1.532 antisemitische Vorfälle im Jahr 2025 – neuer Höchststand

Jahresbericht der Antisemitismus-Meldestelle der IKG weist mehr als vier antisemitische Vorfälle pro Tag aus. Deutsch: „Jüdisches Leben nur dank Sicherheitsmaßnahmen möglich.“

Im Kalenderjahr 2025 registrierte die Antisemitismus-Meldestelle der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG) insgesamt 1.532 antisemitische Vorfälle. Es ist die höchste Zahl seit Beginn der Aufzeichnungen. Damit verfestigt sich der seit dem 7. Oktober 2023 bestehende Negativtrend, sagte IKG-Präsident Oskar Deutsch bei der Präsentation des Berichts mit IKG-Generalsekretär Benjamin Nägele und dem Leiter der Antisemitismus-Meldestelle Johannan Edelman am 23. April 2026.

DIE FÜNF VORFALLTYPEN

Die Gesamtzahl setzt sich zusammen aus 19 physischen Angriffen, 27 Bedrohungen, 205 Sachbeschädigungen, 439 Massenzuschriften und 842 Fällen von verletzendem Verhalten. Im Jahresdurchschnitt waren 4,2 Vorfälle pro Tag zu verzeichnen, was einem minimalen Anstieg gegenüber 2024 entspricht (4,13). Verglichen mit dem Zeitraum ab dem 7. Oktober 2023 bis zum Ende desselben Jahres (8,13 Vorfälle pro Tag) bedeutet dies jedoch eine Halbierung. Zum Vergleich: Von 1. Jänner bis 6. Oktober 2023 lag der Durchschnitt gemeldeter antisemitischer Vorfälle bei 1,55 pro Tag.

TÄTER-OPFER-UMKEHR

Die häufigste Erscheinungsform war mit 1.186 Fällen (77,4 %) israelbezogener Antisemitismus – 2020 lag dieser Anteil noch bei 21 %. Stark angestiegen sind Schoa-Relativierung und -Leugnung (625 Fälle, 40,8 %; 2024: 28,7 %) sowie antisemitisches Othering (750 Fälle, 49 %; 2024: 32 %). Die meisten Vorfälle weisen Überschneidungen von mindestens zwei Erscheinungsformen auf. So waren 508 der 1.186 Fälle von israelbezogenem Antisemitismus auch Fälle von Othering, 499 auch Fälle von Schoa-Relativierung/-Leugnung. Dies zeige eine weitere Entgrenzung jenes Diskurses, der die Schoa verharmlost, indem das Vorgehen Israels mit dem Nationalsozialismus gleichgesetzt wird, oder gar Israelis als Nazis dargestellt werden sowie Palästinenser als die neuen Juden. Die stete Dämonisierung des jüdischen Staates trage in der Folge zur feindseligen Stimmung gegen die jüdische Gemeinde in Österreich bei, was sich in zahlreichen Vorfällen widerspiegeln würde.

GEWÖHNUNGS- UND ABSTUMPFUNGSEFFEKT

_„Der enthemmte Antisemitismus seit dem 7. Oktober 2023 hat sich zu einem ständigen Begleiter im Alltag vieler Jüdinnen und Juden entwickelt“_, erläuterte Benjamin Nägele. Dazu Oskar Deutsch: _„Jüdisches Leben ist nur dank umfassender Sicherheitsmaßnahmen möglich. Die Kultusgemeinde gibt dafür mehr als 5 Millionen Euro jährlich aus – Mittel, die uns in Bildung, Jugendarbeit und Kultur fehlen.“_

Einen Gewöhnungs- und Abstumpfungseffekt gegenüber antisemitischer Agitation, die sich in einer sinkenden Meldebereitschaft niederschlägt, erläuterte Johannan Edelman. Dieser _„atmosphärische Antisemitismus“ _führe dazu, dass jüdisches Leben schrittweise aus dem öffentlichen Raum verdrängt wird, Juden und Jüdinnen ihre Identität verstecken.

Den gesamten Jahresbericht 2025 der Antisemitismus-Meldestelle finden Sie unter: https://www.antisemitismus-meldestelle.at/berichte

Israelitische Kultusgemeinde Wien
Ben Dagan, BA MA
Telefon: +43 1 531 04–103
E-Mail: b.dagan@ikg-wien.at
Website: www.ikg-wien.at

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