
Betriebsräte warnen vor beispiellosen Budgetkürzungen und langfristigem Stellenabbau an Universitäten
Aktuell agiert die Regierung außerhalb des gesetzlichen Rahmens!
Die Bundesregierung hat am Montag die Universitäten darüber informiert, dass sie eine Kürzung der Universitätsbudgets plant – und zwar in bisher beispielloser Form. Die Ausgangslage der laufenden Leistungsvereinbarungsperiode 2025–2027 beträgt 16,5 Mrd. Euro inklusive Ärzt*innengehälter an den Universitätskliniken. Auf Basis der WIFO-Prognosen wurde für 2028–2030 ein Bedarf von 18 Mrd. Euro errechnet, um Kostensteigerungen abzufangen.
Doch statt einer inflations- und kostenbedingten Fortschreibung soll die Universitätsfinanzierung auf 15,5 Mrd. Euro gekürzt werden. Das ist ein Minus von 6 Prozent gegenüber der Ausgangsbasis und ein MINUS VON 2,5 MRD. EURO oder rund 14 Prozent gegenüber dem tatsächlichen Finanzierungsbedarf.
Wir, die Betriebsrätevorsitzendenkonferenz des wissenschaftlichen und künstlerischen Universitätspersonals, fordern die österreichische Bundesregierung dazu auf den Universitäten ausreichende finanzielle Mittel zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben zur Verfügung zu stellen, aber auch dazu, allen Mitarbeiter*innen einen angemessen Inflationsausgleich in Aussicht zu stellen. Die ausreichende finanzielle Ausstattung ist im Universitätsgesetz verpflichtend vorgeschrieben. Das Universitätsgesetz schreibt auch klar eine Kontinuität in der Finanzierung über einzelne Leistungsvereinbarungsperioden fest und begrenzt Kürzungsmöglichkeiten (sh. §12a [3] UG). Mit der derzeit im Raum stehenden Budgetkürzung können die Aufgaben in Forschung, Lehre und Third-Mission nicht bewältigt werden. Die Regierung agiert damit außerhalb des gesetzlichen Rahmens!
Insbesondere würde eine Kürzung des Universitäten-Budgets das – ohnehin überwiegend nur prekär angestellte – Personal der Universitäten weiter belasten und dadurch die Lehr- u. Forschungsbedingungen in Österreich deutlich verschlechtern. Der Anteil an Befristungen (ca. 80%) und Teilzeitverträgen liegt bereits jetzt deutlich über dem Durchschnitt des österreichischen Arbeitsmarkts. Laut Berechnungen der Universitätenkonferenz (Uniko) könnte es in Folge der Kürzungen zu einer mittelfristigen REDUKTION VON RUND 20 PROZENT DES PERSONALS kommen. Damit könnte künftig jede fünfte Person nicht mehr beschäftigt werden. Dies würde wohl nicht über – wie in anderen Beschäftigungsbereichen üblichen – „Kündigungswellen“ erfolgen, sondern schleichend: Die mehrheitlich befristet angestellten Mitarbeiter*innen erhalten keine Verlängerungen bzw. keine unbefristeten Anstellungen mehr. Eine Schwächung der Grundfinanzierung ist gerade damit aber nicht nur ein Einmaleffekt, sondern erhöht die Verunsicherung und Belastung aller wissenschaftlichen und künstlerischen Mitarbeitenden kurzfristig und verschärft das vorhandene Prekariat dauerhaft über viele Jahre hinweg.
Die knapp 70.000 Mitarbeitenden der österreichischen Universitäten haben bereits über einen besonders niedrigen Doppelabschluss der Gehälter im Universitäten-Kollektivvertrag für 2026 und 2027 einen MASSGEBLICHEN SOLIDARITÄTSBEITRAG zur Sanierung des österreichischen Bundeshaushalts geleistet. Für 2026 wurde mit einer Anpassung von 1,65% nur ca. die Hälfte der Inflation abgedeckt. Die Anpassung für 2027 wurde mit 1,3% sogar noch niedriger fixiert und liegt weit unter der derzeit prognostizierten Inflation. Diese Reallohnverluste werden durch die anstehenden weiteren Kürzungen verstärkt werden und können in der Zukunft kaum wieder eingeholt werden. Dies führt daher zu einer dauerhaften Reduktion der Attraktivität der österreichischen Universitäten am akademischen Arbeitsmarkt. Das Erreichen von Spitzenforschung und Exzellenzzielen wird damit massiv torpediert.
Wir, die Betriebsrätevorsitzendenkonferenz des wissenschaftlichen und künstlerischen Universitätspersonals, unterstützen die Aktivitäten der Uniko und beteiligen uns daher aktiv an der DEMONSTRATION AM MITTWOCH, 27. MAI 2026 UM 13 UHR. Treffpunkt ist der Ring vor dem Hauptgebäude der Universität Wien. Wir rufen alle Mitarbeiter*innen der österreichischen Universitäten zur Teilnahme auf!
Die Betriebsrätevorsitzendenkonferenz des wissenschaftlichen und künstlerischen Universitätspersonals
Gerhard Wohlfahrt, gerhard.wohlfahrt@uni-graz.at
Verband des wissenschaftlichen und künstlerischen Personals der
österreichischen Universitäten (ULV)
Dr. Stefan Schön, Pressesprecher
Telefon: +4369911240984
E-Mail: schoen@mdw.ac.at
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