
WKÖ-Trefelik: Lage im Handel bleibt trotz Rückkehr auf Wachstumspfad schwierig
Handel wuchs 2025 mit real +0,4 % erstmals seit 2021 wieder, doch Insolvenzen und Arbeitslosenzahlen der Branche stiegen stark an
„Es freut uns zwar, dass nach einer langen Durststrecke im Gesamtjahr 2025 erstmals wieder ein Plus vorne steht, aber Gründe zum Jubeln gibt es dennoch wenig. Vor allem um die Rentabilität vieler Handelsunternehmen ist es schlecht bestellt. Die Rekordzahlen bei den Insolvenzen, viele Schließungen sowie die steigenden Arbeitslosenzahlen im Handel sprechen hier eine klare Sprache“, fasst Rainer Trefelik, Obmann der Bundessparte Handel der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), die Konjunkturdaten der Handelsbranchen zusammen, die heute im Rahmen einer Pressekonferenz in der WKÖ präsentiert wurden.
Insgesamt konnte der österreichische Handel – wie die Analysen auf Basis der Daten der Statistik Austria zeigen – die Umsätze Jänner-November 2025 (Dezemberdaten sind nur teilweise verfügbar) nominell um +2,0 % auf rund 306 Milliarden Euro steigern. „Da der Preisauftrieb im Handel mit +1,6 % abermals deutlich schwächer ausfiel als die allgemeine Inflationsrate und der Handel somit inflationsdämpfend wirkte, bedeutet das preisbereinigt bzw. real ein Konjunkturwachstum um +0,4 %“, führt Handelsforscher Peter Voithofer vom Institut für Österreichs Wirtschaft (iföw) aus.
IM EU-EINZELHANDELSKONJUNKTUR-RANKING NUR AN 22. STELLE
Betrachtet man die einzelnen Sektoren, dann gibt es ausschließlich in der Kfz-Wirtschaft einen merklichen Aufschwung. Dort stiegen die Umsätze nominell um +6,3 % und real um +3,4 %. Im Einzelhandel betrug das Wachstum nominell +2,6 % bzw. real +0,7 %, wodurch Österreich dem EU-Durchschnitt von real +2,3 % deutlich hinterherhinkt und im EU-Konjunkturranking nur den 22. Platz einnimmt. Auch in Deutschland ist die Einzelhandelskonjunktur mit +3,1 % wieder wesentlich stärker angesprungen als hierzulande.
Dennoch verlief die Entwicklung im österreichischen Einzelhandel besser als im Großhandel. Dort gab es zwar ein kleines nominelles Umsatzplus von +0,5 %, real bedeutete dies jedoch ein leichtes Minus (-0,5 %).
GROSSE UNTERSCHIEDE ZWISCHEN DEN EINZELNEN BRANCHEN
Unterschiedlich entwickelten sich auch die einzelnen Branchen innerhalb des Einzelhandels: Während der Lebensmitteleinzelhandel real um +1,1 % zulegte, betrug das Plus im Non-Food-Bereich nur +0,4 %. Die größten Zuwächse verzeichnete der Schuheinzelhandel (real +7,4 %, allerdings aufgrund rückläufiger Jahre davor von niedrigem Niveau ausgehend), der Bau- und Heimwerkerbedarf (+7,0 %) sowie der Blumenhandel (+5,0 %). Deutlich schlechter lief es im Schmuckhandel (-13,7 %), im Handel mit Büchern und Zeitschriften (-6,6 %) und im Möbelhandel (-1,8 %).
Differenziert sind darüber hinaus die einzelnen Monate zu betrachten: „Hier hatten wir eine sehr volatile Entwicklung und in einzelnen Monaten wie beispielsweise im November, in den die Black Week fällt, sogar größere Umsatzrückgänge,“ so Voithofer. Auch das Weihnachtsgeschäft, das zunehmend bereits im November beginnt, sei somit „nicht der große Gamechanger“ der insgesamt nach wie vor schwachen Konjunkturentwicklung gewesen.
ZAHL DER INSOLVENZEN ERREICHT REKORDNIVEAU
Dass noch keineswegs alles rund läuft, zeigt auch der starke Anstieg der Insolvenzen in den letzten Jahren: Verzeichnete der Handel im Jahr 2020 noch 495 Insolvenzen, waren es im Vorjahr laut KSV von 1870 bereits 1125 (2024: 1117 Insolvenzen). Insgesamt betrifft ein Sechstel aller Pleiten in Österreich den Handel.
Ebenso ist die Entwicklung der Beschäftigung keineswegs positiv: Sowohl im Einzelhandel als auch im Großhandel ging die Anzahl der Mitarbeiter:innen zurück. Im gesamten Handel betrug das Beschäftigungsminus -1,5 % auf knapp 560.000 unselbständig Beschäftigte, rund 296.000 entfielen auf den Einzelhandel. Auch die Zahl der offenen Stellen ging um -10 % zurück, während die Arbeitslosigkeit im Handel zunahm (+9,6 %).
AUSBLICK LEICHT POSITIV, ABER SORGE UM RENTABILITÄT
„Wir blicken somit auf ein schwieriges Jahr zurück, auch wenn sich die Konjunktur etwas erholt hat und wir für 2026 eine gewisse Hoffnung auf einen Aufwärtstrend haben“, resümiert Trefelik. Schließlich prognostizieren die Wirtschaftsforscher ein Anspringen der Konjunktur und eine gewisse Verbesserung beim privaten Konsum. Unsicherheiten bleiben allerdings bestehen, vor allem sei die Stimmung bei den Unternehmen noch wenig optimistisch. Auch der Kostendruck in allen Bereichen, der sich auf die Ertragssituation auswirkt, ist weiter spürbar. Die Rentabilität der Handelsbetriebe bleibt somit ein Sorgenkind, weshalb die Bundessparte Verbesserungen bei den Rahmenbedingungen fordert.
ZENTRALE FORDERUNGEN FÜR ZUKUNFTSFÄHIGEN HANDEL
„Damit der österreichische Handel positiv in die Zukunft schauen kann, brauchen wir einige zentrale Weichenstellungen. Die erste heißt keine zusätzlichen Kostenbelastungen. Hiervon hatten wir zuletzt mehr als genug, ich erinnere nur an das Shrinkflationgesetz“, so Trefelik. Zweitens dürfe – damit zusammenhängend – der Handel nicht ständig als Verursacher der Inflation hingestellt werden. „Die Zahlen belegen es schwarz auf weiß: Die Preissteigerungen im Handel liegen unter der Inflationsrate. Der Handel ist somit nicht Verursacher der hohen Inflation“, sagt Trefelik. Damit dies so bleiben kann, fordert er außerdem wettbewerbsfähige Energiepreise.
Zusätzlich braucht es auch faire Wettbewerbsbedingungen in Hinblick auf außereuropäische Billigkonkurrenz. „Es ist natürlich positiv, dass die EU ab Juli zumindest einen Pauschal-Zoll von drei Euro auf Kleinpakete aus Drittstaaten einhebt und damit eine Übergangslösung bis zur tatsächlichen Abschaffung der 150-Euro-Zollfreigrenze einführt. Doch dass diese Abschaffung erst 2028 kommen soll, ist viel zu spät. Die EU muss praxisorientierter und schneller werden“, fordert Trefelik.
BINNENMARKT VERTIEFEN UND HÜRDEN FÜR KMU ABBAUEN
„Der EU-Binnenmarkt bietet KMU große Chancen: Zugang zu 450 Millionen Konsument:innen in 27 Staaten ohne Zölle und mit einheitlichen Regeln ermöglicht skalierbare Geschäftsmodelle“, betont Iris Thalbauer, Geschäftsführerin der Bundessparte Handel. In der Praxis erschweren jedoch komplexe Vorschriften, unterschiedliche nationale Auslegungen sowie umfangreiche Konsumentenschutz- und Informationspflichten den Marktzugang und verursachen hohe Bürokratie. Gefordert werden daher Vereinfachungen, weniger Detailregulierung und regelmäßige KMU-Checks der bestehenden Bestimmungen.
Neben diesen zentralen Forderungen gibt es Trefelik zufolge noch „eine Reihe von Dauerbrennern“. Dazu zählen eine spürbare Entlastung bei den Lohnnebenkosten, die Reduktion von Bürokratie sowie ein Fokus auf Aus- und Weiterbildung, um den Fachkräftemangel einzudämmen. Aber auch die Erreichbarkeit von Handelsbetrieben, wozu die ausreichende Versorgung mit Parkplätzen gehört, müsse gegeben sein. „Wir wollen mit Zuversicht ins Jahr 2026 blicken. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, muss man den Handel aber arbeiten lassen. Das heißt, die Betriebe entlasten statt belasten, auch was bürokratische Herausforderungen anbelangt, und für faire und lebbare Wettbewerbsbedingungen sorgen,“ so der Handelsobmann abschließend. (PWK075/DFS)
Wirtschaftskammer Österreich
Digital Media & Communication
Pressestelle
Telefon: T 0590 900 – 4462
E-Mail: dmc_pr@wko.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
© Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender