
Nationalbank: Bargeld bleibt beliebt und für die Bevölkerung unverzichtbar
Digitales Bezahlen gewinnt an Bedeutung – Digitaler Euro als öffentliche Alternative zu außereuropäischen Zahlungsanbietern
DIE OESTERREICHISCHE NATIONALBANK (OENB) FÜHRT REGELMÄSSIGE BEFRAGUNGEN ZUM ZAHLUNGSVERHALTEN DER ÖSTERREICHER:INNEN DURCH. DIE AKTUELLEN ERGEBNISSE DER ZAHLUNGSMITTELSTUDIE 2025 ZEIGEN, DASS 94 % DER BEFRAGTEN NICHT AUF BARGELD VERZICHTEN WOLLEN. BEI KLEINEN BETRÄGEN GEWINNT DAS DIGITALE BEZAHLEN ABER WEITER AN BEDEUTUNG.
Euro-Banknoten und -Münzen bleiben in Österreich trotz fortschreitender Digitalisierung ein zentrales Zahlungsmittel. 91 % der Zahlungen insgesamt werden im stationären Handel (Point-of-Sale, POS) getätigt. Zwar geht die Bargeldnutzung im Geschäft vor Ort langsam zurück, macht aber weiterhin 55 % aller Transaktionen (2022: 63 %) und 45 % des Umsatzes (2022: 48 %) aus. Besonders bemerkenswert ist, dass Bargeld trotz wachsender digitaler Angebote und steigender Kartennutzung weiterhin fast die Hälfte des gesamten POS-Umsatzes trägt und so seine wirtschaftliche Relevanz und Akzeptanz im Alltag der Bevölkerung zeigt.
Der Konsum findet längst auch digital statt: 67 % aller Befragten kaufen im Internet ein, etwa 50 % mindestens einmal im Monat. Die meistgenutzten Zahlungsmittel dafür sind Karten (35 %) und Wallets (30 %). Obwohl es für 79 % der Befragten wichtig ist, immer und überall mit einem öffentlichen Zahlungsmittel bezahlen zu können, fehlt derzeit noch die öffentliche Alternative einer digitalen Bezahlmöglichkeit. Zwei Drittel der elektronischen Zahlungen in Europa laufen über US-Anbieter. 13 von 21 Euroraum-Ländern sind im Handel vollständig abhängig von nicht-europäischen Zahlungssystemen – auch Österreich. Der digitale Euro wird hier Abhilfe schaffen und die derzeitige alternativlose Abhängigkeit von US-Anbieter beenden.
BARGELD UNVERZICHTBAR UND LEGT AN BEDEUTUNG ZU
Im Vergleich zum Vorjahr ist der Anteil der Befragten, für die Bargeld „seine derzeitige Bedeutung behalten“ soll, sogar um fünf Prozentpunkte auf 66 % gestiegen (2024: 61 %), während 28 % der Befragten angeben, dass sie jedenfalls nicht „ganz ohne Bargeld“ leben möchten. Das unterstreicht die anhaltende Relevanz von Bargeld – insbesondere in Zeiten globaler Unsicherheiten und als verlässliche Konstante im Zahlungsverkehr.
„In einer Zeit, in der Flexibilität und Sicherheit gefragt sind, ist Bargeld einfach eine kluge Wahl, weil es immer funktioniert“, betont OeNB-Direktor Thomas Steiner. Die hohe Praktikabilität bestätigt sich auch in der Wahrnehmung der Bevölkerung: 94 % stimmen zu, dass Bargeld besonders praktisch ist. Nicht zuletzt deshalb, weil es jederzeit und überall funktioniert. Besonders gut benotet wird auch der Schutz von persönlichen Daten und die Wahrung der Privatsphäre mit 85 % bzw. 83 % Zustimmung. Ein „sehr wichtiger“ bzw. „wichtiger“ Grund für die Barzahlung liegt für 88 % der Befragten darin, dass Bargeld eine gute Kontrolle über die eigenen Ausgaben ermöglicht.
Kleine Beträge unter 10 EUR werden hingegen mittlerweile häufiger mit Wallets (ApplePay, GooglePay etc.) bezahlt (von 4 % 2022 auf 8 % 2025). Insgesamt macht der Anteil von Zahlungen mit Wallets noch weniger als 10 % am gesamten Zahlungsverkehr am POS (beides in Transaktionen und Volumen) aus, allerdings hält mehr als die Hälfte der Befragten das Bezahlen per Smartphone für praktisch, und 43 % sehen es sogar als optimales Zahlungsmittel am POS.
„Wenn Sie heute beim Bäcker Ihre Semmeln mit der Karte zahlen oder den Haarschnitt beim Friseur mit dem Handy, dann brauchen Sie dafür einen US-Anbieter. Digitales Bezahlen gehört für die Österreicherinnen und Österreicher ganz selbstverständlich zum Alltag. Gleichzeitig sind wir bei der Abwicklung von außereuropäischen Unternehmen abhängig. Diese Abhängigkeiten sind nicht gesund. Darum werden wir mit dem digitalen Euro eine europäische Alternative aufbauen, auf die sich alle jederzeit verlassen können“, erklärt OeNB-Direktor Josef Meichenitsch.
Umso jünger, desto digitaler: Personen unter 50 Jahren zahlen lieber elektronisch (59 % aller Zahlungen). Alle Altersgruppen schätzen Wahlfreiheit zwischen bar und digital (81 %). 16- bis 29-Jährige bezahlen 38 % ihrer Zahlungen am POS bar und 62 % digital. Für diese Altersgruppe zeigt die detailliertere Auswertung des Zahlungstagebuchs (Aufzeichnung aller Zahlungen innerhalb einer Woche) klar, dass Bargeld nach wie vor einen relevanten Stellenwert einnimmt: Mehr als 76 % der jungen Menschen nutzen Bargeld zumindest einmal während der aufgezeichneten sieben Tage.
„Bargeld ist zwar mehrere tausend Jahre alt, hat aber dennoch nichts von seiner Aktualität eingebüßt und gilt mehr denn je für alle Bevölkerungsgruppen als zeitloses und überaus beliebtes Zahlungsmittel“, unterstreicht Matthias Schroth, Direktor der OeNB-Hauptabteilung Recht, Bargeld und Beteiligungen. „Bargeld ist modern in seiner Einfachheit und Unabhängigkeit. Bargeld ist sicher in seiner Struktur. Und Bargeld ist menschlich in seiner Wirkung“, hält Schroth fest. Die menschliche Bargeld-Komponente zeigt sich besonders durch seine Inklusivität: Bargeld schließt niemanden aus. Es schafft persönliche Begegnungen und verbindet Menschen in ihrem Alltag.
Bargeld gilt weiterhin als das sicherste Zahlungsmittel: Die Europäische Zentralbank bereitet derzeit die dritte Euro-Banknotenserie vor, damit auch in Zukunft höchstmögliche Sicherheitsstandards eine leichte Überprüfbarkeit auf Echtheit ermöglichen.
WAHLFREIHEIT ENTSCHEIDEND
„Wir wollen, dass öffentliches Geld allen Menschen auch im digitalen Raum zugänglich ist. Jede:r soll jederzeit, sicher und überall ohne Einschränkungen am digitalen Wirtschaftsleben teilhaben können“, so Petia Niederländer, Leiterin der Hauptabteilung Zahlungsverkehr, Risikoüberwachung und Finanzbildung. „Der digitale Euro wäre als digitales Zentralbankgeld eine gebührenfreie und sichere Möglichkeit für digitales Bezahlen“, so Niederländer weiter.
Für die OeNB ist letztlich entscheidend, die Wahlfreiheit bei Zahlungsmitteln sicherzustellen: Um den Konsument:innen diese Freiheit zu ermöglichen setzt sich die OeNB zum einen mit eigenen Bankomaten für eine flächendeckende Versorgung mit Bargeld ein, zum anderen engagiert sie sich auf EU-Ebene im Rahmen des ordentlichen Gesetzgebungsverfahrens für eine strenge und grundsätzlich umfassende Annahmepflicht von Bargeld mit nur wenigen, sachlich gerechtfertigten Ausnahmen. Die Bargeld-Annahmepflicht soll auch für Automaten gelten und für jede einzelne Person konkret durchsetzbar sein. Ein Ausschluss der Annahme von Bargeld mittels „no cash“-Schildern oder in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen soll –wie auch beim digitalen Euro – nicht zulässig sein. Ziel ist die zukünftige Gleichstellung von Bargeld mit dem digitalen Euro als gesetzliches Zahlungsmittel.
Oesterreichische Nationalbank
Pressesprecherin
Mag.a Marlies Schroeder, MiM
Telefon: (+43-1) 404 20-6900
E-Mail: marlies.schroeder@oenb.at
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