
Tiroler Tageszeitung, Kommentar, Ausgabe vom 28. März 2022. Von KARIN LEITNER. „Schwächelnde starke Männer“.
Innsbruck (OTS) – Eine „Rede zur Lage der Nation“ hat es nun von Pamela Rendi-Wagner gegeben. Die SPÖ-Vorsitzende hat ihren Anspruch, nächste Kanzlerin der Republik zu werden, manifestiert.
Nicht aus Selbstzweck, wie sie beteuerte, sondern weil sozialdemokratische Landesführung nötig sei, um den „Scherbenhaufen“, den die ÖVP-geführten Koalitionen in den vergangenen fünf Jahren verursacht hätten, zu beseitigen.
Bemerkenswert waren nicht die Inhalte von Rendi-Wagners Ausführungen; sie sind von Roten bekannt und erwartbar. Bemerkenswert ist das Selbstbewusstsein der ersten Frau an der Spitze der SPÖ. Bemerkenswert ist, wie sie immer wieder Widersachern aus den eigenen Reihen trotzt, zuvorderst dem burgenländischen Parteivorsitzenden und Landeshauptmann Hans Peter Doskozil. Er war – aus privaten Gründen, wie er sagt – nicht bei Rendi-Wagners Ansprache.
Viele hätten den Job ob der ständigen rhetorischen Störungen wohl längst hingeschmissen, nach dem Motto: Wenn ihr alles besser wisst, macht es selbst. Rendi-Wagner tut das nicht. Sie hat gar bisherige SPÖ-Kanzler – Franz Vranitzky, Viktor Klima, Alfred Gusenbauer, Werner Faymann, Christian Kern – zusammengebracht, als Unterstützer organisiert. Das zeigt: Frauen haben mehr Kraft und Durchhaltevermögen als selbsternannte starke Männer. Etliche derer, die sich als solche gerieren, sind verbal stark, wenn es um Tun und Verantwortung geht, schwächeln sie.
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