
Nach dem Herzinfarkt: Sekundär-Prävention beginnt im Krankenhaus
1.700 Herzinfarkte werden jährlich im Wiener Gesundheitsverbund behandelt. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind EU-weit Todesursache Nummer 1, obwohl die moderne Medizin die akute Mortalität in den letzten 50 Jahren um 90 % reduziert hat. Knackpunkt ist das Thema Prävention: Die EU-Kommission hat Ende 2025 den „Safe Hearts Plan“ vorgestellt, in dem sie Prävention als eine der wichtigsten Säulen der Herz-Gesundheit definiert. Die Klinik Landstraße setzt einen Fokus auf die individuelle Prävention bei Menschen, die bereits einen Herzinfarkt hatten, die so genannte Sekundär-Prävention. „Sekundär-Prävention beginnt im Krankenhaus, direkt nach einem Herzinfarkt. Wir wissen: Die akute Sterblichkeit nach einem Herzinfarkt ist mittlerweile niedrig. Das Risiko für weitere kardiovaskuläre Ereignisse in den nächsten 10 Jahren bleibt hoch – lässt sich aber durch gute Sekundär-Prävention wesentlich reduzieren. Hier gibt es großen Aufholbedarf“, so Alexander Niessner, Vorstand der 2. Medizinischen Abteilung mit Kardiologie und internistischer Intensivmedizin in der Klinik Landstraße des Wiener Gesundheitsverbundes.
SEKUNDÄRPRÄVENTION BRAUCHT ZEIT
Bei Menschen, die bereits einen Herzinfarkt hatten, umfasst Sekundär-Prävention die Behandlung von Risikofaktoren, eine individuell abgestimmte medikamentöse Therapie, Rehabilitation und die Vermittlung eines gesunden Lebensstils mit regelmäßiger Bewegung, gesunder Ernährung und Verzicht auf Nikotin. Dabei stehen das sehr unterschiedliche Risikoprofil und die Lebenslage der Patient*innen im Mittelpunkt. „Sekundär-Prävention braucht Zeit und individuelle Anpassung“, betont Niessner. „Genau hier setzen wir in unserer Höchstrisiko-Ambulanz an. Nach dem stationären Aufenthalt in der Klinik Landstraße unterstützen wir unsere Patient*innen beim sensiblen Übergang von der Akutversorgung zur langfristigen Betreuung im niedergelassenen Bereich. Eine neue Studie zeigt beispielsweise, dass bei bekannter kardiovaskulärer Erkrankung eine Senkung des LDL-Cholesterins von durchschnittlich 66 auf durchschnittlich 56 mg/dl zu einer Senkung weiterer kardiovaskulärer Ereignisse um ein Drittel führt. Die überwiegende Anzahl der Patient*innen braucht eine medikamentöse Therapie zum Erreichen solcher Zielwerte, dennoch ist es wichtig, parallel auch auf eine fettarme Ernährung zu achten. Wir ermutigen die Patient*innen, eine Reha zu machen. Denn bei einer Reha bekommen Menschen die Zeit, sich auf die Behandlung einzulassen, Fragen zu klären und positive Veränderungen in ihr Leben zu integrieren“, erklärt Alexander Niessner aus der Klinik Landstraße. Weniger als 20 % der Herzinfarkt-Patient*innen nehmen derzeit eine Reha in Anspruch.
GEMEINSAM BEHANDELN: OPTIMALE VERNETZUNG ZWISCHEN KLINIK UND NIEDERGELASSENEN ÄRZT*INNEN
Die Bedeutung der Sekundär-Prävention und der Wandel in der kardiologischen Behandlung stehen auch im Mittelpunkt des Kongresses „Kardiologie im Dialog“. Ziel der Fachveranstaltung der Klinik Landstraße am 24. und 25. April ist ein intensiver fachlicher Austausch von klinischen Expert*innen, Hausärzt*innen und Kardiolog*innen aus dem niedergelassenen Bereich. Diskutiert werden aktuelle Behandlungsstrategien, neue therapeutische Möglichkeiten und die Weiterentwicklung der Versorgungsstrukturen.
EU „SAFE HEARTS PLAN“: PRÄVENTION, FRÜHERKENNUNG UND GERECHTERE VERSORGUNG
Der „Safe Hearts Plan“ (EU-Cardiovascular Health Plan) ist ein neuer, strategischer Plan, den die Europäische Kommission Ende Dezember 2025 vorgestellt hat. Ziel ist es, die Herz-Gesundheit der EU-Bürger*innen systematisch zu verbessern und damit Krankheiten zu verhindern. Neben dem großen Thema Prävention sind Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und eine gerechtere Versorgung ohne Ungleichheiten innerhalb der EU zentrale Punkte des Plans. „In Wien überleben 97 von 100 Patient*innen ihren Herzinfarkt. Fünf Kliniken des Wiener Gesundheitsverbundes, darunter auch die Klinik Landstraße und das AKH Wien, sorgen gemeinsam mit dem Hanusch-Krankenhaus dafür, dass an 365 Tagen im Jahr, rund um die Uhr eine optimale Herzinfarkt-Versorgung inklusive interventioneller Eingriffe gewährleistet werden kann. Das ist ein Erfolgsmodell“, so Niessner abschließend.
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