
Gute Versorgung braucht gute Daten
Stellungnahme der ÖGKJP zum Wold Infant, Child and Adolescent Mental Health Day 2026
Am 23. April findet der jährlich von der Internationalen Kinder- und Jugendpsychiatrischen Fachorganisation IACAPAP initiierte World Infant, Child and Adolescent Mental Health Day statt. An diesem Tag soll auf die Bedeutung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen weltweit hingewiesen werden. Betrachtet man die aktuell publizierten Zahlen der Global Burden of Disease Study, zeigt sich, dass vor allem in der Altersgruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine zunehmende psychische Belastung in vielen Ländern der Welt berichtet wird.
Richtet man den Blick auf die österreichische Situation, so ist leider festzuhalten, dass (wie auch seitens der ÖGKJB schon häufiger thematisiert) Zahlen zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen fehlen. Die letzte repräsentative Erhebung wurde im Jahr 2017 publiziert. Diese Erhebung wurde nicht mit Geldern der öffentlichen Hand finanziert, sondern im Rahmen eines Drittmittelprojekts. So muss festgehalten werden, dass zur Häufigkeit von psychischen Erkrankungen aktuell (aber auch mit Blick in die Vergangenheit) keine Daten bekannt sind und damit bezogen auf die Frage, wohin sich die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Österreich entwickelt, keine Aussage getroffen werden kann. Dies ist umso erstaunlicher, als es durchaus Bereiche in der Gesundheitsversorgung gibt, die mittels wiederholter repräsentativer Studien in Österreich sehr gut beschrieben werden können So existieren etwa sehr gute, repräsentative Daten zur Zahngesundheit, erhoben an verschiedenen Orten Österreichs mittels Fachexpert:innen. Es bleibt also festzuhalten, dass die dentale Gesundheit offensichtlich von höherem öffentlichem Interesse ist, als die mentale Gesundheit.
Vor dem Hintergrund dieser fehlenden Daten ist natürlich auch die Planbarkeit der Leistungen erschwert. Dennoch muss festgehalten werden, dass die zur Verfügung stehenden Kapazitäten im kinder- und jugendpsychiatrischen ambulanten wie auch stationären Bereich nicht ausreichend vorhanden sind, wie auch der Rechnungshof zurecht konstatierte. Gerade auch im Bereich der akut versorgenden 24/7 zur Verfügung stehenden Krankenhäuser zeigt sich eine zunehmende Inanspruchnahme und die vorhandenen Strukturen, die eines weiteren Ausbaus harren, können diesen zunehmenden Anstrom immer weniger bewältigen. Hier wird vielfach darauf vertraut, dass das außerordentliche Engagement von Kolleg:innen, weit über ihre vertraglich abgegoltenen Leistungen, die Gesundheitsversorgung in diesem Bereich aufrecht erhält.
Betrachtet man die aktuell veröffentlichte Ö3 Jugendstudie, so ist auffällig, dass im Vergleich zu den Vorjahren immer stärker sozioökonomisch geprägte Themen in den Vordergrund drängen. So finden sich als häufigste Antworten auf die Frage, was Jugendlichen und jungen Erwachsenen Sorgen bereitet, Punkte wie Einkommen, leistbarer Wohnraum oder auch soziale Unruhen. Hier zeigen sich Sorgen um das Auskommen im alltäglichen Leben, die uns zu denken geben sollten. Es ist ein altbekanntes Faktum, dass Armut krank macht. Das gilt sowohl für den körperlichen wie auch den psychischen Bereich. Zuletzt wurde das für den deutschsprachigen Raum eindrucksvoll in den Daten der deutschen Como-Studie gezeigt, in denen ersichtlich wurde, dass die Häufigkeit von psychischen Belastungen bei Kindern und Jugendlichen, die in sozioökonomisch schlechter gestellten Haushalten aufwachsen, fast dreifach so hoch war wie bei jenen aus sozioökonomisch am besten ausgestatteten Haushalten. Auch wenn für Österreich vergleichbare Daten fehlen, so müssen wir doch annehmen, dass diese weltweite Dynamik auch in Österreich durchschlägt und uns entsprechend gewahr werden, dass in Zeiten der wirtschaftlichen Krisen auch ein Effekt auf die psychische Gesundheit tragend werden kann. Wir sind also weiterhin gut beraten, uns um einen Ausbau der Ressourcen im Bereich der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu bemühen, sei es einerseits im Bereich der Versorgung oder aber auch andererseits im Bereich der Prävention.
Vor diesem Hintergrund bleibt beim World Infant, Child and Adolescent Mental Health Day 2026 das Fazit, dass wir auf herausfordernde Zeiten blicken. Auch wenn weiterhin Daten zur Häufigkeit von psychischen Erkrankungen in Österreich fehlen, besitzt dieses Thema eine hohe Relevanz für die Bevölkerung und auch die Zukunft Österreichs.
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Medizinische
Universität Wien, Universitätsklinikum AKH
Univ.Prof.Dr. Paul Plener, MHBA
Telefon: +43 (0)1 40400 – 30115
E-Mail: paul.plener@meduniwien.ac.at
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