„Altern als Glück“: „kreuz und quer“ über die Frage, wie wir eine Gesellschaft des längeren Lebens gestalten wollen

Am 13. Dezember ab 22.35 Uhr in ORF 2, danach: „Imads Kindheit“

Wien (OTS) – Wie wollen wir eine Gesellschaft des längeren Lebens gestalten? Welche Antworten haben wir auf den Pflegenotstand und die drohende Vereinsamung einer breiten Gesellschaftsschicht? Diesen Fragen widmet sich am Dienstag, dem 13. Dezember 2022, um 22.35 Uhr die neue „kreuz und quer“-Dokumentation „Altern als Glück“ von Florian Kröppel und Kurt Langbein. Um 23.10 Uhr folgt Zahavi Sanjavis Film „Imads Kindheit“: Imad ist fünf Jahre alt. Der Bub aus einer jesidischen Familie ist geprägt von seiner Gefangenschaft, in der er durch Kämpfer der Terrororganisation IS indoktriniert wurde. Nun lebt er mit seinem kleinen Bruder und seiner Mutter in einem Flüchtlingscamp in Kurdistan. Trotz aller Wirrnisse und Sprachprobleme helfen ihm seine Mutter, Großmutter und eine Therapeutin, das Erlebte zu verarbeiten und den Weg zum Kindsein neu zu entdecken.

„Altern als Glück“ – Ein Film von Florian Kröppel und Kurt Langbein

Die derzeitige Ausgangslage ist auf alle Fälle dramatisch: Wegen der permanenten Überlastung des Pflegepersonals und der noch immer geringen Bezahlung bleiben die österreichischen Pflegekräfte im Durchschnitt nur sechs bis maximal sieben Jahre in ihrem erlernten Beruf und das, obwohl die Ausbildung dazu aufwendig und auch teuer ist. Bis ins Jahr 2030 werden hierzulande rund 75.500 Fachkräfte in der Pflege fehlen. Eine Lücke, die kaum mit ausländischem Personal zu schließen sein wird.

Die Dresdner Altersforscherin Ursula Staudinger spricht es direkt an:
„Wir müssen als Gesellschaft des längeren Lebens unsere Prioritäten neu überlegen. Wie viel investieren wir in Prävention und wie viel Geld nehmen wir hier in die Hand? Wie viel investieren wir dann in adäquate Versorgungsumgebungen ab einem Zeitpunkt, wo der Einzelne und die Einzelne nicht mehr in der Lage sind, ein unabhängiges Leben in der Gemeinde zu führen.“ Ein Beispiel einer zeitgemäßen Betreuung von Demenzerkrankten geben die Wohneinheiten der Caritas Socialis in Wien. Hier leben nur acht Personen in einer Umgebung, die eher an eine WG als an eine Versorgungseinrichtung erinnert. Tag für Tag kochen die Bewohner/innen miteinander. Sie tauschen sich aus und leben in einem intakten Sozialgefüge. Auch Wilma Clark hat seit Kurzem hier ein Zimmer bezogen. Die Demenz der Pensionistin ist so weit fortgeschritten, dass ein Leben allein nicht mehr möglich ist – das Essen kann sie nur noch im Bett zu sich nehmen. Wilma Clark fühlt sich sichtlich wohl in ihrer neuen WG. Und auch die Expertin weiß: Je kleiner die Betreuungseinheiten gestaltet sind, desto wohler fühlen sich die Betroffenen.

Mittlerweile versuchen mehrere Initiativen, auch das System der „Community Nurse“ in Österreich zu etablieren. Hier sind Fachkräfte für einen Ort zuständig und helfen Betroffenen in Fragen rund um das Gesundheitssystem. Gleichzeitig sollen sie auch gesundheitspräventive Akzente setzen. Claudia Kuss ist als Community Nurse im niederösterreichischen Ort Trumau angestellt. Ihrer Einschätzung nach ist das große Thema die Einsamkeit. Während die Jüngeren in die Stadt ziehen, bleibt die ältere Generation oft allein zurück. Genau hier braucht es dann Anlaufstellen wie sie, um die richtigen Schritte in die Wege zu leiten. Um nicht allein zu sein, gibt es aber auch andere besondere Lösungen. Peter Beier zum Beispiel hat sich bei einer Plattform registrieren lassen, die für ihn den richtigen Wohnungskollegen gesucht und gefunden hat. Ziel der „Wohnbuddies“ ist es, die ältere Generation, die oft über genügend Wohnraum verfügt, mit der jüngeren Studentengeneration zu verbinden. Mit vielen Vorteilen sowohl für die eine als auch die andere Seite.

„Imads Kindheit“ – Ein Film von Zahavi Sanjavi (ORF-Bearbeitung:
Sabine Aßmann)

Mehr als zwei Jahre hat der kleine Imad mit seiner Mutter und seinem Bruder in der Gewalt der Terrororganisation IS verbracht. Schließlich wird die jesidische Familie freigekauft und lebt nun in einem Camp im Nordirak. Doch der Fünfjährige ist voller Aggressionen. Er wehrt jede Annährung vehement ab und spricht Arabisch statt seiner Muttersprache Kurmandschi. Die Dokumentation begleitet Imad auf seinem schwierigen Weg und zeigt eindringlich die psychologischen Folgen massiver und systematischer Gewalterfahrungen. Die schlimmen Erfahrungen der Familie stehen dabei stellvertretend für das Leid Tausender jesidischer Männer, Frauen und Kinder.

http://presse.ORF.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
© Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender