
Kaum eine Banking-App erfüllt Barrierefreiheitsstandards vollständig
Rund ein Jahr European Accessibility Act: bluesource-Analyse zeigt Aufholbedarf bei drei untersuchten Banking-Apps
BLUESOURCE – MOBILE SOLUTIONS HAT DREI BANKING-APPS EINEM SYSTEMATISCHEN ACCESSIBILITY-CHECK UNTERZOGEN. DAS ERGEBNIS: KEINE DER APPS ERREICHT WCAG-AA VOLLSTÄNDIG. DER EUROPEAN ACCESSIBILITY ACT (EAA, IN KRAFT SEIT 28. JUNI 2025) VERPFLICHTET INSTITUTE IN DER EU DAZU, IHRE DIGITALEN PRODUKTE BARRIEREFREI ZU GESTALTEN. DIE STUDIE ZEIGT, DASS TROTZ ERKENNBARER BEMÜHUNGEN EINZELNER ANBIETER BRANCHENWEIT NOCH ERHEBLICHER AUFHOLBEDARF BESTEHT.
DREI APPS IM CHECK – KEINE BESTEHT VOLLSTÄNDIG
Im Rahmen einer heuristischen Studie hat bluesource im April/Mai 2026 drei Banking-Apps exemplarisch untersucht: bank99 (österreichische Direktbank), Revolut (Neobank, gegründet in Großbritannien) und Trade Republic (Neo-Broker/Wertpapierbroker aus Deutschland). Das Ergebnis: Keine der drei Apps erfüllt die WCAG-AA-Anforderungen vollständig.
In der Gesamtbewertung schneidet Revolut als technisch fortschrittlichste App am besten ab („größtenteils konform“). bank99 wird als „teilweise konform“ eingestuft. Trade Republic erhält die Bewertung „deutliche Mängel“.
UNTERSCHIEDLICHE STRATEGISCHE BARRIEREFREIHEITS-AUSRICHTUNGEN
Revolut zeigt eine technisch fortgeschrittene und aktiv weiterentwickelte Accessibility-Implementierung. bank99 integriert einen eigenen „Barrierefrei“-Modus sichtbar in der App. Dieser Ansatz zeigt das bewusste Adressieren von Barrierefreiheit, orientiert sich jedoch an älteren Sonderlösungen statt an modernen, integrativen Prinzipien mobiler Zugänglichkeit. Trade Republic setzt auf ein reduziertes UI-Design mit geringer kognitiver Last, eine systematische Accessibility-Strategie ist jedoch nicht erkennbar. Kritisch: Farbe wird stellenweise als alleiniges Unterscheidungsmerkmal eingesetzt, was WCAG explizit untersagt.
Keine der drei Apps integriert die gesetzlich vorgeschriebene Barrierefreiheitserklärung klar sichtbar innerhalb der Anwendung. Im App Store ist sie bei Revolut angegeben. Auf externen Websites findet sich eine Erklärung bei bank99, nicht jedoch bei Trade Republic.
DIE HÄUFIGSTEN BARRIEREFREIHEITS-SCHWACHSTELLEN IM DETAIL
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FARBKONTRASTE: Revolut kämpft mit problematischem Dark Mode und Farbverläufen. Trade Republic setzt stark auf sehr helle Grautöne unter dem WCAG-Schwellenwert. bank99 erreicht im Standardmodus nur grenzwertige Kontraste; ein integrierter Hochkontrast-Modus ist vorhanden, gleicht die Defizite im Standardbetrieb aber nicht aus.
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SEMANTISCHE BESCHRIFTUNGEN: Nur Revolut setzt Labels großteils konsequent um. Trade Republic erfüllt dieses Kriterium nur teilweise. Bei bank99 sind Labels zwar vorhanden, die semantische Struktur ist aber inkonsistent. Suchergebnisse und dynamische Inhalte sind für Screenreader teilweise schwer interpretierbar.
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FEHLERIDENTIFIKATION IN FORMULAREN: Revolut zeigt konzeptionell eine vorbildliche Umsetzung mit klar beschrifteten Fehlerhinweisen. bank99 liefert bei der IBAN-Prüfung visuelle Rückmeldungen, nutzt dabei aber ausschließlich farbliche Differenzierung ohne zusätzliche Textkennzeichnung, was einen WCAG-Verstoß darstellt. Trade Republic bietet nur minimale Guidance.
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SCHRIFTGRÖSSENANPASSUNG (DYNAMIC TYPE): Revolut skaliert korrekt. bank99 bietet kaum Anpassung (Dynamic Type nicht umgesetzt), Trade Republic nur eingeschränkt.
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FOKUS-INDIKATOREN UND TASTATURNAVIGATION sind bei allen drei Apps nicht vollständig gelöst.
STIMMEN ZUR STUDIE
_„Barrierefreiheit ist selten ein Ja-oder-Nein-Ergebnis. Die Bandbreite an Einschränkungen ist groß, die Anforderungen vielschichtig. Umso wichtiger ist es, zumindest die essenziellen Flows konsequent zugänglich zu machen. Dort, wo Screenreader zentrale Inhalte nicht auslesen können oder Formulare keine verständliche Fehlerrückmeldung liefern, ist die selbstständige Nutzung für Betroffene faktisch ausgeschlossen.“_ – Ines Madlsperger, Barrierefreiheit-Beauftragte und UX-Expertin bei bluesource.
_„Barrierefreiheit ist im Finanzsektor gesetzliche Pflicht und strategischer Wettbewerbsfaktor. Mit einem strukturierten Vorgehen – vom Quick-Check über Delta-Analysen und gezielten Quick Wins bis zur nachhaltigen Roadmap – können Banken in kurzer Zeit wirksame Fortschritte erzielen. So sorgen Institute neben Rechtskonformität auch dafür, eine wachsende Nutzergruppe zu überzeugen, für die zugängliche Services zum Entscheidungskriterium werden.“ _- Martin Sprengseis-Kogler, Managing Partner bei bluesource.
NÄHERES ZUR STUDIENMETHODIK
Die Analyse basiert auf systematischer heuristischer Prüfung definierter User Flows (Dashboard, Umsatzliste, Überweisungsformular, Suche, Einstellungen), dokumentiert anhand von Screenshots zentraler App-Screens und ergänzt durch Auswertung offizieller Accessibility-Dokumentationen und App-Store-Daten. Analysezeitpunkt: April/Mai 2026. Die Ergebnisse verstehen sich als qualitative Einschätzung, nicht als formelles Audit nach EN 301 549.
HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN FÜR FINANZINSTITUTE
Barrierefreiheit ist bei Banking-Apps regulatorische Pflicht sowie Hebel für bessere Nutzbarkeit, mehr Reichweite und stärkere digitale Produkte. Eine Vorgehensweise für Banken und Finanzdienstleister, die sich laut den bluesource-Expert:innen bewährt hat, beginnt im ersten Schritt mit einem Accessibility-Quick-Check samt Delta-Analyse, auf dessen Basis schnelle Verbesserungen umsetzbar sind. Darauf folgen die Barrierefreiheitserklärung mit Feedbackmechanismus sowie die feste Verankerung barrierefreier Standards in Design- und Entwicklungsprozessen. Regelmäßige Re-Checks bei jedem Release sichern die Nachhaltigkeit.
bluesource unterstützte bereits diverse namhafte Bankinstitute auf ihrem Weg zur Barrierefreiheit, darunter S-Payment.
Für Audit, Reporting und KI-gestützte Optimierung kooperiert bluesource mit Eye-Able, Europas führender Plattform für digitale Barrierefreiheit mit über 20.000 Websites im Einsatz, darunter zahlreiche Anbieter aus dem Bankensektor.
MEDIENANGEBOTE/GESPRÄCHSTHEMEN UND BILDMATERIAL/GRAFIK FÜR REDAKTEURE:
Interviews mit Martin Sprengseis-Kogler (Managing Partner) und Ines Madlsperger (Barrierefreiheit-Beauftragte und UX-Expertin) sind auf Anfrage möglich.
Infografik “Barrierefreiheits-Analyse von drei Banking-Apps” Abdruck honorarfrei © bluesource.
ÜBER BLUESOURCE
bluesource – mobile solutions gmbh entwickelt seit 25 Jahren mobile Softwarelösungen, Apps und digitale Frontends für Banken, Finanz- und Bezahldienstleister, Zahlungsanbieter sowie den Handel.
Das 2001 im oberösterreichischen Hagenberg im Mühlkreis gegründete Hightech-Unternehmen feiert 2026 sein 25-jähriges Jubiläum und zählt zu den etablierten Entwicklungspartnern für mobile Banking- und Finanzanwendungen im DACH-Raum. Das Expertenhaus für mobile Anwendungen verbindet tiefes Branchenverständnis im Banking- und Finanzumfeld mit Know-How in User Experience, technischer Robustheit, Systemintegration und digitaler Barrierefreiheit.
Für Kunden wie S-PAYMENT, RAIFFEISEN, BBVA und weitere Unternehmen integriert bluesource Payment-, Loyalty-, Wallet-, Wealth- und Mehrwertservices in nahtlose mobile Customer Journeys. Dabei werden moderne Services mit komplexen Backend- und Legacy-Systemen verbunden. bluesource ist nach ISO/IEC 27001:2013 zertifiziert.
bluesource – mobile solutions gmbh
Karin Forster
Telefon: +43 664 600 481 24
E-Mail: karin.forster@bluesource.at
Website: https://www.bluesource.at/
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