Größter Psychiatriekongress Österreichs: Warnung vor wachsender Unterversorgung psychisch erkrankter Menschen

26. Jahrestagung in Wien mit über 600 Teilnehmenden – zunehmender Psychiater:innenmangel gefährdet Versorgungssicherheit

Anlässlich der 26. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik (ÖGPP), die vom 22. bis 25. April 2026 in Wien stattfindet und zu der mehr als 600 Fachteilnehmende erwartet werden, warnt die Fachgesellschaft eindringlich vor einer weiteren Verschärfung des Fachärzt:innenmangels in Österreich. Die Jahrestagung ist der größte Psychiatriekongress des Landes und steht heuer auch im Kontext zunehmender struktureller Herausforderungen in der psychiatrischen Versorgung.

Die Auswirkungen des Mangels sind bereits deutlich im Versorgungssystem spürbar. So kommt es in einzelnen Regionen zunehmend zu Einschränkungen im stationären Bereich, etwa durch Schließungen psychiatrischer Einrichtungen an Wochenenden, wie derzeit am Schwarzacher Spital in Salzburg. Auch im forensisch-psychiatrischen Bereich mehren sich mediale Berichte über kritische Entwicklungen, die im Zusammenhang mit personellen Engpässen stehen. Gleichzeitig verschärft sich die Situation im ambulanten Bereich: Einrichtungen geraten aufgrund finanzieller Einsparungen unter Druck und sehen sich teilweise zur Schließung gezwungen, während Patient:innen immer länger auf fachärztliche Termine warten müssen.

Besonders deutlich werden die strukturellen Defizite im Strafvollzug. Der aktuelle Schwerpunktbericht 2026 der Volksanwaltschaft zur Versorgung psychisch erkrankter Menschen im Strafvollzug, stellt einen gravierenden Mangel an fachärztlich psychiatrischem Personal fest, offene Stellen blieben oft unbesetzt. Die Fachgesellschaft sieht darin eine weitere Bestätigung der seit Jahren aufgezeigten Problemlage und warnt vor zusätzlichen Verschärfungen ohne rasche Gegenmaßnahmen.

Die ÖGPP hat wiederholt konkrete Lösungsansätze vorgelegt. Dazu zählen insbesondere der Abbau bürokratischer Hürden in der Ausbildung junger Psychiater:innen, sowie eine Attraktivierung des Berufsbildes durch zeitgemäße Rahmenbedingungen mit adäquater Personalausstattung. Aus Sicht der Fachgesellschaft sind diese Maßnahmen essenziell, um dem bestehenden und sich weiter verschärfenden Fachärztemangel nachhaltig entgegenzuwirken. Aktuelle Zahlen der Ärztekammer belegen, dass beinahe 50% der österreichischen Psychiater:innen über 55 Jahre alt sind, lediglich knappe 7% sind unter dem 40. Lebensjahr, eine weitere Verschärfung der Situation somit absehbar.

„Die Auswirkungen des Ärztemangels sind bereits unübersehbar. Wir sehen eine Entwicklung, die die Versorgungssicherheit psychisch erkrankter Menschen ernsthaft gefährdet. Lösungsansätze liegen seit Jahren auf dem Tisch – jetzt braucht es entschlossenes Handeln seitens der Gesundheitspolitik und Ärztekammer“, betont Prim. Dr. Christian Korbel, Präsident der ÖGPP. „Der Fachärzt:innenmangel ist kein Zukunftsszenario mehr, sondern bereits im Versorgungsalltag angekommen“, so Korbel weiter.

Die 26. Jahrestagung bietet neben dem wissenschaftlichen Austausch auch eine zentrale Plattform für die Diskussion dieser gesundheitspolitischen Herausforderungen und unterstreicht die Dringlichkeit, tragfähige Lösungen für die psychiatrische Versorgung in Österreich zu entwickeln.

Informationen zur Tagung unter www.oegpp.at/kongress

Büro der ÖGPP
E-Mail: office@oegpp.at
Website: https://www.oegpp.at

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