Studie: Einzelhandel schafft weiterhin viele Jobs

WKÖ-Handelsobmann Trefelik fordert Entlastung, damit Handel seiner Rolle als Jobmotor weiter gerecht werden kann

„Die Unsicherheiten vor dem heurigen Winter sind groß. Und wir wissen: Unsicherheit hemmt die Kauflust. Der heimische Einzelhandel leidet daher sowohl unter zunehmender Konsumzurückhaltung als auch unter den steigenden Energiekosten, die zu einer Erosion der geringen Gewinnmargen führen. Aus diesem Grund muss es hier Unterstützung geben. Nach den Haushalten ist nun die Wirtschaft dran“, sagte Rainer Trefelik, Obmann der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer Österreich am Handelstag, den die Bundessparte unter dem Motto „HANDELN #schaffenwir“ am Dienstag in der WKÖ veranstaltete. „Denn nur wenn die Handelsunternehmen auf gesunden Beinen stehen, können sie ihrer Rolle als Jobmotor weiter gerecht werden“, so Trefelik. 

Schließlich steht viel auf dem Spiel, wenn sich die Situation auf den Energiemärkten weiter zuspitzt: „Der österreichische Einzelhandel schafft viele Arbeitsplätze, ist ein wichtiger Lehrlingsausbildner und auch stark mit anderen Branchen der österreichischen Wirtschaft verwoben. Diese wichtige Funktion des Handels dürfen wir nicht gefährden. Die Handelsbetriebe brauchen auch Unterstützung durch Maßnahmen wie den Energiekostenzuschuss“, forderte Trefelik im Rahmen des hochkarätig besetzten Branchenevents. 

Tatsächlich ist der österreichische Einzelhandel ein Wirtschaftsbereich mit großen Beschäftigungs- und Wertschöpfungseffekten, wie eine aktuelle Studie vom Economica Institut für Wirtschaftsforschung im Auftrag der WKÖ-Bundessparte Handel belegt. So beschäftigt der Einzelhandel mehr als 380.000 Mitarbeiter:innen und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von über 70 Milliarden Euro. „Um Doppelzählungen in der Statistik zu vermeiden, wird der Handel nur durch seine Handelsspannen, aber ohne die gehandelten Güter abgebildet. Der Bruttoproduktionswert – üblicherweise das volkswirtschaftliche Pendant zum betriebswirtschaftlichen Umsatz – liegt daher deutlich niedriger bei 23,8 Milliarden Euro. Nur mit einem Blick auf die Statistik würde der Einzelhandel folglich massiv unterschätzt werden, denn natürlich ist Einzelhandel ohne Handelswaren undenkbar“, sagt Peter Voithofer vom Economica Institut.  

MEHR ALS JEDER ZEHNTE ERWIRTSCHAFTETE EURO GEHT AUF EINZELHANDEL ZURÜCK 

Ebenfalls zu berücksichtigen sind daher die Effekte in der vorgelagerten, heimischen Wertschöpfungskette wie zum Beispiel auf die österreichische Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie, auf Sportgeräte-, Spielwaren oder Möbelhersteller. Zählt man diese hinzu, dann ist laut Studie mehr als jeder zehnte Euro, der in Österreich erwirtschaftet wird, unmittelbar oder mittelbar auf den Einzelhandel zurückzuführen. Der Einzelhandel löst damit in der vorgelagerten Wertschöpfungskette mehr aus, als er selbst generiert: Konkret werden mit jedem Euro, der im Einzelhandel erwirtschaftet wird, weitere 1,56 Euro Wertschöpfung in anderen Wirtschaftssektoren erzielt. „Der Einzelhandel hat damit einen überdurchschnittlich hohen Wertschöpfungsmultiplikator“, sagt Voithofer. 

Enorm ist aber auch die Anzahl der Beschäftigten: In Summe sind mit mehr als 380.000 Personen fast 9 Prozent der Erwerbstätigen in Österreich im Einzelhandel beschäftigt. Zählt man auch hier die Beschäftigungseffekte bei den Zulieferern dazu, dann steigt der Anteil auf über 16 Prozent. In Summe ist jeder sechste Arbeitsplatz in Österreich direkt oder indirekt vom Einzelhandel abhängig.  Damit sind die Beschäftigungseffekte des Einzelhandels der Studie zufolge höher als die vieler anderer Branchen. Besonders bei Frauen und bei Menschen, die flexible Arbeitszeitmodelle oder Teilzeitarbeit suchen, ist der Einzelhandel als Arbeitgeber beliebt.  

„Damit das auch so bleibt, investieren wir laufend in die Lehrlingsausbildung und in die Weiterbildung unserer Mitarbeiter. Um weiterhin ein Beschäftigungsmotor sein zu können, müssen wir aber auch an den Kostenfaktoren drehen. Das heißt: niedrigere Lohnnebenkosten und vor allem Entlastung beim Hauptkostentreiber Energie“, betont Trefelik abschließend. (PWK363/DFS)

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