
TIROLER TAGESZEITUNG „Leitartikel“ Ausgabe vom 5. März 2022, von Alois Vahrner: „Öffnungs-Tag und das Prinzip Hoffnung“
Innsbruck (OTS) – Trotz sehr hoher täglicher Neuinfektionszahlen werden heute die Corona-Regeln breitflächig gelockert. Eine Art „Freedom Day“ auf Österreichisch mit der Hoffnung, dass keine gefährlichen Virus-Mutationen mehr kommen.
Kaum könnte das vom früheren Kanzler Sebastian Kurz versprochene Licht am Ende des Corona-Tunnels endlich doch in Sicht zu sein, steht die Welt ganz im Bann des Ukraine-Kriegs. Der durch nichts zu rechtfertigende brutale Angriff Russlands auf die Ukraine macht auch in Österreich den allermeisten Sorgen bis Angst – was nach dem verbalen Säbelrasseln, der hochgefahrenen Sanktions-Spirale und sogar Atomdrohungen Russlands nur zu verständlich ist.
Dies alles wirft große Schatten auf den heutigen Öffnungs-Tag bei den Corona-Vorschriften. Noch immer sind die Inzidenzen extrem sehr hoch, Mitte der Woche gab es mit fast 40.000 Neuansteckungen sogar den zweithöchsten Tages-Wert überhaupt. Weil aber die Omikron-Variante zwar hochansteckend ist und weiter mit hohem Tempo durchs Land rauscht, aber eben glücklicherweise weit weniger gefährlich als frühere Varianten ist, verkündet neben vielen anderen Ländern auch Österreich eine Art „Freedom Day“. Die G-Regeln gelten nur noch in den Krankenhäusern und Altenheimen, auch die Maskenpflicht nur noch sehr eingeschränkt etwa dort, wo auch gefährdete Gruppen quasi hingehen müssen, wie in Supermärkten, Apotheken, Banken, Ämtern oder Öffis.
Corona hat unser aller Leben zwei Jahre lang massiv in Beschlag genommen, hat zu einem Wechselbad an Einschränkungen vieler Freiheiten, an Lockdowns und schrittweisen Lockerungen geführt. Zu viel Leid und Schmerz durch seit Pandemiebeginn fast 15.000 Menschen, die an oder mit Covid gestorben sind und noch viel mehr, die bis heute an Long-Covid-Folgen leiden. Betroffen waren alle, gerade auch Kinder und junge Menschen. Wie auch viele Ältere wurden sie dringend benötigter Kontakte beraubt. Und für die finanziellen Folgen der immer wieder eilig geschnürten Hilfspakete in zweistelliger Milliardenhöhe werden alle Österreicherinnen und Österreicher wohl noch viele Jahre zu zahlen haben.
Ist Corona weitgehend überwunden, auch wenn das Virus nicht so einfach verschwinden wird? Das hängt vor allem davon ab, ob die nächsten Virus-Varianten, die sich bilden werden, auf jeden Fall nicht gefährlicher als Omikron sein werden. Derzeit sind Booster-Anteil und „Durchseuchung“ durch Genesung in der Bevölkerung sehr hoch. Dauerhaft ist das freilich keine Garantie, zumal die Impfbereitschaft zuletzt fast völlig erlahmt und die Zukunft der umstrittenen Impfpflicht noch ungeklärt ist. Viel Arbeit für den nächsten Gesundheitsminister und die ganze Regierung, die mit der jetzigen Öffnung auf breiter Front auch sehr auf das Prinzip Hoffnung setzt.
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