
24 Millionen Panini-Sticker für Softdrinks: foodwatch kritisiert gezieltes Kindermarketing der neuen Coca-Cola-Kampagne zur Fußball-WM
Sammelsticker, Fußballstars und Gewinnspiele als Kaufanreiz für süße Getränke
Pünktlich zur Fußball-WM bringt Coca-Cola eine großangelegte Kampagne in die österreichischen Supermarktregale: Mit 24 Millionen exklusiven Panini-Stickern unter Flaschenetiketten, Sammeldosen im Nationen-Look, Fanartikeln, Stars und Gewinnspielen will das Unternehmen rund 90 Prozent der österreichischen Bevölkerung erreichen. Für foodwatch Österreich ist klar: Das ist kein harmloser Fußballspaß, sondern gezieltes Marketing, das Kinder und Jugendliche emotional an Softdrinks binden soll. foodwatch hat gegen die Kampagne Beschwerde beim Werberat eingereicht.
_„Im Fußball gibt es klare Regeln. Die brauchen wir auch für Lebensmittelwerbung. Kinder dürfen nicht mit Sammelstickern, Gewinnspielen und Sondereditionen zum Kauf von Zuckergetränken animiert werden“_, kritisiert Miriam Maurer von foodwatch Österreich. _„Diese Kampagne zeigt einmal mehr: Freiwillige Selbstregulierung schützt nicht Kinder, sondern vor allem die Interessen der Lebensmittelindustrie – und wird damit zum Eigentor für die Gesundheit.“_
PANINI-STICKER ALS KAUFANREIZ FÜR SOFTDRINKS
Unter den Etiketten der 0,5-Liter- und 1,5-Liter-PET-Aktionsflaschen Coca-Cola und Coca-Cola Zero Sugar verbergen sich exklusive Panini-Sticker mit internationalen Fußballstars wie Harry Kane und Lamine Yamal. Wer das offizielle FIFA-WM-Sammelalbum vervollständigen will, braucht genau diese Sticker – und erhält sie ausschließlich über den Kauf der Coca-Cola-Produkte.
foodwatch kritisiert diese gezielte Verkaufsstrategie. Das Sammeln, Tauschen und der Wunsch, das Album zu vervollständigen, erzeugen einen starken sozialen und emotionalen Kaufanreiz. Gerade Kinder und Jugendliche sind für solche Mechanismen besonders empfänglich. Wird dieses Sammelfieber an den Kauf von Softdrinks gekoppelt, wird das Produkt selbst zum einzigen Eintrittsticket in diese Erlebniswelt aus Fußball, Stars und Gemeinschaftsgefühl.
KOFFEINHALTIGE SOFTDRINKS SIND KEINE KINDERPRODUKTE
Zuckerhaltige Getränke zählen zu jenen Produkten, die Kinder und Jugendliche möglichst selten konsumieren sollten. Sie liefern viele Kalorien in flüssiger Form und tragen wesentlich zu einer erhöhten Zuckeraufnahme bei. Cola enthält zudem Koffein. Gerade bei Kindern und Jugendlichen kann eine hohe Koffeinaufnahme problematisch sein.
Aus Sicht von foodwatch ist es deshalb besonders kritisch, wenn solche Produkte mit Mechanismen beworben werden, die gezielt kindliche Sammel- und Spielanreize nutzen. Kindermarketing endet nicht beim klassischen Werbespot. Es findet längst auf Verpackungen, in Supermarktregalen, bei Gewinnspielen, auf Social Media und über Sammelaktionen statt.
FOODWATCH HAT BESCHWERDE BEIM WERBERAT EINGEREICHT
foodwatch Österreich hat Beschwerde beim Österreichischen Werberat eingereicht. Aus Sicht der Konsument:innenschutzorganisation verstößt die Kampagne gegen zentrale Bestimmungen des Ethik-Kodex der Österreichischen Werbewirtschaft – insbesondere gegen die besondere soziale Verantwortung von Werbung gegenüber Kindern und Jugendlichen sowie gegen das Gebot, keinen direkten oder indirekten Kaufzwang auszuüben.
FOODWATCH FORDERT KLARE GESETZLICHE REGELN GEGEN KINDERMARKETING
Ob Fußball-WM, Weihnachten, Schulstart oder Sommerferien: Die Anlässe wechseln, die Strategie bleibt dieselbe. Ungesunde Produkte werden mit Emotionen, Spielanreizen und beliebten Themen verknüpft. Kinder werden damit immer wieder zur Zielgruppe von Marketingkampagnen, obwohl gerade sie besonderen Schutz brauchen.
foodwatch fordert daher gesetzlich verbindliche Regeln gegen Kindermarketing für Produkte, die die Kriterien des österreichischen Nährwertprofils nicht erfüllen. Diese Regeln müssen für alle Kanäle gelten: für TV und Social Media genauso wie für Influencer-Werbung, Supermarktaktionen, Gewinnspiele und Produktverpackungen.
_„Solange Konzerne Kinder mit Fußballidolen, Sammelstickern und Gewinnspielen zu Softdrinks locken dürfen, ist Kinderschutz in der Lebensmittelwerbung nicht mehr als ein leeres Versprechen“,_ warnt Miriam Maurer.
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