nicht nur auf Bauten setzen“

Auch wenn man in Sachen Unwetter in Tirol bei den Verbauungen gut aufgestellt ist: Ein Warnsystem gehört geprüft.

Innsbruck (OTS) – Die Straßen und Häuser sind noch nicht alle sauber, die Keller und Tränen der Betroffenen noch nicht alle getrocknet. Da steht die nächste Unwettergefahr schon fast wieder vor der Tür. Für all jene, die schon einmal ein derartiges Ereignis erleben mussten, kommt mit jedem Donnergrollen die Angst von damals wieder hoch. Naturkatastrophen gehören mittlerweile zum Alltag. Und werden mehr. Das ist Fakt und nicht wegzuleugnen.
Vor neun Jahren, nachdem schwere Unwetter in Osttirol wüteten, schlug der damalige Tirol-Chef der Wildbach- und Lawinenverbauung, Siegfried Sauermoser, einen Murenwarndienst vor – ganz nach dem Vorbild des Lawinenwarndienstes. Es kam nicht dazu. Zu schwer seien Muren und Hochwasser zu prognostizieren, hieß es nach einigen Diskussionen und Tests vom Land. Zu lokal und zu kurzfristig würden die Ereignisse auftreten. Nach der verheerenden Flutkatastrophe in Deutschland mit über 170 Toten diskutiert man dort gerade über eine Warn-SMS.
Tirol ist in Sachen Bachverbauungen, was die baulichen Maßnahmen betrifft, gut aufgestellt. Doch wie schnell es gehen kann, wie sehr im Notfall jede Minute zählt und dass auch Bäche, die bisher nie Probleme gemacht haben, zu großen Schäden führen können, das haben die vergangenen Tage gezeigt. Es wäre an der Zeit, dass man sich intensiv dem Thema eines Warnsystems widmet. Das kann, genauso wie entsprechende Übungen, im Extremfall auch Leben retten. Und andererseits können vielleicht Schäden vermieden werden. 17 Millionen Euro kosteten die Hochwasser vor einer Woche in Tirol. Nur im Bereich der Infrastruktur der öffentlichen Hand.

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