Nachhaltigkeitskompass 2021: Der „Sustainable Commerce Report“ für den österreichischen Handel

Studie von HV und EY untersucht erstmals systematisch Nachhaltigkeit als Transformationsfaktor. 84 Prozent der Händler sehen Engagement für Nachhaltigkeit als Chance.

Wien (OTS) – Bis 2050 soll Europa klimaneutral sein, Österreich laut erklärtem Ziel schon 2040. Nach der Digitalisierung treiben Dekarbonisierung und Nachhaltigkeit die nächste große Transformation der Wirtschaft voran. Vor diesem Hintergrund haben der Handelsverband und EY Österreich in Zusammenarbeit mit MindTake Research eine großangelegte Konsumentenstudie mit über 1.000 Befragten durchgeführt, um die Einstellung der österreichischen Verbraucher:innen im Bereich der Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft zu untersuchen. Ergänzt wurde diese Studie mit einer Händlerbefragung unter 81 Mitgliedern des Handelsverbands, die den Status quo und die zukünftigen Auswirkungen von Nachhaltigkeit als Bestandteil der Unternehmensstrategie evaluiert.

Die zentralen Ergebnisse: Transparenz kann die Wende
beschleunigen

* Top-Nachhaltigkeitskriterien der Konsument:innen beim Einkauf:
Regionalität (77%) und Tierwohl (72%);

* Top-Nachhaltigkeitsthemen der Konsument:innen: Müllvermeidung, Recycling, nachhaltige Verpackungen (62%), Vermeidung von Produkt-oder Lebensmittelverschwendung (55%) sowie Tierwohl (54%);

* Überzahlungsbereitschaft der Konsument:innen variiert nach Thema:
Für regionale und Bio-Produkte würden 57% tiefer in die Tasche greifen, jede:r Zehnte würde sogar 25% oder mehr aufzahlen. Für fair gehandelte Produkte ist knapp die Hälfte (49%) bereit, aufzuzahlen;

* Hemmschuhe beim nachhaltigen Konsum sind für Konsument:innen nach dem höheren Preis für Öko-Produkte (47%) insbesondere Verzichtsunwillen (36%), Bequemlichkeit (23%) und mangelnde Aufklärung (21%);

* Worauf würden Konsument:innen am ehesten verzichten für mehr Nachhaltigkeit? Vereinzelt leeres Supermarktregal, Marken-Boykott und -1° C Heizwärme zuhause rangieren weit vor Verzicht auf Fleisch, Auto oder Reisen;

* Ältere Personen haben sowohl beim Lebensmittel- als auch beim Kleidungskauf überdurchschnittlich hohe Erwartungen an Nachhaltigkeitsaspekte. 18- bis 29-Jährige sind eher bereit aufzuzahlen, jedoch schwächer im Verzicht;

* Green-App als Trend-App: Positive Anreize wie ein Bonusprogramm
für nachhaltigen Konsum für 75% interessant – über alle Altersgruppen hinweg;

* Händler sehen Nachhaltigkeit als Chance (84%) und Chefsache
(85%). Hemmschuhe sind Unklarheit über Zahlungsbereitschaft der Kund:innen (42%), mangelnde Kapitalausstattung (33%) sowie mangelnde Information über geeignete Maßnahmen, um ein nachhaltiges Wirtschaften zu erreichen (33%).

Nachhaltigkeitskriterien beim Einkauf für Konsument:innen an dritter Stelle

Beim Kauf von Lebensmitteln achten die Verbraucher:innen vor allem auf ein gutes Preis-Leistungsverhältnis (87 %) und eine hohe Produkt-Qualität (83 %). Ab dritter Stelle folgen Nachhaltigkeitskriterien wie Regionalität (77 %), Tierwohl (72 %) oder der Verzicht auf fragwürdige Inhaltsstoffe (68 %). Ähnlich verhält es sich beim Kauf von Kleidung, hier spielt jedoch das Thema Regionalität eine deutlich untergeordnete Rolle. Die Hälfte der Befragten gibt an, auf einen „generell niedrigen Preis“ Wert zu legen.

Also keine Preistoleranz bei den Konsument:innen? Es kommt
darauf an!

Die Hälfte der Befragten gibt an, zuweilen weniger nachhaltig zu agieren, als sie vielleicht könnte, weil nachhaltige Produkte meist teurer sind – sie können oder wollen sich Öko-Produkte nicht immer leisten. Dennoch ist jede:r zweite Konsument:in bereit, für nachhaltigeren Konsum bis zu fünf Prozent des Haushaltseinkommens aufzuzahlen. Eine Aufzahlung von zehn Prozent kommt nur für ein Viertel der Bevölkerung in Frage. Jüngere Menschen zwischen 18-29 Jahren zeigen eine höhere Bereitschaft, für nachhaltige Produkte mehr Geld in die Hand zu nehmen.

Bei differenzierter Betrachtung zeigt sich jedoch, dass nachhaltig nicht gleich nachhaltig ist. „Für Bio-Produkte und Waren aus der Region würden 55 Prozent der Konsumentinnen und Konsumenten tiefer ins Geldbörserl greifen, für fair gehandelte Produkte die Hälfte und für den Einkauf bei einem CO2-neutralen Händler ein Drittel“, sagt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will. „Diese Zahlen belegen deutlich, dass Transparenz die Wende beschleunigen wird:
Konsumentinnen und Konsumenten sind durchaus bereit, im Rahmen ihrer Möglichkeiten für nachhaltige Produkte mehr auszugeben, wenn sie denn wissen wofür.“

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