Osteoporosemedikament in neuer Rolle: Zoledronsäure kann Heilung nach Schulteroperation verbessern

ERSTE ERGEBNISSE EINER NEUEN KLINISCHEN STUDIE DER AUVA UND DES LUDWIG BOLTZMANN INSTITUTS FÜR TRAUMATOLOGIE, DEM FORSCHUNGSZENTRUM IN KOOPERATION MIT DER AUVA (KURZ: LBI TRAUMA) ZEIGEN: EIN BEWÄHRTES OSTEOPOROSEMEDIKAMENT KANN DIE HEILUNG NACH SCHULTEROPERATIONEN DEUTLICH VERBESSERN. DIE STUDIE KONNTE BEOBACHTEN, DASS EINE EINMALIGE BEHANDLUNG WÄHREND DER OPERATION DAS RISIKO ERNEUTER SEHNENRISSE MEHR ALS HALBIERT – EIN MÖGLICHER DURCHBRUCH FÜR EINE DER HÄUFIGSTEN ORTHOPÄDISCHEN EINGRIFFE.

Risse der sogenannten Rotatorenmanschette, eine Gruppe von Muskeln, die das Schultergelenk umfasst, zählen zu den häufigsten Verletzungen des Bewegungsapparats. Trotz moderner Operationstechniken kommt es oft zu erneuten Sehnenrissen, weil die Heilung der Sehne am Knochen nicht optimal verläuft. Ein Forschungsteam des AUVA Traumazentrums Wien – Standort Meidling und des LBI Trauma hat im Rahmen einer klinischen Studie entdeckt, dass ein zusätzlicher Behandlungsschritt die Heilung nach Schulteroperationen verbessern kann: die einmalige Verabreichung des Osteoporosemedikaments Zoledronsäure während des Eingriffs. Die ersten Teilergebnisse der prospektiven, randomisierten und placebokontrollierten klinischen Studie wurden im renommierten The American Journal of Sports Medicine veröffentlicht.

„Die Schulter ist unser vielseitigstes Gelenk und ständig im Einsatz. Ihre außergewöhnliche Beweglichkeit verdankt sie ihrem speziellen anatomischen Aufbau“, so Jakob Schanda, Studienerstautor und Orthopäde und Traumatologe am AUVA Traumazentrum Wien – Standort Meidling. „Kommt es zu einem Riss der Rotatorenmanschette, entstehen häufig Folgeschäden: Die Muskulatur verfettet und der Oberarmkopf verliert an Knochensubstanz, was die Heilung der Sehne deutlich erschwert. Genau an dieser Stelle greift unser Ansatz: Wir haben untersucht, ob Zoledronsäure – ein etabliertes und gut verträgliches Osteoporosemedikament – die Heilung nach einer Operation verbessern kann.“

RISIKO FÜR ERNEUTE SEHNENRISSE HALBIERT

An der Studie nahmen 80 Patient:innen ohne Osteoporose teil, die sich einer Schulteroperation unterzogen. Eine Gruppe erhielt während der Operation eine einmalige Infusion mit Zoledronsäure, die Kontrollgruppe ein Placebo.

Sechs Monate nach dem Eingriff zeigte sich ein deutlicher Unterschied: In der Zoledronsäure-Gruppe traten nur bei 15 Prozent erneute Sehnenrisse auf, in der Kontrollgruppe bei 35 Prozent. Zusätzlich verbesserten sich in der Behandlungsgruppe Beweglichkeit, Kraft und Schmerzwerte erheblich. Es zeigte sich außerdem eine geringere Verfettung der Schultermuskulatur – ein wichtiger Indikator für die langfristige Funktion der Schulter.

„Die Ergebnisse unserer Studie zeigen, dass eine einmalige Gabe von Zoledronsäure eine sichere, kosteneffektive und praktikable Ergänzung zur Schulteroperation sein kann. Damit eröffnen sich neue Möglichkeiten, die Erfolgsraten einer sehr häufigen orthopädischen Operation deutlich zu verbessern“, so Johannes Grillari, Direktor des LBI Trauma und Studienautor.

TRANSLATIONALE FORSCHUNG ALS SCHLÜSSEL

Die Studie zeigt exemplarisch, wie translationale Forschung funktioniert: Klinische Fragestellungen aus der Praxis werden gemeinsam mit Forschungseinrichtungen wissenschaftlich bearbeitet und in die Patient:innenversorgung zurückgeführt. Eine zentrale Rolle spielte dabei das Clinical Center for Studies in Regenerative Medicine (CCSRM), das die Planung und Durchführung der klinischen Studie koordinierte und so den Transfer von Forschungsergebnissen in die Anwendung ermöglichte.

Als nächster Schritt sind größere, multizentrische Studien und längere Nachbeobachtungszeiträume geplant. Langfristig könnte Zoledronsäure Teil eines neuen Standardprotokolls in der Schulterchirurgie werden.

PUBLIKATION:

Intraoperative Zoledronic Acid for Arthroscopic Rotator Cuff Repair. Short-Term Results From aProspective, Randomized, Placebo-Controlled Phase II Trial. The American Journal of Sports Medicine 54, 2 (2026). https://doi.org/10.1177/03635465251399167

Weitere Informationen zum LBI Trauma: https://trauma.lbg.ac.at

Ludwig Boltzmann Gesellschaft
Mag. Werner Fulterer
Telefon: +43 1 513 27 50-28
E-Mail: werner.fulterer@lbg.ac.at

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