
„Viel gesehen und viel gelernt“ bei Teilnahme am Lehrlingsparlament
90 Lehrlinge übten sich im Hohen Haus zum Thema Medienkompetenz in der Rolle von Abgeordneten
Etwa 90 Lehrlinge nahmen heute anstelle der Abgeordneten im Nationalratssaal ihre Plätze ein. Die Plenarsitzung war der abschließende Tagesordnungspunkt des Lehrlingsparlaments, in dessen Rahmen sich Lehrlinge aus ganz Österreich in den vergangenen zwei Tagen in der Rolle von Abgeordneten übten. Sie gestalteten ihren Gesetzgebungsprozess und fanden sich zu Klubs zusammen, suchten Mehrheiten, trafen sich in Ausschusssitzungen und beschlossen letztlich im Plenum ein fiktives Gesetz. Außerdem fassten sie eine Reihe von Entschließungen. Durch die Teilnahme am Lehrlingsparlament habe er „viel gesehen und viel gelernt“, fasste einer der Teilnehmer das Demokratiebildungsformat des Parlaments zusammen.
Inhaltlich behandelten die Lehrlinge einen fiktiven Gesetzesentwurf: Demnach sollten im Lehrplan der Berufsschulen Medienkompetenz, Digitalisierung und künstliche Intelligenz, Deutsch und Kommunikation, Politische Bildung sowie Religion als Pflichtgegenstände vorgesehen sein. Ebenso sollten betriebswirtschaftliche und die für den betreffenden Lehrberuf erforderlichen theoretischen und praktischen Unterrichtsgegenstände festgelegt werden. Beschlossen haben die Lehrlinge die Vorlage im Plenum mit breiter Mehrheit mit von ihnen vorgeschlagenen und ausgearbeiteten Abänderungen, für die sie bereits zuvor eine Vierer-Koalition aus allen vier Klubs gebildet hatten. Ergänzt wurde mit den Änderungen etwa bei den vorzusehenden Pflichtgegenständen eine berufsbezogene Fremdsprache. Sicherzustellen war laut Abänderung außerdem, dass in der ersten Klasse der Berufsschule eine Grundbildung und in den Folgejahren eine berufsbezogene Vertiefung im Gegenstand Medienkompetenz, Digitalisierung und künstliche Intelligenz stattfinden würden. Grundbildung und Vertiefung zusammen sollten außerdem 10 % der Gesamtstundenzahl umfassen. Im ursprünglichen Vorschlag hatte der Gegenstand Medienkompetenz, Digitalisierung und künstliche Intelligenz mindestens ein Viertel der Gesamtstundenzahl umfasst.
Unterstützt und begleitet wurden die Jugendlichen während der beiden Tage im Hohen Haus von den Abgeordneten Manuel Pfeifer (FPÖ), Klaus Mair (ÖVP), Roland Baumann (SPÖ), Veit Dengler (NEOS) und Süleyman Zorba (Grüne). Nationalratspräsident Walter Rosenkranz übernahm bei der Plenarsitzung des Lehrlingsparlaments den Vorsitz.
VOM ABÄNDERUNGSANTRAG IM AUSSCHUSS BIS ZUR PLENARDEBATTE
Seitens der Lehrlinge, die sich im Rahmen der zwei Tage auf die Gesetzesmaterie geeinigt hatten, hieß es im Zuge der Debatte, dass es nicht einfach gewesen sei, bei einem solch komplexen Thema zu einem gemeinsamen Beschluss zu kommen. So wäre es aus Sicht einer Teilnehmerin ein „massiver Rückschritt“ gewesen, die Fremdsprache zu streichen, zumal Englisch nicht nur ein „nettes Extra“, sondern eine wichtige Kompetenz sei. Die nunmehrige Reduktion des Themas Medienkompetenz auf die 10 % sei daher als Kompromiss sinnvoll. Weitere der „Jungabgeordneten“ hoben etwa hervor, dass die neuen Fächer wichtig für den kritischen Umgang etwa mit Fake News wären. Es sei wichtig, dass Jugendliche über Risiken in diesem Bereich aufgeklärt würden. Medienkompetenz sei heute wichtiger denn je, so eine Teilnehmerin. Ein weiterer Teilnehmer meinte, KI sei in Zukunft nicht mehr wegzudenken. Daher sei es wichtig, dass Lehrlinge darauf vorbereitet seien.
Von den insgesamt sieben durch die Lehrlinge eingebrachten Entschließungsanträge wurden zwei einstimmig angenommen. Zum einen fordern die Lehrlinge einhellig eine Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Inhalte. Zum anderen sprachen sie sich für Fortbildungen der Lehrkräfte im Bereich EDV und Medienkompetenz aus. Mehrheitlich angenommen wurden ihre Forderungen nach einem Fokus auf die Themen Desinformation, künstliche Intelligenz und Datenschutz bei den Lehrinhalten sowie für die Bereitstellung von finanziellen Mitteln für die Ausbildung der Lehrkräfte und für die Gewährleistung der technischen Infrastruktur. In der Minderheit blieben zwei Anträge zum Thema Religionsunterricht, wobei sich der eine Antrag dafür, der andere dagegen richtete. Ebenso keine Mehrheit fand ein Vorstoß zur Evaluierung des heutigen Gesetzespakets.
NATIONALRATSPRÄSIDENT UND ABGEORDNETE MIT ABSCHLUSSWORTEN IM PLENUM
Nationalratspräsident Rosenkranz hob zum Abschluss des Plenums die hohe Motivation und das Engagement der teilnehmenden Lehrlinge hervor. „Die Jugend ist die Zukunft unseres Landes“, so Rosenkranz. Junge Menschen seien im Hohen Haus sehr gerne gesehen. Er erwähnte die unterschiedlichsten Formate im Parlament, um junge Menschen für Demokratie zu begeistern. Auch für manche Gesetze, die Weichenstellungen für die Jugend betreffen, sei es wichtig, Informationen „aus erster Hand“ von den Jungen selbst zu bekommen.
Seitens der Abgeordneten, die die Lehrlinge während der beiden Tage unterstützten, hob etwa Manuel Pfeifer (FPÖ) das Engagement der Lehrlinge hervor. „Ihr seid die Zukunft in diesem Land“, hielt er fest. Klaus Mair (ÖVP) hofft, dass sich die Lehrlinge aus den zwei Tagen – ebenso wie er selbst – viel mitnehmen konnten. Außerdem zeigte er sich überzeugt, dass man als künftige Fachkraft keine Angst vor KI zu haben brauche. Ein „Freudentag“ sei es für Roland Baumann (SPÖ) gewesen, so viele junge Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den Reihen der Abgeordnetenbänke zu sehen. „Es braucht euch in der Politik“, regte er die Lehrlinge an, sich weiterhin einzubringen. Veit Dengler (NEOS) zeigte sich überzeugt, dass Menschen mit einer Wahl eines Lehrberufs „die Welt offen steht“. Heute hätten die Lehrlinge erlebt, dass Politik ein Ort sei, „an dem wir ausmachen, wie wir miteinander leben“. Süleyman Zorba (Grüne) schloss sich dem an, dass es erfreulich wäre, künftig auch mehr Lehrlinge als Abgeordnete zu sehen. Bei den Abstimmungen sei ihm aufgefallen, dass teilweise nicht der gesamte Klub aufgestanden sei – das nehme er als Anregung mit, sich darüber Gedanken zu machen, zumal ansonsten die Klubs zumeist sehr geschlossen abstimmen würden.
Als eines der Angebote des österreichischen Parlaments zur politischen Bildung haben Lehrlinge aus ganz Österreich einmal im Jahr beim Lehrlingsparlament die Gelegenheit, die Rolle von Abgeordneten zu übernehmen und den Gesetzgebungsprozess zu erleben. Die 90 Lehrlinge kamen diesmal von der „aks gesundheit GmbH“, den Austrian Airlines, der Berufsschule Linz 6, der Berufsschule Wels 3, von Geldservice Austria sowie von der Tiroler Fachberufsschule Lienz, der „Wiener Wohnen Kundenservice GmbH“ und der „Wiener Wohnen Hausbetreuung“. Weitere Informationen zum Lehrlingsparlament sind unter www.reininsparlament.at verfügbar. (Schluss) mbu
HINWEIS: Fotos vom Lehrlingsparlament sowie eine Nachschau auf vergangene Veranstaltungen finden Sie im Webportal des Parlaments. Die Plenarsitzung des Lehrlingsparlaments ist als Video-on-Demand in der Mediathek des Parlaments verfügbar.
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