Handlungsbedarf für Europa: Arzneimittel als strategische Ressource stärken

Beim Europa-Forum Wachau wurde deutlich: Pharmazeutische Innovation ist zentral für Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Autonomie Europas.

Globale Krisen, geopolitische Spannungen und wachsende Abhängigkeiten stellen Europa vor neue Herausforderungen. Beim Europa-Forum Wachau diskutierten heute hochrangige Vertreter:innen aus Wissenschaft, Politik und Industrie über die Rolle von Arzneimittelforschung und innovativen Therapien im Kontext der Sicherheitspolitik. Klar wurde dabei: Der Life-Sciences-Sektor ist nicht nur ein Wirtschaftszweig, sondern ein zentraler Faktor für Resilienz und Versorgungssicherheit und muss daher gezielt gestärkt werden.

Am Podium diskutierten Dr. Walter Feichtinger, Präsident des Centers für Strategische Analysen und ehemaliger Brigadier des österreichischen Bundesheeres, Stefan Hendriks, Senior Vice President und Head Western European Cluster, Novartis Pharma AG, Anton Kasser, Landesrat, Landesregierung Niederösterreich, Prof. Dr. Monika Köppl-Turyna, Direktorin und wissenschaftliche Leiterin, EcoAustria sowie Prof. Dr. Markus Müller, Rektor der Medizinischen Universität Wien. Die Moderation übernahm Martina Salomon, Herausgeberin der Tageszeitung Kurier.

Im Vordergrund der Diskussion stand, dass Resilienz vor allem bedeutet, Abhängigkeiten zu reduzieren und die eigene Produktions- und Innovationsfähigkeit auszubauen. Gerade der pharmazeutische Sektor wurde als zentral für wirtschaftliche, gesundheitspolitische und strategische Stabilität eingeordnet.

Ein zentrales Thema war der wachsende internationale Wettbewerbsdruck. Während Österreich und Europa in der pharmazeutischen Wertschöpfung grundsätzlich gut positioniert sind, schaffen wir es nach wie vor nicht, Investitionen in Form von Venture Capital im gleichen Ausmaß wie etwa in den USA oder mittlerweile auch in China nach Europa zu bringen. Gleichzeitig wurden regulatorische Hürden, lange Zulassungsverfahren und Preisdruck als wesentliche Nachteile im internationalen Standortwettbewerb identifiziert.

Breiten Raum nahm die Frage ein, wie Forschung stärker in wirtschaftlichen Erfolg übersetzt werden kann. Trotz exzellenter Universitäten, hoher Patentzahlen und wachsender industrieller Bedeutung gelingt es bislang zu selten, Innovationen in marktfähige Produkte und neue Unternehmen zu überführen. Als zentrale Engpässe wurden fehlendes Risikokapital, strukturelle Hürden für Talente und unzureichend vernetzte Innovationsökosysteme genannt.

Zudem wurde deutlich, dass Europa im internationalen Wettbewerb bei der Gewinnung und Bindung von Talenten unter Druck steht. So führen etwa zu hohe Hürden für den Zuzug von Fachkräften zur Schwächung des Standorts bzw. sieht man auch Abwanderungstendenzen aus Österreich in einzelnen Bereichen.

Einig war sich das Podium, dass Innovation nicht vollständig steuerbar ist, sondern ein leistungsfähiges Umfeld braucht. Entscheidend sind ausreichend Finanzierung, starke Forschungsnetzwerke und ein funktionierender Kapitalmarkt, um eine kritische Masse an Ideen und Unternehmen zu ermöglichen.

Auch auf politischer Ebene wurde Handlungsbedarf gesehen. Gefordert wurden vereinfachte Rahmenbedingungen, schnellere Prozesse beim Zugang zu Innovationen sowie eine stärkere Ausrichtung auf den gesamten Innovationszyklus. Gleichzeitig wurde betont, dass Versorgungssicherheit langfristig nur durch Eigenständigkeit und strategische Investitionen erreicht werden kann.

Klar wurde: Europa steht vor einem Wendepunkt. Der Life-Sciences-Sektor ist ein entscheidender Hebel für wirtschaftliche Stärke, gesellschaftliche Resilienz und politische Handlungsfähigkeit und muss gezielt gestärkt werden.

Über die PHARMIG: Die PHARMIG ist die freiwillige Interessenvertretung der österreichischen Pharmaindustrie. Derzeit hat der Verband ca. 120 Mitglieder (Stand Mai 2026), die den Medikamenten-Markt zu gut 95 Prozent abdecken. Die PHARMIG und ihre Mitgliedsfirmen stehen für eine bestmögliche Versorgungssicherheit mit Arzneimitteln im Gesundheitswesen und sichern durch Qualität und Innovation den gesellschaftlichen und medizinischen Fortschritt.

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