vida-Eberhart zu WKÖ: „Die Realität der Beschäftigten lässt sich nicht wegreden“

AK-Fälle zeigen erneut massive Missstände in der Tourismusbranche – Arbeitgeber können am 21. Mai beweisen, wie ernst sie es mit Respekt und Fachkräftesicherung meinen

Mit Verwunderung reagiert die Gewerkschaft vida auf die jüngsten Aussagen der Wirtschaftskammer zu den laufenden Kollektivvertragsverhandlungen in Hotellerie und Gastronomie. „Die Arbeitgeber behaupten, es gebe keine Belege für unsere Kritik an den Zuständen in der Branche. Gleichzeitig veröffentlichen Medien beinahe täglich Fälle von Lohndumping, fragwürdigen Kündigungen und sozialer Unsicherheit im Tourismus. Man muss schon bewusst wegschauen, um diese Missstände übersehen zu können“, sagt Eva Eberhart, Vorsitzende des vida-Fachbereichs Tourismus und KV-Chefverhandlerin. Auch den Vorwurf der Pauschalkritik weist sie zurück: „Die Gewerkschaft vida betreibt kein Branchen-Bashing. Im Gegenteil: Mit den ‚Tourismusstars‘ haben wir selbst während der laufenden Kollektivvertragsverhandlungen jene Betriebe vor den Vorhang geholt, die zeigen, dass fairer Umgang mit Beschäftigten möglich ist“.

Allein in den vergangenen Tagen wurden mehrere Fälle öffentlich: Ein Koch verlor laut einem Bericht in der Tageszeitung „Heute“ nach einem Herz-Notfall nicht nur seinen Job, sondern plötzlich auch seinen Versicherungsschutz. Eine Köchin erhielt – wie in der Kronenzeitung berichtet – nach Intervention der Arbeiterkammer fast 8.900 Euro zurück, nachdem sie zuvor unterbezahlt und gekündigt worden war. Und „Österreich“ machte einen Fall publik, in dem eine Kellnerin unmittelbar nach Bekanntgabe ihrer Schwangerschaft gekündigt wurde. „Diese Beispiele sind nur ein kleiner Auszug aus dem, was Gewerkschaft und Arbeiterkammer tagtäglich von Beschäftigten aus der Branche hören müssen“, betont Eberhart.

„BESCHÄFTIGTE KÖNNEN SICH VON IMAGEKAMPAGNEN NICHTS KAUFEN“

Die Wirtschaftskammer werfe der Gewerkschaft „Hetzkampagnen“ vor, blende die Realität vieler Beschäftigter aber konsequent aus. „Die Menschen können sich von Hochglanzbroschüren und Tourismuswerbung nichts kaufen. Wer arbeitet, muss von seinem Einkommen leben können“, so Eberhart.

Besonders drastisch sei die Situation bei niedrigen Einkommen. Laut den staatlich anerkannten Referenzbudgets der Schuldenberatungen liegt das notwendige Netto-Einkommen für einen bescheidenen Einpersonenhaushalt aktuell bei 1.878 Euro. Eine Alleinerzieherin mit Kind benötigt sogar 2.896 Euro netto pro Monat. „Gleichzeitig liegen drei Lohngruppen im Kollektivvertrag unter diesem Referenzbudget. Das bedeutet: Trotz Vollzeitarbeit reicht das Einkommen oft nicht für ein bescheidenes Leben“, kritisiert Eberhart.

Die Preissteigerungen bei Mieten, Energie, Lebensmitteln und Treibstoff träfen Beschäftigte besonders hart. „Alle Kostensteigerungen, die von den Arbeitgebern angeführt werden, gelten für das Personal selbst umso mehr. Trotzdem würde das aktuelle Angebot der Arbeitgeberseite im Schnitt weniger als 70 Euro brutto pro Monat bringen. Das ist angesichts der Teuerung schlicht zu wenig.“

NÄCHSTE KV-GESPRÄCHE ALS GRADMESSER FÜR WERTSCHÄTZUNG

Am Donnerstag, den 21. Mai finden erneut Gespräche zum Kollektivvertrag für Hotellerie und Gastronomie statt. Für die Gewerkschaft vida ist klar: Die Arbeitgeber haben jetzt die Möglichkeit zu zeigen, wie ernst sie es mit Fachkräftesicherung und Wertschätzung meinen.

„Die Arbeitgeber können beweisen, ob sie den Beschäftigten tatsächlich Respekt zollen. Für uns ist jedenfalls klar, dass es bei den Löhnen deutlich nach oben gehen muss“, erklärt Eberhart.

Die Gewerkschafterin verweist auf die hohe Fluktuation, häufige Übergriffe und Fälle sexueller Belästigung, sowie zahlreiche weitere dokumentierte Verstöße gegen Arbeits- und Sozialrecht in der Branche. „Wenn Beschäftigte trotz Arbeit kaum über die Runden kommen, sich am Arbeitsplatz nicht sicher fühlen können und nicht einmal darauf vertrauen können, dass ihre geleisteten Stunden korrekt ausbezahlt werden, dann ist das kein Zukunftsmodell für den Tourismusstandort Österreich“, so Eberhart abschließend.

Gewerkschaft vida
Cornelia Groiss
Tel.: +43 664 6145 756
E-Mail: cornelia.groiss@vida.at
www.vida.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
© Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender