
Bischofskonferenz nimmt Fokus auf verfolgte Christen und Synodalität
Frühjahrs-Vollversammlung der Bischöfe in St. Johann bei Herberstein erstmals mit Erzbischof Josef Grünwidl – Neuverteilung der inhaltlichen Zuständigkeiten der Bischöfe steht an
Österreichs katholische Bischöfe sind am Montag im Bildungshaus „Haus der Frauen“ im oststeirischen St. Johann bei Herberstein in die erste Vollversammlung des Jahres 2026 gestartet. Den Auftakt der viertägigen Beratungen markierte ein Studientag zur weltweiten Situation verfolgter Christen, auch die Kriege in Nahost und der Ukraine wird die Leiter der Diözesen bei ihren Beratungen beschäftigen. Angesichts der drohenden Gefahr, dass sich die Konflikte zu einem „Flächenbrand“ ausweiten, werde sich die Bischofskonferenz dazu in Richtung Politik erklären, kündigte deren Vorsitzender, der Salzburger Erzbischof Franz Lackner, vor den Beratungen im interview mit dem ORF und der Nachrichtenagentur Kathpress an.
Hinsichtlich des von Weihbischof Franz Scharl vorbereiteten Studienteils am Montag bemerkte der Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl als Gastgeber des Treffens, Christen seien derzeit die „meistverfolgte Religionsgesellschaft“. Das Thema werde vielfach nicht wahrgenommen, weshalb die Bischöfe den Fokus bewusst auf die Lage der von Intoleranz, Diskriminierung sowie Verfolgung Betroffenen legten. Hier wie auch zur globalen Lage sei der Zugang der Kirche, „das zu tun, was wir immer tun können: Beten, aufmerksam machen, gemeinsam unterwegs sein und den Menschen helfen, die oft unschuldig betroffen sind“, so Krautwaschl im Interview mit Kathpress und ORF. Der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler hob im Interview hervor, die Bischöfe wollten „die Friedensethik stärken“, sich auf die Seite der Leidenden stellen und angesichts negativer Dynamiken „Perspektiven auf eine Zukunft hin“ bewahren.
Ein zentrales Thema der Bischöfe ist auch die Weiterführung des von Papst Franziskus angestoßenen Synodalitäts-Prozesses auf den verschiedenen kirchlichen Ebenen. Österreichs Diözesen hätten sich damit in den letzten Monaten damit intensiv beschäftigt – „jetzt setzen wir konkrete Schritte, wie der synodale Geist möglichst überall in den Pfarrgemeinden umgesetzt wird“, betonte Erzbischof Lackner. Auch sein Wiener Amtskollege Josef Grünwidl, nach seiner Weihe im Jänner erstmals als Erzbischof bei den Beratungen dabei, bezeichnete die Verankerung der synodalen Arbeit in allen Pfarrgemeinden als eines der großen Themen des Bischofskollegiums.
Im Interview auf das Thema „Frauen in der Kirche“ angesprochen, verwies Grünwidl auf den jüngsten Aufruf von Caritas-Europa-Präsident Michael Landau, der sich am Weltfrauentag (8. März) überzeugt gezeigt hatte, dass die Kirche „noch klüger und noch weiblicher“ werden müsse. Noch mehr Frauen in Leitungsfunktionen in der Kirche bezeichnete in diesem Zusammenhang auch der neue Wiener Erzbischof als „dringend notwendigen Schritt“.
„Das Miteinander unter den Bischöfen stärken“
Ein Hauptpunkt der Beratungen wird die Neuvergabe von inhaltlichen Zuständigkeiten unter den Mitgliedern der Bischofskonferenz sein. Dabei erfolgt die Besetzung der Kommissionen und Referate durch Wahl für die Dauer von fünf Jahren. Es müsse geprüft werden, „ob das Paket der Zuständigkeiten noch passt. Wir werden uns gut einigen, auch um das Miteinander unter den Bischöfen zu stärken“, sagte Krautwaschl dazu. Lackner ergänzte, dass damit auch alltägliche Aufgaben und Verantwortlichkeiten effizienter verteilt werden könnten.
Die Vollversammlung behandelt darüber hinaus gesellschaftliche Fragen wie etwa die Armut angesichts der Budgetkonsolidierung, die Bildung oder das Engagement der Laien. Ein Fixpunkt der Beratungen der Bischöfe ist auch der Austausch über die aktuelle gesellschaftliche und kirchliche Situation. Der Apostolische Nuntius in Österreich, Erzbischof Pedro Lopez Quintana, wird voraussichtlich am Mittwochnachmittag mit den Bischöfen zusammentreffen.
Liturgische Höhepunkte der viertägigen Sitzung sind ein Eröffnungsgebet am Montag, ein Treffen mit dem Apostolischen Nuntius Pedro Lopez Quintana am Mittwoch und eine Festmesse in der Pfarrkirche Pischelsdorf am Mittwoch um 18 Uhr, zu der alle Gläubigen eingeladen sind. Erzbischof Lackner wird der Eucharistiefeier vorstehen, Erzbischof Grünwidl wird predigen. Die Vollversammlung des Episkopats endet am Donnerstag, 12. März.
Über die Ergebnisse der Vollversammlung der Bischofskonferenz wird Erzbischof Lackner im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien am Freitag, 13. März, um 10 Uhr im „Club Stephansplatz 4“ (1010 Wien, Stephansplatz 4) informieren.
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