
Das Gewaltschutzsystem in Österreich muss noch sichtbarer werden
Eine Studie zu Frauenmorden in Österreich zeigt, dass viel zu wenig Betroffene sich an die Gewaltschutzzentren wenden
793 Frauen wurden im Zeitraum von 2010 bis 2020 Opfer von Morden oder Mordversuchen. Diese Fälle wurden vom Institut für Konfliktforschung wissenschaftlich untersucht und quantitativ und qualitativ analysiert. Die Ergebnisse, die im Rahmen einer Pressekonferenz mit den Studienautorinnen, der Frauen-, Familien- und Integrationsministerin Susanne Raab, der Justizministerin Alma Zadić, dem Innenminister Gerhard Karner und der Vorsitzenden des Bundesverbandes der Gewaltschutzzentren Marina Sorgo präsentiert wurden, spiegeln auch die Erfahrungen der Gewaltschutzzentren wider.
7.650 Betretungs- und Annäherungsverbote wurden im 1. Halbjahr 2023 von der Polizei an die Gewaltschutzzentren übermittelt. Rund 14.600 Betroffene von Gewalt wurden in dieser Zeit österreichweit betreut. „Das ist für uns als größte Opferschutzeinrichtung Österreichs eine nachvollziehbare Entwicklung, die aufgrund der Sensibilisierungsarbeit der letzten Jahre Früchte trägt. Dennoch findet eine große Anzahl von Betroffenen noch immer nicht den Weg zu uns; da gilt es anzusetzen“, so Sorgo. Dies war auch ein Ergebnis der vorgestellten Studie. Frauen, und hier vor allem auch Migrantinnen, müssen erfahren, dass die Polizei für Gewalt in der Familie zuständig ist und mit Opferschutzeinrichtungen eng kooperiert. Hier sind vertrauensbildende Maßnahmen notwendig.
Weiters ist es notwendig, Gewalt auch im Zusammenhang mit psychischer Gesundheit zu sehen. Traumatisierte Menschen, gewaltbetroffene Kinder, vulnerable Familien, die gelernt haben, Gewalterfahrungen als Konfliktlösungsmodell weiterzugeben, brauchen „Frühe Hilfen“ und mehr Therapieangebote.
Die Betreuungszahlen steigen auch aufgrund des erweiterten Spektrums der wahrgenommenen Gewalt. Wurde vor 20 Jahren nur körperliche Gewalt als solche anerkannt, so werden heute sowohl die psychische Gewalt als auch andere Gewaltformen wie zum Beispiel Cybergewalt als solche wahrgenommen.
Gabriele Payerl-Gerstmann, Koordinatorin des Bundesverbandes der Gewaltschutzzentren Österreichs
Tel. 0676/4116735
E-Mail: payerl@gewaltschutzzentrum.at
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