
Journalist*innenbarometer 2026:
Die Rolle klassischer Medienmarken in Zeiten KI-generierter Inhalte und zunehmender Desinformation
DIE NEUESTE AUFLAGE DES JOURNALIST*INNENBAROMETERS DES DIGITALEN RESEARCH INSTITUTS MARKETAGENT UNTER MEHR ALS 550 MEDIEN-INSIDER*INNEN AUS DEM DACH-RAUM ZEIGT: FAKE NEWS, KI-INHALTE UND ALGORITHMISCHE VERZERRUNGEN VERÄNDERN DIE INFORMATIONSWELT. GLEICHZEITIG GLAUBT DIE BRANCHE AN DIE BEDEUTUNG VON QUALITÄTSJOURNALISMUS, ABER NICHT UNBEDINGT AN SEINE BREITE ZUKUNFT.
FACT BOX:
* DESINFORMATION ALS ZENTRALES PROBLEM: Jeweils rund 9 von 10 Journalist*innen sehen algorithmische Verzerrungen in sozialen Netzwerken (90%) bzw. Fake News (88%) als bedeutende Faktoren für öffentliche Meinungsbildung. 96% sind der Meinung, dass sich die Desinformationsproblematik in den letzten 5 Jahren verschärft hat. 97% stimmen zu, dass es für das Publikum immer schwieriger wird, zwischen verlässlichen und manipulierten Informationen zu unterscheiden.
* MEDIENMARKEN ALS ORIENTIERUNGSANKER: 77% glauben, dass die Marke eines Mediums für das Publikum wichtiger wird. 69% beobachten diese wachsende Bedeutung bereits in ihrer journalistischen Praxis. Als wichtigste Orientierungsanker im Informationschaos werden neben den etablierten Medienmarken (63%) auch publizistische Persönlichkeiten (50%), Medienkompetenz (48%) und transparente Quellenangaben (47%) angesehen.
* KI VERÄNDERT JOURNALISMUS: 72% glauben, dass KI langfristig die Glaubwürdigkeit journalistischer Inhalte untergräbt. 68% erwarten, dass sich Medienmarken in einer KI-dominierten Informationswelt stärker differenzieren werden.
* RENAISSANCE KLASSISCHER MEDIEN? 47% glauben an eine Renaissance klassischer Medienmarken. Entscheidende Treiber sind dabei Vertrauen und Glaubwürdigkeit (63%) sowie Qualität und Tiefe der Inhalte (55%). Gleichzeitig halten 66% dieses Szenario zumindest teilweise für Wunschdenken.
* JOURNALISMUS DER ZUKUNFT: Journalismus wird laut den Befragten zukünftig geprägt sein von Orientierung im Informationsüberfluss (49%), Transparenz über Quellen und Arbeitsweisen (47%), investigativem Journalismus (45%) sowie tiefer Einordnung statt schneller News (43%). Das wahrscheinlichste Szenario: Qualitätsjournalismus wird zum Nischenangebot für eine informierte Minderheit (33 %).
DESINFORMATION VERÄNDERT DIE MEDIENLANDSCHAFT
Die digitale Informationswelt wird lauter, schneller, manipulierbarer und für das Publikum immer schwerer einzuordnen. Der Marketagent Journalist*innenbarometer, für den mehr als 550 Medienprofis aus Österreich, Deutschland und der Schweiz befragt wurden, zeigt ein ebenso klares wie besorgniserregendes Bild: 90 Prozent sehen algorithmische Verzerrungen in sozialen Netzwerken als relevanten Einflussfaktor auf die öffentliche Meinungsbildung, 88 Prozent Fake News und 84 Prozent KI-generierte Inhalte. Fast einhellig ist auch die Sorge um die Orientierung des Publikums: 97 Prozent der befragten Journalist*innen sind der Ansicht, dass es für das Publikum zunehmend schwieriger wird, verlässliche Informationen von manipulierten Inhalten zu unterscheiden. 96 Prozent beobachten, dass sich die Desinformationsproblematik in den vergangenen fünf Jahren weiter verschärft hat.
MEDIENMARKEN ALS ANKER UND QUALITÄTSFILTER IM INFORMATIONSÜBERFLUSS
In dieser zunehmend unübersichtlichen Informationslandschaft gewinnen nach Einschätzung der Expert*innen klassische Medienmarken wieder an Bedeutung. 77 Prozent glauben, dass die Marke eines Mediums für das Publikum künftig wichtiger wird. Mehr als zwei Drittel beobachten bereits heute, dass Medienmarken in der journalistischen Praxis stärker als Vertrauenssignal wahrgenommen werden (69%), unter (stellvertretenden) Chefredakteur*innen sogar 79 Prozent. Wenn Menschen künftig entscheiden müssen, ob Informationen glaubwürdig sind oder nicht, erwarten die Journalist*innen vor allem eine Orientierung an etablierten Medienmarken (63%), journalistischen Persönlichkeiten (50%), der eigenen Medienkompetenz (48%) sowie an transparenten Quellenangaben (47%).
Aus Sicht der Journalist*innen erfüllen starke Medienmarken eine zentrale Funktion in der modernen Medienlandschaft. Sie dienen als Einordnung und Kontextgeber (62%), bieten Orientierung im Informationsüberfluss (55%) und helfen dabei, Desinformation von journalistischen Inhalten abzugrenzen (53%). Außerdem können starke Medienmarken ein Qualitätssignal (52%) bzw. eine Vertrauensgarantie (52%) sein.
„Gerade in einer Welt voller KI-Inhalte und Desinformation kann Qualitätsjournalismus seine größte Stärke ausspielen: Vertrauen. Wenn Medien konsequent auf Transparenz, Einordnung und journalistische Standards setzen, können starke Medienmarken zu den wichtigsten Orientierungspunkten in der digitalen Informationsgesellschaft werden“, sagt THOMAS SCHWABL, Gründer und Geschäftsführer von Marketagent.
RENAISSANCE KLASSISCHER MEDIEN? HOFFNUNG UND SKEPSIS ZUGLEICH
Die Ergebnisse der Studie zeigen jedoch auch eine bemerkenswerte Ambivalenz innerhalb der Branche. Einerseits beobachten viele Journalist*innen bereits eine steigende Bedeutung von Medienmarken als Vertrauenssignal und auch für das Publikum erwarten viele eine stärkere Orientierung an etablierten Medienmarken. Gleichzeitig bleibt die Zukunft klassischer Medien aus Sicht vieler Brancheninsider*innen unsicher. Zwar glaubt knapp jede*r Zweite an eine Renaissance klassischer Medienmarken, doch 66 Prozent halten diese Vorstellung zumindest teilweise für Wunschdenken.
Die Erklärung für diese Widersprüchlichkeit könnte in der Einschätzung der Zukunft der Medienlandschaft liegen: Viele Journalist*innen erwarten, dass Qualitätsjournalismus zwar wichtiger wird, aber für ein kleineres Publikum. So halten 33 Prozent das Szenario für am wahrscheinlichsten, dass professioneller Qualitätsjournalismus künftig vor allem ein Nischenangebot für eine informierte Minderheit sein wird.
„_Die Branche glaubt weiterhin an die Bedeutung von Vertrauen, Glaubwürdigkeit und journalistischer Qualität, zweifelt jedoch daran, ob diese Werte im digitalen Plattformzeitalter noch eine breite Öffentlichkeit erreichen_“, so SCHWABL.
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Mag. Andrea Berger
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