
Überparteilicher Schulterschluss unterstützt Petition für bessere Patientenversorgung
Vier ehemalige Gesundheitsminister fordern rasche Umsetzung des Nationalen Aktionsplans für PAIS und ME/CFS.
Wenige Tage vor der Entscheidung über einen neuen Nationalen Aktionsplan für Postakute Infektionssyndrome (PAIS) wie Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom (ME/CFS) werden vier ehemalige Gesundheitsminister aktiv. Gemeinsam unterstützen RUDOLF ANSCHOBER, ANDREA KDOLSKY, JOHANNES RAUCH und MARIA RAUCH-KALLAT die Petition der Betroffeneninitiative Österreichische Gesellschaft für ME/CFS in Zusammenarbeit mit der WE&ME Foundation der Familie Ströck. Diese hat binnen weniger Wochen bereits über 21.000 Unterstützer gewonnen. Sie sind „ein starkes Zeichen der Solidarität mit bis zu 80.000 Betroffenen in Österreich“, so CAROLINE STRÖCK.
„Kein Angriff auf die Gesundheitsministerin, sondern ein inhaltlicher Appell“, sagt Anschober über die Initiative. ME/CFS zählt zu den schwersten Folgeerkrankungen von Infektionen, die nach spezifischen Behandlungsmethoden und intensiver Forschung verlangt. In einem ausgezeichneten Gesundheitssystem mangelt es an ausreichend ausgebildeten Ärzten und Spezialisten sowie entsprechenden Anlaufstellen. Über Jahrzehnte gab es in diesem Fachbereich kaum Forschungstätigkeiten in Österreich und bei der sozialen Absicherung wurden höchst fragwürdige Entscheidungen getroffen, obwohl die Weltgesundheitsorganisation die Krankheit seit 1969 anerkennt. Betroffene laufen Gefahr, in die Armutsfalle zu gelangen, da die soziale Absicherung diskriminierend für tausende Betroffene ist. Mit der WE&ME Foundation wurde eine Plattform auf breiter Basis geschaffen, die beachtliche Erfolge wie die Schaffung eines Referenzzentrums mit führenden Wissenschaftlern erzielen konnte. Erste Behandlungszentren in den Bundesländern und eine erste Anlaufstelle in Salzburg sind Meilensteine in der Patientenversorgung. Spezialisierte Einrichtungen im Burgenland und in Wien sind in Planung beziehungsweise im Aufbau. Die regionale Versorgung ist essenziell, da das Krankheitsbild keine langen Anfahrtswege zulässt.
Im Nationalen Aktionsplan aus dem Jahr 2024 sind in 50 Punkten wesentliche Maßnahmen definiert. Eineinhalb Jahre nach der Präsentation gibt es nach wie vor keine Beschlüsse und Entscheidungen zu deren Umsetzung. Im aktuellen Diskussionsprozess werden Betroffene nicht beteiligt und es stehen Einschränkungen der Maßnahmen im Raum.
NATIONALER AKTIONSPLAN MUSS VOLLUMFÄNGLICH BESCHLOSSEN WERDEN – FINANZIELLE MITTEL STEHEN ZUR VERFÜGUNG
> „Bitte beschließen Sie den Nationalen Aktionsplan in vollem Umfang ohne Abstriche, so wie er ausgearbeitet und präsentiert wurde. Was jetzt nicht enthalten ist, wird auf lange Zeit nicht mehr kommen. Wir unterstützen die Petition und stehen mit unserer Erfahrung hinter den Forderungen und dem Nationalen Aktionsplan. Jetzt in die Versorgung der Betroffenen zu investieren, spart dem Staat enorme Kosten!“, betont Anschober.
> „ME/CFS ist durch die soziale Isolation der Betroffenen eine ‚stille Krankheit‘, die zu wenig Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erhält. Erkrankte werden in die Armut getrieben und haben keine laute Stimme. Durch ein starkes Miteinander und solidarisches Handeln können wir die Patientinnen und Patienten wieder in den Mittelpunkt stellen und ihnen die Aufmerksamkeit geben, die sie brauchen. Wir brauchen Diagnosen, Anlaufstellen und Forschung wie es im Nationalen Aktionsplan festgehalten ist“, führt Kdolsky aus.
> „Wir stehen hinter dieser Petition, um unsichtbare Menschen sichtbar zu machen und ihnen eine Stimme zu geben. Der Nationale Aktionsplan ist fundiert und bildet die Basis für alle weiteren Schritte. Die Menschen brauchen Anlaufstellen und Ambulanzen in allen Bundesländern. Zusätzliche 2,5 Milliarden Euro sind vorgesehen und für die Finanzierung in den Bundesländern reserviert. 600 Millionen Euro pro Jahr stehen aus dem Finanzausgleich zur Verfügung – sie müssen nur zielgerichtet eingesetzt werden“, unterstreicht Rauch.
> „Für ME/CFS gibt es keine Heilung und die Krankheit ist schwierig zu diagnostizieren. Bei bis zu 80.000 Betroffenen in Österreich ist sie keine seltene Krankheit, sondern betrifft rund ein Prozent der Bevölkerung. Es braucht keine neuen Arbeitsgruppen, sondern nur eine entschlossene Umsetzung des Nationalen Aktionsplans, um den Menschen wirksam zu helfen. Die Betroffenen können nicht warten, sondern brauchen die offizielle Anerkennung ihrer Krankheit, Gehör und Hilfe“, schließt Rauch-Kallat.
Die Petition kann auf openpetition.eu unterschrieben werden.
Weitere Informationen auf weandmecfs.org
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