Studienpräsentation: Rassismus im Gesundheits- und Rechtssystem

Die Ergebnisse sind eindeutig: Antimuslimischer Rassismus ist kein Einzelfall – er ist strukturell verankert.

Die Dokumentations- und Beratungsstelle Islamfeindlichkeit & antimuslimischer Rassismus (Dokustelle Österreich) hat 2025 und 2026 zwei Studien zu (antimuslimischem) Rassismus im österreichischen Rechts- und Gesundheitssystem veröffentlicht. Während der Bericht zum Gesundheitssystem bereits vor wenigen Wochen erschienen ist, wird heute die Studie zum Rechtssystem präsentiert.

Grundlage der Studien ist eine quantitative Online-Befragung, die sich an muslimische bzw. muslimisch gelesene Personen in Österreich richtete. Die Ergebnisse zeigen, dass staatliche Institutionen im Rechts- und Gesundheitsbereich von vielen nicht als sichere Räume wahrgenommen werden, sondern mit Stress, Misstrauen und Diskriminierung verbunden sind. Dies ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass Rassismus nicht am Rand, sondern im Kern institutioneller Abläufe wirkt.

RASSISMUS IM RECHTSSYSTEM:

Die Befragten hatten eine hohe Kontaktdichte mit staatlichen Institutionen: 65,8 % standen in Kontakt mit der Polizei, 59,5 % mit Verwaltungsbehörden und 36,7 % mit Gerichten. Gleichzeitig verfügten nur 19 % über anwaltliche Vertretung. Über 60 % der Befragten berichten von Rassismus- und Diskriminierungserfahrungen. Genannt werden unter anderem respektlose Behandlung und pauschalisierende Zuschreibungen. Auch aus der langjährigen Dokumentations- und Beratungsarbeit der Dokustelle Österreich (2025) gehen zahlreiche Schilderungen hervor, die Hinweise darauf geben, dass Betroffene unter Generalverdacht gestellt werden. 70,9 % erlebten respektlose Behandlung, 57 % sehen ihre Rechte verletzt.

RASSISMUS IM GESUNDHEITSSYSTEM:

Über 44,4 % der Befragten ist die eigene sichtbare muslimische Zugehörigkeit (z. B. Kopftuch, Name, Hautfarbe) der Hauptgrund für Diskriminierungserfahrungen im Gesundheitssystem. 77,7 % geben an, dass ihre Schmerzen nicht oder nur teilweise ernst genommen wurden. 26,7 % berichten von abwertender Kommunikation, fehlender Aufklärung oder Zeitdruck, 11,1 % von sexualisierten Grenzverletzungen.

Die qualitative Auswertung macht wiederkehrende Muster sichtbar, darunter abwertende Blicke, respektlosen Tonfall, extra lange Wartezeiten und das Verweigern von Krankschreibungen.

Eine Umfrageteilnehmerin schildert: „Ich lasse mich viel seltener behandeln, obwohl ich eigentlich medizinische Hilfe benötige.”

Rassismus wirkt direkt auf die Gesundheit: Viele Befragte berichten von Angstzuständen, psychosomatischen Beschwerden und Vermeidungsverhalten im Gesundheitswesen. Dauerhafte Belastungen erhöhen das Risiko für chronische Erkrankungen. So verschärft struktureller Rassismus gesundheitliche Ungerechtigkeit.

_Ümmü-Selime Türe, Leitung der psychosozialen Beratung: „Antimuslimischer Rassismus im Gesundheitssystem ist ein Ausdruck tief verwurzelter gesellschaftlicher Machtstrukturen und systematischer Ausgrenzung. Er führt dazu, dass viele Menschen medizinische Versorgung als belastend, unsicher und entwürdigend erleben. Gesundheit darf nicht nur als individuelle Frage verstanden werden, sie ist politisch.”_

_Dunia Khalil, Leitung der Rechtsberatung: “Sogar die besten Gesetze würden nichts nützen, wenn der Zugang zum Recht verwehrt oder erschwert wird. Ein Staat kann sich nicht Rechtsstaat nennen, wenn grundlegende Rechte nur selektiv gelten. Ziel unserer Arbeit ist es, erkennbar zu machen, dass Rassismus kein Ausnahmezustand ist, sondern strukturell und Teil des Systems.” _

Mit der Veröffentlichung unterstreicht die Dokustelle Österreich die dringende Notwendigkeit, antimuslimischen Rassismus sowie alle weiteren Formen des Rassismus in staatlichen Strukturen klar zu benennen, kontinuierlich zu dokumentieren und ihnen aktiv und wirksam entgegenzuwirken.

Die beiden Studien stehen hier zum Download zur Verfügung.

Dokustelle Österreich
Telefon: +43 676 40 40 005
E-Mail: office@dokustelle.at
Website: https://www.dokustelle.at

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