Diakonie zum Welt-Alzheimertag: Stoppuhr-Pflege beenden, Pflege-Dienstleistungen ausbauen

Menschen mit Demenz gut zu pflegen, heißt, sich Zeit nehmen zu können

Anlässlich des Welt-Alzheimertags am 21. September weist die Diakonie einmal mehr auf das Problem der Stoppuhr-Pflege und des Zeitmangels im Pflegealltag hin. Ausreichend Zeit für die Betreuung zu haben, sei insbesondere für die gute und bedürfnisgerechte Versorgung von Menschen mit Demenz zentral. „Um Zeit für gute Pflege zu schaffen, muss der nächste Schritt in der Pflegereform die Erhöhung der Personalschlüssel sein“, betont Moser. „Mehr Personal bedeutet mehr Zeit, und das bedeutet höhere Lebensqualität für Menschen mit Demenz.“

MEHR PERSONAL = MEHR ZEIT = MEHR LEBENSQUALITÄT UND HÖHERE ATTRAKTIVITÄT DES PFLEGEBERUFS

Aber mehr Personal in Zeiten von Personalmangel – wie soll das funktionieren? „Wenn wir die Pflegekräfte in der Praxis fragen, was sie sich für ihre Arbeit wünschen, ist die häufigste Antwort mehr Zeit für die Menschen mit Pflegebedarf. Bessere Personalschlüssel halten nicht nur bestehende Pflegekräfte im Beruf, sondern machen die Pflege als Berufsfeld attraktiver“, so die Diakonie-Direktorin.

Wichtig sei dabei ein koordiniertes Vorgehen in allen Bundesländern. „Aktuell haben wir neun verschiedene Personalschlüssel. Warum sollte eine Vorarlbergerin mit Pflegebedarf eine andere Pflege brauchen als ein Kärntner?“ Bund und Länder sind gefordert, um Personalschlüssel festzulegen, die „österreichweit eine hohe Versorgungsqualität sichern“, so die Diakonie.

PFLEGE IST MEHR ALS WARM, SATT, SAUBER

Bei Pflege denken viele zuerst an medizinische Versorgung und Körperpflege. „Pflege nur so zu sehen, hieße aber, die zweite wichtige Hälfte auszublenden“, so Diakonie Direktorin Maria Katharina Moser. Denn „Beziehungsaspekte sind für Menschen mit Pflegebedarf mindestens genauso wichtig“, erklärt Moser. „Pflege ist Beziehungsarbeit, und Beziehung braucht Zeit.“

Gerade für Menschen mit Demenz spielt die Beziehung in der Pflege eine große Rolle: „Für Menschen mit Demenz können Ereignisse, die weit in der Vergangenheit liegen, ganz nah wirken. Der Tod der Mutter, der zwanzig Jahre zurückliegt, kann plötzlich zu großer Trauer führen. Menschen mit Demenz brauchen dann ein Gegenüber, das sie ernst nimmt und auf sie eingeht. Sie brauchen, das Gefühl, in dieser schwierigen Situation nicht alleingelassen zu werden“, so die Diakonie Direktorin.  

Außerdem sei es wichtig, dass Menschen mit Demenz in ihrem Alltag so viel wie möglich selbst erledigen. Das helfe, dass sie ihre Fähigkeiten erhalten und möglichst lange selbstständig leben können. Als Beispiel nennt die Diakonie-Direktorin die Einnahme von Mahlzeiten: „Für Menschen mit Demenz ist das Essen häufig eine Herausforderung. Es reicht dann nicht, ihnen eine Mahlzeit hinzustellen. Menschen mit Demenz brauchen jemanden, der sie mit gutem Zuspruch zum Essen motiviert“. 
Jeder Mensch mit Demenz ist anders und so auch der Bedarf an Angeboten

Diakonie Österreich
Roberta Rastl
Pressesprecherin
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