Lurch des Jahres 2022 – Die Wechselkröte, grüne Kröte im Tarnmuster

Wien (OTS) – Die seltene und streng geschützte Wechselkröte wurde von der Österreichischen Gesellschaft für Herpetologie (ÖGH) gemeinsam mit anderen Partnerorganisationen, die sich auch für die Erforschung und den Schutz von Amphibien und Reptilien einsetzen, zum Lurch des Jahres 2022 gekürt.

Mit ihrer kontrastreich gefleckten Färbung im beige-grünen Tarnmuster und ihren goldgrünen Augen zählt sie zu den attraktivsten heimischen Amphibienarten. Ihr Trivialname rührt vermutlich vom wechselhaften Kontrast des Fleckenmusters oder aber auch von den wechselhaften Lebensräumen dieser Art her. Abgeleitet vom wissenschaftlichen Artnamen „viridis“, welcher 1768 vom österreichischem Zoologen Josephus Nicolaus Laurenti passend gewählt wurde, kennt man Bufotes viridis auch als die Grüne Kröte.

Zur Fortpflanzung bevorzugt die wärmeliebende Pionierart vegetationsarme, besonnte Stillgewässer mit flachen Ufern, wie etwa Tümpel, Teiche oder wassergefüllte Senken auf Äckern und Wiesen. Diese sucht sie innerhalb der Laichperiode (April – Juni) auf, wo die Wechselkröten-Männchen die Weibchen durch trillernde Rufe anlocken. Hat sich ein Paar zusammengefunden, setzt das Weibchen im Wasser tausende Eier in Form von 3-4 m langen Laichschnüren ab, die zeitgleich durch das am Rücken geklammerte Männchen befruchtet werden. Sofern Laich und die geschlüpften Kaulquappen nicht von Prädatoren gefressen werden, verwandeln sich die Larven nach 8-12 Wochen zu Jungkröten, die im Sommer an Land gehen, bis auch sie nach 2-3 Jahren geschlechtsreif werden und selbst Laichgewässer zur Fortpflanzung besuchen.

Die meiste Zeit des Jahres und ihres etwa 10-jährigen Lebens verbringen Wechselkröten an Land. Sie verstecken sich bevorzugt unter Steinen, Brettern, Erdhöhlen oder Säugerbaue, die sie auch als frostfreie Umgebung zum Überwintern nutzen. Als Bewohnerin offener Lebensräume mit lückiger Vegetation und lockeren, grabbaren Böden ist sie auf Landschaften wie Acker- und Gartenbauflächen, Abbaugebiete, Brachflächen, extensiv bewirtschaftete Wiesen, Gärtnereien, sowie naturbelassene Flächen und Gärten in Dörfern und Städten angewiesen.

In Österreich kommt die Wechselkröte mit Ausnahme von Vorarlberg in allen Bundesländern vor. Der Verbreitungsschwerpunkt dieser an Steppenlandschaften angepassten Art liegt in Ostösterreich, während sie in alpin-montanen Regionen nur vereinzelt auftritt. Auch in der Bundeshauptstadt Wien gibt es noch einzelne, teils isolierte Populationen vor allem in den östlichen und nördlichen Bezirken. In ganz Österreich zeigt die stark gefährdete Art seit Jahren vor allem durch Lebensraumverluste drastische Bestandsrückgänge.

Aufgrund der alarmierend schrumpfenden Bestände ist die Wechselkröte in der aktuellen Roten Liste Österreichs als „gefährdet“ eingestuft und ist auch im Anhang IV der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU als „streng zu schützende Art von gemeinschaftlichem Interesse“ geführt. Hauptgrund für den Rückgang ist das Verschwinden von geeigneten Laichgewässern und Landlebensräumen. Als wanderfreudige Art ist die Wechselkröte auch von der Zerschneidung ihrer Lebensräume durch Straßen und weiträumiger Bodenversiegelung betroffen.

Die Wechselkröte kann hingegen von Garten-, Dorf-, und Schwimmteichen profitieren, sofern sie wenig Vegetation aufweisen und fischfrei sind. Damit Gewässer außerdem nicht zu Todesfallen für Amphibien werden, ist es wichtig den Tieren den selbstständigen Ausstieg zu ermöglichen. Eine naturnahe Gartengestaltung kann ebenfalls wichtige Landlebensräume bieten. Im Gegenzug dazu dezimiert die Wechselkröte ungeliebte Schädlinge, weshalb sie in Gärtnereien als gern gesehener Gast gilt. Wie diese bedrohte Art noch unterstützt und gefördert werden kann, kann unter den angeführten Links nachgelesen werden.

Sichtet man den Lurch des Jahres 2022, sollte man sich nicht nur glücklich schätzen, sondern auch die Beobachtung an die Herpetofaunistische Datenbank Österreichs des Naturhistorischen Museum Wien melden um zum Wissen über die aktuellen Bestände beizutragen.

Mag. Dr. Andreas Maletzky, ÖGH-Präsident
Österreichischen Gesellschaft für Herpetologie (ÖGH)
c/o Naturhistorisches Museum Wien
Burgring 7, A-1010 Wien
ZVR: 277671151
https://herpetozoa.at
office@herpetozoa.at

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