
Equal Care Day 24. Februar 2026
Städtebund zu Equal Care Day: 50 Prozent der unbezahlten Arbeit an Männer!
Die Zeitverwendungsstudie der Statistik Austria aus dem Jahr 2023 zeigt, dass Frauen jeden Tag zwei Stunden mehr unbezahlte Arbeit leisten als Männer. In Familien mit Kindern verbringt die Frau doppelt so viel Zeit mit den Kindern als Männer. Das heißt, egal, ob es um Kindergeburtstage, zu pflegende Angehörige, Wäsche waschen oder das Ausräumen des Geschirrspülers geht, es sind Großteils Frauen, die diese Tätigkeiten ausführen und organisieren. Männer sehen sich meist nicht verantwortlich oder bestenfalls als „Zuarbeiter auf Zuruf“ sich an der unbezahlten Arbeit zu beteiligen; ihre finanzielle Absicherung geben sie dabei nicht auf. Der Großteil der Denkarbeit (Mental Load) hinter der Koordination von Kindern und Haushalt bleibt bei den Frauen. Sie sind es, die die Geburt eines Kindes mit finanzieller Abhängigkeit bezahlen.
Dazu Städtebund-Generalsekretär Thomas Weninger, selbst vor vielen Jahren Karenzvater: „Wir brauchen eine 50:50 Aufteilung der unbezahlten Arbeit in Partnerschaften, wir brauchen ökonomisch unabhängige Frauen mit einer gesunden Work-Life-Balance. Auch unbezahlte Arbeit ist Arbeit; sie wird nur nicht bezahlt.“
Vizebürgermeisterin und Städtebund-Frauenausschuss-Vorsitzende Kathrin Gaál betont: „Eine Stunde Frau ist nicht gleich eine Stunde Mann! Durch die Übernahme eines Großteils der Care-Arbeit haben Frauen einen Startnachteil. Wir brauchen die wirtschaftliche Gleichberechtigung der Frauen und dafür ist es notwendig, dass sich die Care-Arbeit zwischen Männern und Frauen gerecht aufteilt. Denn ausgeglichene Voraussetzungen sind Grundbedingung für finanzielle Unabhängigkeit durch gleichberechtigtes Einkommen und schlussendlich für eine ausreichende Absicherung von Frauen in der Pension.“ Derzeit bekommen Frauen immer noch knapp unter 40 Prozent weniger Pension. Diese geringe Pension führt unter Frauen verstärkt zu Altersarmut. Mitzudenken sind auch Alleinerzieher:innen, die die unbezahlte Arbeit nicht aufteilen können.
STÄDTE UND SOZIALVERSICHERUNGSSYSTEM GEFORDERT
Weninger verweist darauf, dass Städte und Gemeinden gefordert sind, ausreichend Kindergarten- und Pflegeplätze zur Verfügung zu stellen. Klar ist aber auch, dass Städte dafür die notwendigen finanziellen Mittel benötigen. Zudem müssen Kindergarten-Öffnungszeiten so gestaltet sein, dass für beide Partner:innen ein eigenständiges Einkommen möglich ist und die Work-Life-Balance für beide Elternteile und Obsorgeberechtigte stimmt.
Städtebund-Generalsekretär Thomas Weninger: „Das österreichische Sozialversicherungssystem orientiert sich immer noch am Vollzeit arbeitenden Mann. Frauen arbeiten aber oftmals Teilzeit und bekommen auch aus diesem Grund später weniger Pension. Der Städtebund-AK-Gleichstellungsindex zeigt, dass die österreichischen Städte und Gemeinden bei den Teilzeitquoten nur 18 von 100 Indexpunkten erreichen. Im Durchschnitt über alle Gemeinden unterscheiden sich die Teilzeitquoten von Männern und Frauen um 45,8 Prozent.“
Vizebürgermeisterin und Städtebund-Frauenausschuss-Vorsitzende Katharin Gaál hebt hervor, dass es auf städtischer Ebene immer öfter Projekte gibt, die Männer dabei unterstützen von ihren Rechten Gebrauch zu machen. Gaál betont: „Die Stadt Wien ist hier Vorreiterin aber dennoch braucht es noch mehr Engagement und Überzeugungsarbeit bei und für Männer, eine Karenzzeit zu nehmen. Wir brauchen eine geschlossene politische Überzeugung, um Anreize zu schaffen und Strukturen aufzubrechen.“ So gehen zum Beispiel nach einer neuen Studie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) Mütter nach der ersten Geburt durchschnittlich 416 Tage in Elternkarenz, Väter nur neun bezahlte Tage. Teilzeit arbeitende Väter gibt es selten. Männer merken demnach kaum Auswirkungen einer Vaterschaft auf ihre Erwerbstätigkeit. Bei Frauen verhält es sich so, dass hochqualifizierte Mütter schneller in den Arbeitsprozess zurückkehren als geringer qualifizierte Frauen.
AKTIONEN IN DEN STÄDTEN ZUM EQUAL CARE DAY
Einige Mitgliedsstädte des Österreichischen Städtebundes veranstalten Aktionen vor Ort, um auf unbezahlte Arbeit und Mental Load aufmerksam zu machen. Schließlich geht es darum, ins Gespräch zu kommen, um gemeinsam Verbesserungen für Frauen zu erzielen. So wird ein Schwammtuch und eine Postkarte mit der Aufschrift: „50 Prozent der unbezahlten Arbeit an die Männer“ verteilt, als sichtbarer Denkanstoß, dass es noch viel zu tun gibt – in einer Welt in der Arbeit, die vorwiegend von Frauen verrichtet wird, abgewertet und/oder erst gar nicht bezahlt wird. In ST. PÖLTEN werden die Schwammtücher an alle Mitarbeiter:innen im Rathaus verteilt. Zusätzlich gibt es in einer Auslage im Eingangsbereich des Rathauses Informationen zum Equal Care Day. Auch in BREGENZ werden die Schwammtücher und Broschüren an die Bevölkerung verteilt. KLAGENFURT verteilt die Schwammtücher und Info-Karten bei einer Aktion in den City-Arkaden. In WELS findet am 24. März im FrauenBerufsZentrum ein Schwerpunktvormittag zu unbezahlter Arbeit statt – dabei sind 40 Frauen.
DER EQUAL CARE DAY
Das Datum des Equal Care Day fällt in Schaltjahren bewusst auf den 29. Februar, in anderen Jahren – wie 2026 – auf den 1. März. Das soll auf das Problem der unbezahlten und auch der unsichtbaren Arbeit, die großteils von Frauen geleistet wird, aufmerksam machen. In Deutschland besteht der Equal Care Day seit 2016, in Österreich gibt es Aktionen seit 2023. Mehr Informationen zum Equal Care Day finden Sie hier – auch einen Test für Paare zur Mental Load: https://equalcareday.org/
ÜBER DEN ÖSTERREICHISCHEN STÄDTEBUND
Der Österreichische Städtebund ist die in der Verfassung verankerte Interessenvertretung und eine starke Stimme für Städte und größere Gemeinden in Österreich. Aktuell sind es 259 Mitgliedsgemeinden. Zwei Drittel der Bevölkerung und 70 Prozent der Arbeitsplätze befinden sich in Städten und Stadtregionen.
Elisabeth Hirt
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