KV Tourismus: Gewerkschaft fordert deutliche Lohnerhöhung über Inflation anstatt Almosen

vida-Tusch: „WKÖ-Spartenobmann Pulker will Tourismusbeschäftigte mit Almosen abspeisen. Reallohnverluste tragen zur Flucht vieler aus der Branche bei.“

„Es ist wirklich bemerkenswert, wie Mario Pulker die Lebensrealität der Tourismusbeschäftigten wahrnimmt. Den Betrieben die Auszahlung von 400 Euro Einmalzahlung für ihre MitarbeiterInnen zu empfehlen, um sich in den Medien damit als Gönner zu inszenieren, während man nicht bereit ist, die Löhne endlich nachhaltig der Teuerung anzupassen, ist eine Verhöhnung der Beschäftigten“, kommentiert Berend Tusch, Vorsitzender des Fachbereichs Tourismus der Gewerkschaft vida, die Ausführungen des WKÖ- Spartenobmannes Tourismus in der Kronen Zeitung vom Samstag. Es sei vielmehr so, dass die Arbeitgebervertreter die Beschäftigten mit einer Lohnerhöhung auf Basis der durchschnittlichen Inflationsrate abspeisen wollen, was für viele Lohngruppen einen Reallohnverlust bedeuten würde. „Wir betonen seit September, dass es eine deutliche Anhebung der Einkommen über der Inflationsrate geben muss. Die Einmalzahlung nehmen wir für die Kolleginnen und Kollegen gerne obendrauf – hier wäre aber deutlich mehr angebracht als Entschädigung für das lange Hinhalten der Beschäftigten“, so Tusch weiter.

„Womit bezahlen die Tourismusbeschäftigten dann ab April ihre gestiegenen Rechnungen? Während die Unternehmen Förderungen in Milliardenhöhe eingestreift haben, sind es die aufgrund der explodierenden Preisen für Energie, Lebensmittel und Sprit belasteten ArbeitnehmerInnen, die nicht mehr wissen, wie sie ihr Leben bestreiten sollen“, sagt Gewerkschafter Tusch und weist darauf hin, dass die KV-Verhandlungen längst abgeschlossen sein könnten, wenn die Arbeitgeber zu ihrem Wort stehen würden und sich an die Ergebnisse aus der ersten Verhandlungsrunde vom 1. Dezember erinnern würden. Tusch rät den Arbeitgeberverhandlern – in Anbetracht der gestiegenen Nachfrage von Arbeitskräften – die Marktrealitäten zur Kenntnis zu nehmen und die Löhne entsprechend anzuheben. Der Tourismus sei immer noch Schlusslicht. Sämtliche Branchen hätten ihre Kollektivverträge im Zuge der von der vida geforderten Sonder-KV-Verhandlungen bereits abgeschlossen, einzig der Tourismus mit 230.000 Beschäftigten hinke wieder hinterher. „Der Tourismus ist als Arbeitsumgebung ohnedies mäßig attraktiv. Die Arbeitgebervertreter tun der Branche mit ihrem Ignorieren der Tatsachen nichts Gutes“, so Tusch.

Einerseits jammern die Arbeitgeber über den Arbeitskräftemangel, andererseits sind sie aber nicht bereit, die Branche mit deutlichen Einkommenserhöhungen attraktiver zu machen, kritisiert Berend Tusch und betont, dass das Verhalten der WKÖ-Vertreter an Marie Antoinette erinnert – wenn die Menschen kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen.

Abschließend verweist Gewerkschafter Tusch auf eine im Rahmen des gerade stattfindenden ÖHV-Kongresses in Salzburg präsentierte Umfeldanalyse. „Die Tourismusbranche muss bessere Bedingungen schaffen“, heißt es darin. Tusch dazu: „Es muss sich bei den Betrieben eine positive Hin-zu-Bewegung etablieren, hin zu deutlich besserer Bezahlung und hin zu den Bedürfnissen der Beschäftigten, denn das Strukturproblem sind am Ende die Arbeitsbedingungen, die umgehend zu verbessern sind. Gelingt das nicht, leidet die Branche noch länger am Arbeitskräftemangel, denn der Tourismus steht in Konkurrenz zu anderen Branchen, die genau das bieten. Und es ist weder die Gewerkschaft, noch sind es die Beschäftigten, die man dafür verantwortlich machen kann.“

Gewerkschaft vida/Öffentlichkeitsarbeit
Martin Mandl
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