
BELVEDERE macht Skulpturen online räumlich erlebbar
Erste 3D-Modelle in der Sammlung Online eröffnen neue Perspektiven auf Werke von Messerschmidt, Wotruba, Rodin und Medardo Rosso
DAS BELVEDERE ERWEITERT SEINE SAMMLUNG ONLINE UM EINE ERSTE AUSWAHL AN 3D-DIGITALISIERTEN SKULPTUREN UND OBJEKTEN. DIE MODELLE ERÖFFNEN EINEN NEUEN ZUGANG ZU KUNSTWERKEN AUS UNTERSCHIEDLICHEN SAMMLUNGSBEREICHEN UND KUNSTHISTORISCHEN EPOCHEN: PLASTISCHE WERKE KÖNNEN NUN ONLINE AUS VERSCHIEDENEN BLICKWINKELN BETRACHTET, GEDREHT, VERGRÖSSERT UND IN IHRER RÄUMLICHEN WIRKUNG NACHVOLLZOGEN WERDEN.
Die erste 3D-Serie umfasst 23 Modelle und wurde im Rahmen eines Projekts der vom Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport ins Leben gerufenen Förderschiene_ Kulturerbe digital_ von September 2024 bis April 2026 umgesetzt. Ausgewählt wurden unter anderem Werke von Franz Xaver Messerschmidt, Fritz Wotruba, Auguste Rodin und Medardo Rosso sowie Objekte aus weiteren Sammlungsbereichen des Belvedere. Ziel des Pilotprojekts war, einen breiten Erfahrungsschatz aufzubauen und einen tragfähigen Digitalisierungs-Workflow zu etablieren. Dieser orientiert sich an internationalen Best-Practice-Beispielen für die Erstellung, Dokumentation und Archivierung von 3D-Modellen und schafft die Grundlage für eine vielfältige Nachnutzung.
Erstellt wurden die Modelle mittels Fotogrammetrie: Dabei wird eine große Anzahl hochauflösender Fotografien eines Objekts aus unterschiedlichen Perspektiven aufgenommen und anschließend per Software zu einem dreidimensionalen Modell zusammengesetzt. Je nach Größe und Beschaffenheit wird das Werk dafür auf einem Drehteller oder aus verschiedenen Blickwinkeln fotografiert.
Der digitale 3D-Viewer ermöglicht eine Nähe zu den Objekten, die im Ausstellungsraum kaum möglich ist. Nutzer*innen können die Werke drehen, wenden und Details im Zoom betrachten. Dadurch werden etwa Bearbeitungsspuren, frühere Ausbesserungen oder auch bislang schwer einsehbare Partien sichtbar.
Mit den 3D-Modellen erweitern wir die Möglichkeiten, unsere Sammlung digital zu entdecken. Gerade bei Skulpturen und Objekten eröffnet die räumliche Darstellung neue Formen der Betrachtung – für Forschung, Vermittlung und ein breites Publikum, so Stella Rollig, Generaldirektorin des Belvedere.
Die 3D-Modelle fügen sich in den kontinuierlichen Ausbau unserer digitalen Sammlungsangebote ein. Sie schaffen neue Zugänge zu den Objekten und bilden zugleich eine Grundlage für künftige Anwendungen – von der Kunstvermittlung über taktile Modelle oder 3D-Drucke bis hin zu Objektdokumentation, Restaurierung und möglichen interaktiven Displays in Ausstellungsprojekten, ergänzt Christian Huemer, Leiter des Belvedere Research Center.
Parallel zur 3D-Digitalisierung wurde im Rahmen des Projekts auch ein Teil des schriftlichen Nachlasses des Bildhauers Fritz Wotruba digital erschlossen. Insgesamt wurden 1.139 Scans von Archivalien erstellt – rund sieben Prozent des Gesamtbestands aus dem schriftlichen Nachlass. Dazu zählen eigenhändige Manuskripte Wotrubas sowie Konvolute aus seiner Korrespondenz mit Persönlichkeiten aus Kunst, Kultur, Gesellschaft und Politik.
Im Zuge dessen wurde die Digitale Bibliothek um ein Archivmanagementsystem erweitert. Dieses ermöglicht die Erfassung und Darstellung sowohl einzelner Dokumente als auch ihrer Verortung innerhalb des gesamten Archivbestands nach internationalen Standards wie ISAD(G). Damit werden Übersicht, Auffindbarkeit und Zitierfähigkeit der Archivalien verbessert und die Daten langfristig nach wissenschaftlichen Standards nutzbar gemacht.
Die 3D-Modelle sind ab sofort in der Sammlung Online des Belvedere abrufbar.
Die digitalisierten Archivalien aus dem Nachlass Fritz Wotruba sind in der Digitalen Bibliothek des Belvedere zugänglich.
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