
Rübenbauern schlagen Alarm: Forderung nach Kurskorrektur in der EU-Zuckerpolitik
Generalversammlung des Rübenbauernbundes für Niederösterreich und Wien im Zeichen von Fabrikschließungen, Preisdruck und wachsender Existenzsorgen
Der Rübenbauernbund für NÖ und Wien, die Interessenvertretung der rund 3.200 Rübenbauern in den Bundesländern Niederösterreich und Wien und damit die größte der vier regionalen Rübenbauernorganisationen mit insgesamt 4.400 Rübenbauern, hielt heute seine jährliche Generalversammlung ab.
Präsident Karpfinger berichtete, dass sich die heimischen Rübenbauern mit der schwersten Krise seit der Liberalisierung des europäischen Zuckermarktes konfrontiert sehen. Bei der Generalversammlung warnte daher Ernst Karpfinger: „Ohne rasche politische Kurskorrekturen drohen weitere Produktionsrückgänge und ein nachhaltiger Verlust regionaler Wertschöpfung sowie die Versorgungssicherheit mit Zucker aus heimischen Zuckerrüben.“
Das abgelaufene Jahr 2025 begann mit einem tiefen Einschnitt für die Rübenbauern. Die dauerhafte Schließung der Zuckerfabrik Leopoldsdorf veränderte die Rahmenbedingungen für die österreichische Rübenproduktion grundlegend. Ursache war eine seit Jahren angespannte wirtschaftliche Situation, die sich durch massive Marktverwerfungen weiter verschärfte. Besonders das zollfreie Ukraine-Abkommen führte zum Verlust wichtiger Absatzmärkte in Osteuropa, die zuvor mit Zucker aus österreichischer Produktion versorgt worden waren.
TROTZ FLÄCHENREDUKTIONEN IN EUROPA ANHALTENDER MARKTDRUCK
Europaweit wurden die Anbauflächen im vergangenen Jahr infolge sinkender Preise um rund zehn Prozent reduziert. Gute Ernten in nahezu allen Anbauregionen konnten aber die Überversorgung des Marktes nicht maßgeblich reduzieren. Die Zuckerpreise bleiben unter Druck. Verschärft wird die Situation durch umfangreiche Importe aus der Ukraine, die in den vergangenen Jahren mehr als eine Million Tonnen erreichten. Zwar wurde die zollfreie Lieferquote mittlerweile reduziert, doch jede importierte Tonne verdrängt europäische Produktion. Zusätzlich sieht das Mercosur-Abkommen weitere Importmengen von knapp 200.000 Tonnen vor – das entspricht der Jahresproduktion einer mittelgroßen EU-Zuckerfabrik.
Die Krise zeigt inzwischen deutliche strukturelle Folgen: Allein im vergangenen Jahr wurden europaweit fünf Zuckerfabriken – davon eine in Österreich – geschlossen, heuer folgten bereits zwei weitere Fabriken in der Slowakei und in Italien.
Auch in Österreich spitzt sich die Lage bei den Rübenbauern zu – rund 900 der insgesamt etwa 4.400 Rübenbauern setzen aktuell mit dem Rübenanbau aus. „In den letzten 20 Jahren sind die Produktionskosten um 60% gestiegen, während die Rübenpreise durch die fallenden Zuckerpreise um 20% gefallen sind. Diese Schere zwischen Kostensteigerung und Preisreduktion stellt viele Betriebe vor unlösbare Probleme. Die gegenwärtige Entwicklung, den Anbau auszusetzen, ist ein unübersehbares Warnsignal“, fasst Präs. Karpfinger die Entwicklung zusammen.
Für das Jahr 2026 werden erneut Reduktionen der europäischen Anbauflächen folgen, um Angebot und Nachfrage wieder ins Gleichgewicht zu bringen. „Diese ständigen Anpassungen durch Rübenbauern und Zuckerindustrien müssen aber auch mit einem Umdenken in der europäischen Handelspolitik begleitet werden. Sensible Agrarprodukte, wie Zucker, müssen künftig konsequent aus Freihandelsabkommen – etwa den laufenden Verhandlungen mit Indien, Australien und Thailand – ausgenommen werden“, fordert Karpfinger.
„Die Lage ist ernst wie selten zuvor. Während Europas Zuckerfabriken schließen und immer mehr Betriebe aus dem Rübenanbau aussteigen, wächst der Importdruck weiter. Unsere Bauern liefern Qualität und Versorgungssicherheit, stehen aber durch politische Entscheidungen im unfairen, internationalen Wettbewerb. Wenn Europa seine Zuckerproduktion erhalten will, sind jetzt klare handelspolitische Grenzen und faire Wettbewerbsbedingungen notwendig, sonst verlieren wir Schritt für Schritt unsere heimische Produktion“, so Präs. Karpfinger abschließend.
DIE RÜBENBAUERN
Dir. Ing. Markus Schöberl
Telefon: +43 664 30 78 911
E-Mail: m.schoeberl@rueben.at
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