Jugendstudie: Weniger als die Hälfte der Jugendlichen vertrauen Parlament

Zustimmung zur Demokratie jedoch weiterhin ungebrochen

Die Krisen der vergangenen Jahre haben sich negativ auf das Vertrauen der Jugendlichen in politische Institutionen ausgewirkt. Daran hat sich auch im vergangenen Jahr nichts geändert, wie eine im Rahmen des Projekts „Demokratie Monitor“ durchgeführte Erhebung des Sozialforschungsinstituts Foresight zeigt. Demnach gaben bei der jüngsten Befragung nur noch 41 % der 16- bis 26-Jährigen an, dass sie dem Parlament sehr oder ziemlich vertrauen. 2020 waren es noch 56 % gewesen. Im gleichen Zeitraum ging der Vertrauenswert der Bundesregierung von 51 % auf 37 % zurück. Auch dass das politische System in Österreich gut funktioniert, glaubt mit 44 % nur noch eine Minderheit. An der überwältigenden Zustimmung junger Menschen zur Demokratie ändert diese kritische Einstellung allerdings nichts: Für 89 % der 16- bis 26-Jährigen ist die Demokratie nach wir vor die beste Staatsform – das sind ebenso viele wie zum Projektstart 2018.

Vorgestellt wurde die von Martina Zandonella und Karoline Bohrn erstellte Studie „Jugend & Demokratie 2025“ heute im Parlament. Bereits seit 2018 befragt das Sozialforschungsinstitut Foresight im Zuge der Erstellung des Demokratiemonitors für das Parlament zusätzlich 300 junge Menschen zwischen 16 und 26 zu ihrer Einstellung zur Demokratie und zum politischen System in Österreich. Heuer wurde das Sample deutlich erhöht und der Fragenkatalog ausgeweitet. Rund 1.000 Jugendliche und junge Erwachsene nahmen an der im Herbst 2025 durchgeführten Telefon- bzw. Online-Befragung teil. Über deren Ergebnisse diskutierten heute auch Vertreterinnen und Vertreter der fünf Parlamentsfraktionen, dabei war auch das geplante „Social-Media-Verbot“ für unter 14-Jährige ein Thema.

VERTRAUENSVERLUST UND ABNEHMENDE REPRÄSENTATIONSWAHRNEHMUNG GEHEN MITEINANDER EINHER

Die Ergebnisse der Studie decken sich weitgehend mit dem Befund des vergangenen Jahres (siehe Parlamentskorrespondenz Nr. 20/2025). Der Vertrauensverlust in das politische System ist demnach eng mit einer abnehmende Repräsentationswahrnehmung verbunden, wie sich laut den Studienautorinnen Zandonella und Bohrn 2025 bestätigt hat. Während 2018 noch nahezu zwei Drittel der jungen Menschen der Ansicht waren, im Parlament gut vertreten zu sein, sind es seit 2021 nur mehr halb so viele (32 %). Auch der Glaube daran, mit politischer Beteiligung tatsächlich etwas bewirken zu können, ging deutlich zurück. Wobei die unterschiedlichen Lebensrealitäten junger Menschen signifikante Einflussfaktoren sind: Wer höhere finanzielle Ressourcen hat, sieht sich im Parlament deutlich besser vertreten als jemand aus einkommensarmen Haushalten und bewertet auch die Funktionsfähigkeit des politischen Systems positiver. Gleiches gilt für junge Menschen mit Universitätsabschluss versus Menschen ohne tertiäre Bildung.

Aufschlussreich ist auch das Ergebnis, wonach sich zwar 39 % der jungen Männer, aber nur 27 % der jungen Frauen im Parlament sehr oder ziemlich gut vertreten fühlen. Deshalb ist es wenig verwunderlich, dass junge Männer mit 44 % dem Parlament häufiger vertrauen als junge Frauen mit 37 %.

Was die politischen Anliegen junger Menschen betrifft, landeten – in einer offenen Fragestellung – die Themenkomplexe Lebenshaltungskosten, leistbares Wohnen sowie Schule, Ausbildung und Arbeit ganz oben auf der Prioritätenliste, wobei sich die Jugendlichen etwa mehr Unterstützung bei der Ausbildungs- und Berufswahl sowie beim Übergang in den Arbeitsmarkt erwarten. Auch wirksame Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels und zur Bewältigung seiner Folgen sowie Verteilungsfragen, etwa in Zusammenhang mit Armutsbekämpfung und dem Zugang zur Gesundheitsversorgung, wurden prioritär thematisiert. Dahinter folgen – schon mit einigem Abstand – die Themen Migration/Integration, Sicherheit, Demokratie und Digitalisierung.

INTERESSE AN POLITIK UND PARLAMENT

Dass junge Menschen politikverdrossen sind, wie oftmals behauptet wird, lässt sich aus der Studie nicht ableiten, im Gegenteil. So sind politische Themen im Alltag junger Menschen stärker präsent als noch vor dem Jahr 2020. Mittlerweile tauschen sich laut Zandonella und Bohrn nahezu alle 16- bis 26- Jähren in ihrem sozialen Umfeld über Politik aus und informieren sich zumindest gelegentlich über politische Themen, wobei soziale Medien – mit Instagram an der Spitze – weiterhin am häufigsten für Informationen genutzt werden.

In Bezug auf die Arbeit des Parlaments äußerten die befragten Jugendlichen außerdem ein hohes Informationsbedürfnis: Jeweils mehr als die Hälfte gab ab, gerne genauer darüber Bescheid wissen zu wollen, welche Gesetzesvorschläge gerade diskutiert werden und wie sich selbst dabei einbringen können. Auch hätte rund die Hälfte von ihnen gerne mehr Informationen dazu, wie Gesetze überhaupt zustande kommen. Trotz der in den vergangenen Jahren gewachsenen Distanz zwischen den jungen Menschen und dem politischen System bleibe ihre Bereitschaft ungebrochen, über Demokratie zu lernen und an Gestaltungs- sowie Entscheidungsprozessen teilzuhaben, halten Zandonella und Bohrn dazu fest.

Und im Vergleich zu älteren Menschen haben junge Menschen trotz ihrer Skepsis immer noch eine etwas positivere Sicht auf das politische System in Österreich: Bei den über-27-Jährigen denken laut Demokratiemonitor nur 33 %, dass dieses gut funktioniert.

ABGEORDNETE DISKUTIEREN ÜBER ERGEBNISSE DER STUDIE

In der anschließenden Podiumsdiskussion mit Vertreterinnen und Vertretern der Parlamentsparteien sagte FPÖ-Jugendsprecher Sebastian Schwaighofer, ihn überrasche das Ergebnis nicht. Die weltpolitische Lage habe sich in den letzten Jahren so dynamisiert, dass das Aufwachsen junger Menschen heute ein ganz anderes sei als noch in seiner Jugendzeit. Seiner Ansicht nach ist es wichtig, dass junge Menschen „laut sind“ und sich engagieren, zudem sieht er die Regierungsparteien aufgerufen, „ins Handeln zu kommen“.

Grünen-Abgeordnete Barbara Neßler appellierte an die jungen Menschen, sich mit ihren Anliegen an Politikerinnen und Politiker zu wenden. Durch die Sozialen Medien sei es sehr niederschwellig geworden, Kontakt aufzunehmen, etwa durch Posts, meinte sie. So geht ihr zufolge etwa die kostenlose HPV-Impfung für junge Menschen auf die Initiative eines betroffenen jungen Mannes zurück.

VIER PARTEIEN FÜR ALTERSBESCHRÄNKUNGEN BEI SOZIALEN MEDIEN

Dass ein Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige vor diesem Hintergrund kontraproduktiv wäre, wie eine Stimme aus dem Publikum meinte, sieht Neßler nicht. Es mache keinen Sinn, wenn man Alkohol und Zigaretten verbiete, aber bei den Sozialen Medien wegschaue, sagte sie. Man müsse Kinder bestmöglich schützen, zumal Tech-Konzerne Milliarden mit diesem Geschäft verdienten.

Auch die Abgeordneten Carina Reiter (ÖVP), Paul Stich (SPÖ) und Johannes Gasser (NEOS) sprachen sich für eine Altersbeschränkung für Social Media aus. Es gehe nicht um Jugendliche im Wahlalter, sondern um unter 14-Jährige, machte Stich geltend. Es sei nicht akzeptierbar, dass sich 12-Jährige etwa live zu Kriegshandlungen zuschalten könnten. Auch Gasser argumentierte mit notwendigem Kinder- und Jugendschutz. Soziale Medien verursachten psychische Probleme und hätten Suchtpotential, gab er zu bedenken. Laut ÖVP-Abgeordneter Reiter geht es nicht zuletzt um Schutz vor Mobbing. Gleichzeitig hoben Gasser und Neßler die Notwendigkeit hervor, die Medienkompetenz von jungen Menschen zu stärken, um beispielsweise KI-generierte Videos leichter erkennen zu können.

Explizit gegen ein „Social-Media-Verbot“ für Minderjährige wandte sich hingegen FPÖ-Abgeordneter Schwaighofer. Soziale Medien seien Teil der Lebensrealität von jungen Menschen, betonte er und zeigte sich überzeugt, dass junge Menschen zwischen richtig und falsch unterscheiden könnten.

MASSNAHMEN GEGEN „REPRÄSENTATIONSGAP“

Zum von der Studie festgestellten „Repräsentationsgap“ merkte NEOS-Abgeordneter Gasser an, er selbst habe die Erfahrung gemacht, dass man als junge Person viel mehr leisten müsse als Ältere, um ernst genommen zu werden. Für junge Menschen sei es außerdem schwierig, mit ihren Anliegen zu Politikerinnen und Politikern durchzudringen. In diesem Sinn brauche es nicht nur niederschwellige Informationen für junge Menschen, die Politik müsse jungen Menschen auch zuhören und auf ihre Anliegen eingehen.

Das sieht auch SPÖ-Abgeordneter Stich so. Er glaubt, dass das Vertrauen in das politische System und in die politischen Institutionen rasch wieder zunehmen würde, wenn es der Politik gelinge, die Lebensumstände von jungen Menschen zu verbessern. Dafür setze sich seine Partei massiv ein, bekräftigte er.

Sowohl Gasser als Stich machten darüber hinaus darauf aufmerksam, dass viele junge Menschen, die in Österreich leben, hier nicht wahlberechtigt seien. Auch das sei eine Hürde für Engagement, gaben sie zu bedenken. Als „gutes Zeichen“ sieht ÖVP-Abgeordnete Reiter, dass 90 % der Jugendlichen in den Wochen vor der Befragung selbst aktiv geworden sind und sich bei einem Thema eingebracht haben, wie die Studie ergeben hat.

Eingeladen zur Studienpräsentation hatte Parlamentsdirektor Harald Dossi. Der Demokratiemonitor sei eine wichtige Informationsquelle, was die Einstellung der Bevölkerung im Allgemeinen und von jungen Menschen im Speziellen zur Demokratie und zum politischen System betreffe, betonte er. Deshalb arbeite das Parlament bereits seit 2018 mit Foresight zusammen und habe diese Zusammenarbeit im vergangenen Jahr intensiviert. Österreich sei weltweit immer noch eines der wenigen Länder, wo man mit 16 wählen dürfe, skizzierte Dossi. Die Parlamentsdirektion sehe es daher als Teil ihrer Verantwortung, junge Menschen auf diese Mitbestimmungsmöglichkeit – etwa durch ein breites Demokratiebildungsangebot – vorzubereiten. Dafür seien Analysen wie der Demokratiemonitor sehr hilfreich. (Schluss) gs

HINWEISE: Fotos von dieser Veranstaltung sowie eine Nachschau auf vergangene Veranstaltungen finden Sie im Webportal des Parlaments. Dort ist auch die Studie im Volltext abrufbar.

Unter dem Titel „teilhaben teilsein“ rückt das Parlament heuer die gesellschaftspolitische Teilhabe von jungen Menschen in den Mittelpunkt. Mehr Informationen zum Jahresschwerpunkt 2026 finden Sie unter www.parlament.gv.at/jahresschwerpunkt.

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