
Parlament: Festveranstaltung zu 50 Jahren Österreichischer Seniorenrat
Politik würdigt Engagement der Interessenvertretung für die Anliegen der älteren Generation
Der Österreichische Seniorenrat feierte heute im Rahmen einer Festveranstaltung im Parlament sein 50-jähriges Bestehen. Vertreterinnen und Vertreter aus der Politik und Sozialpartnerschaft würdigten in ihren Reden dessen Verdienste in der Vertretung der Interessen der älteren Generation. So hob Nationalratspräsident Walter Rosenkranz in seiner Eröffnung die Bedeutung des gesellschaftlichen und politischen Dialogs mit den Generationen hervor. Einleitende und abschließende Worte kamen von den beiden Präsidentinnen des Österreichischen Seniorenrats Ingrid Korosec und Birgit Gerstorfer. Diese blickten auf die Bedeutung der Politik und Interessenvertretung für Seniorinnen und Senioren und mahnten die Berücksichtigung der Anliegen dieser gesellschaftlichen Gruppe ein.
Auf Videobotschaften von Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Bundeskanzler Christian Stocker folgten Festreden von Sozialministerin Korinna Schumann, Staatssekretär Alexander Pröll und der Präsidentin der Bundesarbeitskammer Renate Anderl. Der Vorstand des Instituts für Medizinische Genetik an der Medizinischen Universität Wien, Markus Hengstschläger, hielt einen Festvortrag zum Thema „Zwischen Erfahrung und Fortschritt: Chancen und Visionen für eine Gesellschaft des langen Lebens“. Die Moderation der Veranstaltung übernahm Heilwig Pflanzelter.
ROSENKRANZ: DEMOKRATIE IST DANN STARK, WENN SIE DIE ERFAHRUNGEN ÄLTERER ERNST NIMMT
Das Parlament sei neben seinen Kernaufgaben der Gesetzwerdung und Gesetzgebung ein Ort der Debatte und des Austauschs, betonte Nationalratspräsident Walter Rosenkranz in seinen Eröffnungsworten. Dafür seien alle gesellschaftlich relevanten Kräfte – wie auch die Seniorinnen und Senioren – willkommen. Eine Demokratie sei dann stark, wenn sie die Erfahrungen Älterer ernst nimmt und ihre Stimme achtet. Der Seniorenrat vertrete die Interessen von über 2,5 Mio. Menschen. Er sei heute ein tragende Säule der Gesellschaft und bringe sich in Diskussionen wie zu Pensionen, Gesundheit, Teuerung, Pflege und Digitalisierung ein. Dies seien Aufgaben, die nur gemeinsam und nicht gegeneinander gelöst werden könnten. Interessensvertretung bedeute dabei nicht bloß Forderung, sondern auch Verantwortung, Anliegen zu bündeln, Brücken zu bauen, Lösungen zu ermöglichen und die Stimmen jener hörbar zu machen, die sonst möglicherweise zu leise blieben. Die nächsten Jahrzehnte würden neue Fragenstellungen bringen und dazu werde der Seniorenrat als Stimme der Erfahrung, als Anwalt der Würde, als Partner der Politik und als Brücke zwischen den Generationen weiter gebraucht werden.
KOROSEC: STIMME UND SCHUTZSCHILD FÜR SENIORINNEN UND SENIOREN
Ein halbes Jahrhundert Seniorenrat bedeute Einsatz für Respekt, Verlässlichkeit und Selbstbestimmung im Alter, erklärte dessen Präsidentin Ingrid Korosec. Dieser sei weit mehr als eine Interessensvertretung, er sei eine Stimme und ein Schutzschild für Seniorinnen und Senioren sowie eine Brücke zwischen den Generationen. In dieser Zeit habe sich „unglaublich viel“ verändert und der Seniorenrat konnte viel bewegen. Es konnte erreicht werden, dass die ältere Generation mitgestaltet und nicht „über uns, sondern mit uns“ geredet wird. Seniorenpolitik sei nicht nur Politik für Seniorinnen und Senioren, sie reiche in viele Bereiche des Lebens ein und damit sei diese eine „Gesellschaftspolitik“. Es sei die Aufgabe und der Auftrag des Seniorenrats wachsam zu sein, zuzuhören, aufzuzeigen sowie Lösungen, Wertschätzung, Menschlichkeit, Solidarität und Verantwortung einzufordern. Dabei gelte es insbesondere Altersdiskriminierung in allen Bereichen zu verhindern. Die Zukunft bringe wie bei der Digitalisierung Veränderungen und dabei gelte es, dass ältere Menschen mitgestalten und eingebunden werden.
GERSTORFER: ZEIT IST REIF FÜR ECHTE SOZIALPARTNERSCHAFT
Birgit Gerstorfer, in der Doppelspitze des Seniorenrats ebenso dessen Präsidentin wie Korosec, resümierte in ihren Abschlussworten zur Veranstaltung, dass Mitbestimmung immer wieder auch Einforderung brauche. Der demografische Wandel sei Realität und finde jetzt statt. Dennoch werde das Alter wie eine Art Betriebsstörung in einem produktiven Lebenslauf behandelt. Altersdiskriminierung sei kein individuelles Problem, sondern ein strukturelles. Daher brauche es den Seniorenrat als Interessenvertretung, so Gerstorfer. Dieser sei manchmal unbequem – aber genau das „war und ist seine Stärke“. Ausbaufähig sei aus ihrer Sicht die Gleichstellung des Seniorenrats mit den klassischen Sozialpartnern, hielt die Präsidentin fest. Nach 50 Jahren sei die Zeit reif dafür, echte Sozialpartnerschaft zu leben und damit echte Mitbestimmungsrechte zu verbinden. Ältere Menschen bilden ein Drittel der österreichischen Bevölkerung und wollen mehr als nur angehört werden, betonte Gerstorfer. Die Entscheidungen über die Zukunft des Alterns würden viel zu oft ohne sie getroffen. Die Kunst bestehe darin, ältere Menschen als Kompetenzträger einzubeziehen und deren Bedürfnisse nicht nur zu erahnen, sondern tatsächlich abzufragen.
VAN DER BELLEN: ÖSTERREICH SIND WIR ALLE
Mit seinem Engagement sichere der Seniorenrat die Rechte älterer Menschen, schütze sie vor Diskriminierung, schaffe Zugänge und ermögliche Mitsprache, sagte Bundespräsident Alexander Van der Bellen in einer Videobotschaft. Damit sei der Seniorenrat für viele Menschen eine „starke Stimme“. Der Bundespräsident bedankte sich bei all jenen, die sich mit großem Wissen und ebenso großer Empathie im Seniorenrat engagieren, um die Position der älteren Generationen zu stärken. Das sei wichtig, denn Österreich „sind wir alle, egal ob alt oder jung, ob Mann oder Frau, ob von hier oder dort“.
STOCKER: INTERESSEN ALLER GENERATIONEN IM AUGE BEHALTEN
Bundeskanzler Christian Stocker bedankte sich für das jahrzehntelange Engagement des Seniorenrats für die Anliegen der Seniorinnen und Senioren. Damit sei dieser eine starke und unverzichtbare Stimme für die ältere Generation. Seine Vertreterinnen und Vertreter würden die Anliegen der Seniorinnen und Senioren mit Nachdruck in die öffentliche Diskussion einbringen und damit einen wertvollen Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt leisten. Die ältere Generation habe Österreich aufgebaut, Wohlstand geschaffen und Verantwortung übernommen. Diese Leistung verdiene nicht nur Respekt, sondern auch konkrete politische Wertschätzung. Gerade in herausfordernden Zeiten sei es wichtig, offen über die Zukunft des Landes zu sprechen. Als Bundesregierung stehe man vor der Aufgabe, neues Wirtschaftswachstum zu ermöglichen, öffentlichen Finanzen zu konsolidieren und gleichzeitig den sozialen Zusammenhalt zu sichern. Diese Verantwortung trage man sowohl gegenüber kommenden Generationen als auch gegenüber jenen Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet und ihren Beitrag geleistet haben. Gerade bei diesen Fragen brauche es einen Dialog für Lösungen, die ausgewogen sind, die Leistung und Verantwortung anerkennen und die Interessen aller Generationen im Auge behalten.
PRÖLL: WICHTIGE STIMME IN DER DEMOKRATIE
Mit dem Jubiläum würde auch die Erfahrung und Lebensleistung einer Generation gewürdigt, die Österreich aufgebaut, geprägt und erfolgreich gemacht hat, sagte Staatssekretär Alexander Pröll. Der Seniorenrat zeige, dass erfolgreiche Interessensvertretung dort entstehe, wo unterschiedliche Perspektiven zusammen geführt und an gemeinsamen Lösungen gearbeitet wird. Eine gute Politik müsse die Anliegen aller Generationen im Auge behalten und der Seniorenrat sei eine wichtige Stimme in der Demokratie. Er sorge dafür, dass die Anliegen älterer Menschen sichtbar gemacht werden. Durch dieses Engagement konnten viele Verbesserungen für Seniorinnen und Senioren erreicht werden. Für die Antworten auf künftige Herausforderungen sei der gemeinsame Dialog zwischen Politik, Sozialpartnern und Seniorenrat bedeutend. In Zeiten des rasanten Wandels brauche es die Erfahrung der älteren Generation. Wer die Zukunft Österreichs gestalten will, dürfe nicht auf die Erfahrung jener verzichten, die das Land aufgebaut haben.
SCHUMANN: ÖSTERREICHISCHER WEG DES DIALOGS UND AUSGLEICHS FÜR STARKEN SOZIALSTAAT UND GESELLSCHAFTLICHEN FRIEDEN
Der Seniorenrat sei eine starke, verlässliche und respektierte Stimme für ältere Menschen, erklärte die Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz Korinna Schumann. Mit seinen Aktivitäten bringe er die Anliegen dieser Generation in die politische Diskussion ein und sei damit ein unverzichtbarer Partner der Politik. Der Seniorenrat stehe damit für den österreichischen Weg des Dialogs und Ausgleichs und dies habe wesentlich zur Stabilität des Sozialstaats und des gesellschaftlichen Friedens beigetragen. In den 50 Jahren seines Bestehens habe sich viel verändert. Die gesteigerte Lebenserwartung sei „Ausdruck eines großen gesellschaftlichen Erfolgs“. Es brauche eine Gesellschaft, in der ältere Menschen nicht als Defizit, sondern das Potenzial ihrer Erfahrung und ihrer Kompetenz gesehen werden. Eine zentrale Aufgabe moderner Seniorenpolitik liege daher darin, dass Voraussetzungen geschaffen werden, damit diese möglichst lange selbstbestimmt, sozial abgesichert, gesund und in hoher Lebensqualität leben können. Eine Gesellschaft des langen Lebens brauche daher einen starken Sozialstaat und dazu sei es wichtig, dessen Errungenschaften zu sichern und diese weiter zu entwickeln.
ANDERL: FOKUS AUF GESUNDE ARBEITSPLÄTZE UND ALTERSGERECHTE INFRASTRUKTUR
Der Seniorenrat sei „die“ Interessenvertretung für über 2,5 Millionen Seniorinnen und Senioren, betonte Arbeiterkammerpräsidentin Renate Anderl in ihrer Rede. Bereiche wie das Altern, das Arbeiten und die Gesundheit im Alter oder die finanzielle Absicherung seien auch für die Arbeiterkammer zentral. Beim Thema Pensionsantrittsalter gelte es vor allem auch, über gesunde und gute Arbeitsplätze zu reden, damit Menschen gesund bis zur Pension am Berufsleben teilnehmen können und insgesamt möglichst viele gesunde Lebensjahre ermöglicht würden. Zudem brauche es eine altersgerechte Infrastruktur – von der Gesundheitsversorgung bis zu den öffentlichen Verkehrsmitteln – die im Sinn der Teilhabe „alle mitdenkt“. Das Thema „gutes Auskommen“ betreffe vor allem Frauen und sei nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch der Unabhängigkeit.
HENGSTSCHLÄGER: ÄLTERE MENSCHEN SIND LEBENDIGES GEDÄCHTNIS EINER GESELLSCHAFT
„Zwischen Erfahrung und Fortschritt: Chancen und Visionen für eine Gesellschaft des langen Lebens“ war das Thema des Festvortrags, den Markus Hengstschläger, Vorstand des Instituts für Medizinische Genetik der Medizinischen Universität Wien, hielt. Österreich sei bisher kein führendes Innovationsland, so Hengstschläger. Wenn es darum gehe, die Anzahl der gesunden Jahre zu steigern, sei auch darauf hinzuweisen, dass man die Talente der älteren Menschen brauche – sonst werde es nicht gelingen, in der Innovation den Anschluss zu schaffen. Dazu brauche es nämlich ein Bildungssystem, das das Wissen von einer Generation in die nächste transferiert und in dem Talente junger Menschen entdeckt werden. Seniorinnen und Senioren seien „die besten Talentscouts, die wir haben“, so Hengstschläger.
Was Technologien wie KI betrifft, nannte er einige Beispiele, was diese „Maschinen“ nicht können würden – etwa, sich „den Rest dazu zu denken“, also Informationslücken zu füllen, oder auch Abstraktion, Ethik und ein Weltverständnis. All diese Themen würden beim Menschen hingegen im Alter nicht ab-, sondern zunehmen. Diese Tatsache könne als Schnittstellenkompetenz zwischen Mensch und Maschine in einem „digitalen Humanismus“ – mit einer Entscheidungsfreiheit, Technologien zu nutzen oder nicht – gesehen werden. Ältere Menschen seien das lebendige Gedächtnis einer Gesellschaft und für die soziale Stabilität unverzichtbar, zeigte sich Hengstschläger überzeugt. Auch das implizite Wissen, das man – wie beispielsweise Fahrradfahren – nicht durch einfaches Aufschreiben weitergeben könne, sei ein unglaubliches Werkzeug. Umso mehr vitale und gesunde Menschen es gebe, umso mehr implizites Wissen könne weitergegeben werden und umso mehr junge Talente gefunden und gefördert werden. Österreich könne es sich nicht leisten, nicht auf dieses implizite Wissen zuzugreifen, so Hengstschläger.
FESTSCHRIFT ZUM HALBEN JAHRHUNDERT SENIORENRAT
„50 Jahre – Starke Stimme. Ein halbes Jahrhundert Österreichischer Seniorenrat“ lautet auch der Titel einer Festschrift zum Jubiläum des Seniorenrats. Der Grundstein für den Österreichischen Seniorenrat wurde demnach am 11. Juni 1976 gelegt. Bis in die Mitte der 80er Jahre hatte der Seniorenrat zwar noch kein allgemeines Begutachtungsrecht, beteiligte sich aber bereits durch Erarbeitung von Informationen und Stellungnahmen zu Gesetzesvorhaben, ist der Festschrift zu entnehmen. Jene Novelle zum Bundes-Seniorengesetz, mit der der Österreichische Seniorenrat offiziell als gesetzliche Interessenvertretung verankert wurde, trat schließlich mit 1. April 2000 in Kraft. Der Seniorenrat ist demnach seither den Kammern als sogenannter 5. Sozialpartner in allen Belangen, die Seniorinnen und Senioren betreffen, gleichgestellt. Aktuell wird der Seniorenrat als Dachverband von vier Säulen getragen, nämlich dem Pensionistenverband Österreichs, dem Österreichischen Seniorenbund, dem Österreichischen Seniorenring sowie vom ÖGB PensionistInnen. Beratend nehmen der Zentralverband der Pensionisten Österreichs sowie die Grünen SeniorInnen Österreichs an den Sitzungen teil. (Schluss) mbu/pst
HINWEIS: Fotos dieser Veranstaltung sowie eine Nachschau auf vergangene Veranstaltungen finden Sie im Webportal des Parlaments .
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