
TIROLER TAGESZEITUNG „Leitartikel“ vom 18. November 2021 von Karin Leitner „Warnung an die Polit-Spekulanten“
Innsbruck (OTS) – In einem wohlbestallten Land wie Österreich geht es wegen der Corona-Pandemie um Leben oder Tod.
Wer angesichts dessen parteipolitisch denkt, ist schlecht beraten – zuvorderst aber verantwortungslos.
Lagebericht, Österreich, Herbst 2021: tägliche Höchststände an Corona-Infizierten, tägliche Höchststände, was Menschen in Spitälern und auf den Intensivstationen anlangt. In Salzburger Landeskliniken wird Triage vorbereitet. „Die Leichen mussten wegen Überfüllung am Gang abgestellt werden“, berichtet eine Pflegerin aus Oberösterreich. Immer mehr Experten alarmierten und alarmieren. Angesichts der Situation sei ein Lockdown, so auch einer für Geimpfte, nötig. Andernfalls sei der „vierten Welle“ nicht Herr zu werden.
Immer mehr Menschen empfinden das Postulat von Kanzler Schallenberg & Co. – „Lockdown für Ungeimpfte“ – als Hohn. Denn immer mehr Geimpfte sind de facto im Lockdown, um sich und andere zu schützen. Immer mehr Menschen sind nach fast zwei Jahren der Pandemie freudlos, kraftlos, schlaflos, depressiv. Stetes Bangen von Eltern und Großeltern, hoffend, dass Mädchen und Buben gesund von Kindergarten und Schule nach Hause kommen. Betriebsinhaber fürchten um die Existenz. Der Bundespräsident konferiert mit Experten, appelliert an die Verantwortlichen, auf den Rat der Fachleute zu hören. Lagebericht von der Polit-Front: Von Regierenden in Bund und Ländern kommt nun ein „Ernste Lage“-Befund. Vor allem die ÖVP-Landeshauptleute von Oberösterreich und Salzburg mögen Bürger damit verschonen. Sie haben beigetragen zur Malaise – mit Beschwichtigen, Zuwarten, gar Häme wie von Wilfried Hauslauer gegenüber Virologen. Dazu zu späte Impfanimation der Koalition auf Bundesebene, Zerwürfnisse ob des Vorgehens. Grünen-Gesundheitsminister und Arzt Mückstein drängt, ebenfalls zögerlich, endlich auf mehr Abwehr, die ÖVP bremst. Diese ist mit Entlastungsversuchen für Sebastian Kurz beschäftigt – um dessen Rückkehr als Kanzler vorzubereiten.
Sollten die Türkisen, wie zu hören ist, tatsächlich im Sinne haben, auch diese Regierung vor Ablauf der Zeit zu „sprengen“ – mit dem Kalkül, dass Kurz als „Opfer“ reüssieren könnte, weil nach wie vor „nur“ ermittelt wird: Menschen wollen keinen Wahlkampf mit den Kosten für Steuerzahler, dem Zank vor dem regulären Termin. Das richtet sich auch an die SPÖ, primär an die burgenländische, die auf einen Urnengang im Bund drängt, und die Blauen, die mit Widerstand von Corona-Leugnern zu punkten trachten. Gefragt sind Politiker, die all ihre Energie darauf verwenden, der Krise beizukommen. Das gilt auch für jene in der Opposition. Es geht kollektiv nicht mehr um ein oder zwei Prozentpunkte KÖSt. weniger, es geht um Leben oder Tod in einem wohlbestallten Land. Parteitaktik ist verantwortungsloser denn je. Sie würde sich rächen.
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