VKI: Haaröle – Bedenklicher Chemikalien-Cocktail

Fast die Hälfte der 40 getesteten Produkte enthält problematische Substanzen

HAARÖLE VERSPRECHEN GLÄNZENDES HAAR BIS IN DIE SPITZEN. DOCH WIE BEDENKENLOS LASSEN SICH DIESE TATSÄCHLICH VERWENDEN? DER VEREIN FÜR KONSUMENTENINFORMATION (VKI) HAT GEMEINSAM MIT VIER EUROPÄISCHEN VERBRAUCHERSCHUTZORGANISATIONEN HAARÖLE UNTER DIE LUPE GENOMMEN. FAST DIE HÄLFTE DER 40 IN ÖSTERREICH ERHÄLTLICHEN PRODUKTE ENTHÄLT PROBLEMATISCHE CHEMIKALIEN, ETWA POTENZIELL HORMONELL WIRKSAME ODER UMWELTPERSISTENTE SUBSTANZEN. AUSFÜHRLICHE INFORMATIONEN ZUM THEMA GIBT ES AB 29.01.2026 IN DER FEBRUAR-AUSGABE DER ZEITSCHRIFT KONSUMENT SOWIE AB SOFORT AUF WWW.VKI.AT/HAAROEL-2026.

Die Untersuchung wurde gemeinsam mit Verbraucherorganisationen aus Dänemark, Norwegen, der Tschechischen Republik und Slowenien durchgeführt. Die Bewertung der Produkte basiert auf der vom Hersteller angegebenen Liste der Inhaltsstoffe und erfolgt nach dem Ampelprinzip. Keines der untersuchten Haaröle ist frei von problematischen Substanzen: 22 Produkte erhielten eine „gelbe“, 18 eine „rote“ Bewertung.

ALLERGENE DUFTSTOFFE

Immerhin 22 Haaröle wurden mit „Gelb“ bewertet, darunter sechs von sieben getesteten Naturkosmetik-Produkten. „Damit wurden jene Produkte eingestuft, die zwar frei von vielen kritischen Stoffen sind, aber einzelne Inhaltsstoffe enthalten, auf die sensible oder umweltbewusste Nutzer:innen achten sollten“, erklärt VKI-Chemikalienexpertin Birgit Schiller. „Dazu zählen etwa Duftstoffe wie Limonene, die Allergien auslösen oder auch umweltschädlich wirken können.“ Im Durchschnitt enthalten die getesteten Produkte 4,6 potenzielle allergene Duftstoffe. Einen unrühmlichen Spitzenplatz nimmt das „Haaröl Plex Boost“ von Aveo Professionals mit elf potenziell allergenen Duftstoffen ein. Knapp dahinter folgt das „Gliss tägliches Öl-Elixir“ von Schwarzkopf mit zehn problematischen Duftstoffen. Letzteres erhielt sogar eine „rote Bewertung“, da in dem Öl zusätzlich ein potenziell hormonell wirksamer Stoff enthalten ist.

PROBLEMATISCHE CHEMIKALIEN

18 Haaröle erhielten die rote Karte, da sie problematische Substanzen wie potenziell hormonell wirksame oder schwer abbaubare Stoffe enthalten. Bis auf eine Ausnahme ist bei diesen Produkten der Hauptinhaltsstoff synthetischer Natur. Die Spannbreite reicht hier von günstigen Produkten (Balea, Langhaarmädchen) bis hin zu hochpreisigen Marken (Sol de Janeiro, Aveda).

„Grundsätzlich sind die in den Ölen enthaltenen Stoffe zwar gesetzlich zugelassen und das einzelne Produkt ist nicht unmittelbar gefährlich“, erläutert Birgit Schiller. „Dennoch tragen sie zu einer Gesamtbelastung durch problematische Chemikalien bei. Hinzu kommt: Einige dieser Stoffe – die Siloxane D5 und D6 – werden ab Juni 2026 in EU-Kosmetika weitgehend verboten sein.“

D5 und D6 wurden von der EU-Chemikalienbehörde (ECHA) als „besonders besorgniserregend“ eingestuft. Die untersuchten Haaröle von Aussie, Kevin.Murphy, Langhaarmädchen, Pantene Pro-V, Sebastian Professionals und Wella Professionals enthalten diese Substanzen.

VIEL SYNTHETIK WENIG PFLANZENÖL

„Die Untersuchung zeigt, dass sich unter dem Begriff ,Haaröl‘ am Markt überwiegend synthetische Produkte finden. Synthetische Lösungsmittel und Silikone werden häufig eingesetzt, teilweise ergänzt durch Pflanzenöle“, so Birgit Schiller. „Nur wenige Haaröle bestehen tatsächlich aus einer Mischung von pflanzlichen Ölen.“ Besonders dreist ist die Aufmachung des untersuchten Haaröls von „Hairlust“: Hier wird mit dem Zusatz „organic“ geworben, obwohl das Produkt hauptsächlich aus Silikonen und synthetischem Öl besteht.

Birgit Schiller empfiehlt, einen Blick auf die Inhaltsstoffliste zu werfen. „Bei Kosmetika ist es ähnlich wie bei verpackten Lebensmitteln: Je höher der Anteil einer Substanz, desto weiter oben muss sie gelistet sein.“ Findet sich an erster Stelle ein Silikon, wie Cyclopentasiloxan, besteht das Produkt oft vornehmlich aus künstlichen Inhaltsstoffen.

Der abschließende Tipp der Expertin: „Für die Pflege trockener Haarspitzen oder Locken eignen sich auch pure Öle wie Kokosöl oder Sonnenblumenkernöl sehr gut – dafür braucht es keine ausgeklügelte Mischung. Und nicht zuletzt: Geschädigtes Haar kann durch ein Haaröl zudem ohnehin nicht repariert werden.“

SERVICE: Ausführliche Informationen zum Thema gibt es ab 29.01.2026 in der Februar-Ausgabe der Zeitschrift KONSUMENT und auf www.vki.at/haaroel-2026.

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