
Tagebücher über Krieg und Gefangenschaft gesucht: Aufruf zur Sammlung von Wartime Logs aus dem Lager STALAG XVII B Krems-Gneixendorf
Rund 4.000 US-amerikanische Kriegsgefangene wurden während des Zweiten Weltkrieges im Stammlager STALAG XVII B in Gneixendorf bei Krems, einem der größten Kriegsgefangenenlager des „Dritten Reiches“, festgehalten. Um den Gefangenen in der Lagerhaft eine sinnvolle Beschäftigung zu geben, spendete das YMCA (Young Men’s Christian Association) sogenannte „Wartime Logs“ – persönliche Tagebücher. Kunst und Kultur hinter Stacheldraht kam eine wesentliche Rolle in dieser Extremsituation zu.
In diesen Büchern hielten die abgeschossenen US-Flieger ihre Erlebnisse fest – nicht nur in Worten, sondern vor allem auch in Zeichnungen und Cartoons. Einige besonders talentierte Zeichner arbeiteten gegen Zigaretten oder zusätzliche Rationen aus den Rotkreuzpaketen als Auftragskünstler und hinterließen ihre Spuren in zahlreichen Tagebüchern ihrer Mitgefangenen.
So entstanden faszinierende und packende Bildgeschichten des Krieges, die besonders die Gefangennahme und den harten Alltag hinter Stacheldraht dokumentieren. Zu sehen sind Ansichten der umliegenden Landschaft, Wachtürme, Latrinen, Waschräume, Verpflegung sowie Porträts von Mitgefangenen und gefallenen Kameraden. Viele Zeichnungen sind mit bemerkenswertem Witz gestaltet – als wäre der Krieg ein großes Comic-Abenteuer. Gleichzeitig sind die Bücher aber auch Traumbücher: Sie zeigen die Sehnsucht der Gefangenen nach einem Leben nach dem Krieg, vor allem mit attraktiven Frauen, deren Erscheinungsbild zwischen Hollywood-Schauspielerinnen und Pin-up-Girls angesiedelt war.
Im April 1945 wurden die gehfähigen Kriegsgefangenen des STALAG XVII B vor der vorrückenden Roten Armee evakuiert und mussten zu Fuß in Richtung Braunau marschieren. Viele von ihnen ließen auf diesem Marsch ihre Tagebücher zurück, um ihr Marschgepäck zu erleichtern. So gerieten Wartime Logs in den Besitz der lokalen Bevölkerung entlang der Evakuierungsrouten.
Erstmals soll nun in einer eigenen Publikation ein umfassender Einblick in diese außergewöhnlichen Wartime Logs aus dem Stalag XVII B Krems-Gneixendorf gegeben werden. Im Rahmen des vom Land Niederösterreich geförderten Forschungsprojekts „Kunst und Kultur hinter Stacheldraht“ suchen Univ.-Prof. Dr. Barbara Stelzl-Marx, Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung und Professorin für Zeitgeschichte an der Universität Graz, sowie der Kremser Historiker Dr. Robert Streibel nach diesen Tagebüchern – sowohl in Österreich als auch in den USA. Die gefundenen Wartime Logs sollen künftig – zusätzlich zu den vorhandenen Quellen – im Institut gesammelt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Wir bitten die Bevölkerung um Mithilfe und Hinweise auf Wartime Logs aus dem Stalag XVII B, die sich heute noch in privater Hand befinden.
In Erinnerung an diesen Leidensweg Richtung Westen wird der Historiker Robert Streibel ab dem 23. April 2026 den ersten Teil der Strecke bis Mauthausen zu Fuß zurücklegen. Langfristiges Ziel ist die Einrichtung eines markierten Weges, der sowohl zu Fuß als auch mit dem E-Bike zurückgelegt werden kann.
BEI RÜCKFRAGEN:
Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung
Univ.-Prof. Dr. Barbara Stelzl-Marx
Telefon: +43 664 41 38 428
E-Mail: barbara.stelzl-marx@lbg.ac.at
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