
„kulturMONTAG“-Spezialausgabe am 29. Juni: Martin Traxl begrüßt zu 25 Jahren MuseumsQuartier
Danach: Doku „Zeichnen aus Protest“ anlässlich 250 Jahre USA – ab 22.30 Uhr, ORF 2 und ORF ON
Das Wiener MuseumsQuartier wird 25! Genau am offiziellen historischen Jahrestag der feierlichen Eröffnung widmet der „kulturMONTAG“ dem Kunst- und Kulturareal am 29. Juni 2026 um 22.30 Uhr in ORF 2 und auf ORF eine Spezialausgabe. Die von Martin Traxl präsentierte Sendung wirft einen Blick zurück und nach vorn und lässt dazu interessante Persönlichkeiten zu Wort kommen: u. a. Laurids Ortner, einen der MQ-Architekten, Ausstellungskurator Andreas Nierhaus, Fatima Hellberg, neue Direktorin des mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, und Hasan Yolaçan, der im Team des Infrastrukturellen Facility Managements seit mehr als 20 Jahren für die technische und logistische Betriebsführung der 90.000 Quadratmeter großen MQ-Nutzfläche zuständig ist.
Anschließend an das Magazin richtet im Rahmen des ORF-Schwerpunkts zu 250 Jahre USA (Details unter https://presse.ORF.at) die Dokumentation „Zeichnen aus Protest“ (23.15 Uhr) einen satirisch-kritischen Blick auf die Zukunft der US-Demokratie.
Das Wohnzimmer der Wiener –25 Jahre MuseumsQuartier
Wäre die Entscheidung rund um die Entstehung des Wiener MuseumsQuartiers doch genauso einfach gewesen, wie das zuletzt durchgeführte Voting zur neuen Farbgestaltung der Enzis, jener frei zugänglichen ikonischen MQ-Outdoor-Möbel, die nun in „Punschkrapferl-Rosa“ leuchten. Schließlich wurde jahrzehntelange über die Nutzung des brachliegenden Areals vis-à-vis von Kunsthistorischem und Naturhistorischem Museum debattiert. Einst k. u. k. Pferdestall, Messehalle mit NS-Propaganda-Schauen, Theaterbühne samt Partyhöhle, startete die unendliche Geschichte des MQ als Gelände ohne Eigenschaften. Jahrzehntelang suchte man eine adäquate Nutzung, um den alten Fischer-von-Erlach-Barockbau aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken. Ob ambitioniertes „Austro-Centre-Pompidou“, stylishe Shopping-City oder wuseliger Wurstelprater – die Politik hatte immer ein für Österreich so typisches „Jein“ parat. 25 Jahre nach der feierlichen Eröffnung hat sich das Wiener MQ, das als Museumsmonster oder Monument des Konsenses der Architekten Ortner & Ortner für Hickhack sorgte, als größtes Kulturareal Europas vom Krisenprojekt zum Publikumsmagneten entwickelt.
25 Jahre Kultur für alle
Eine ganze Generation ist auf dem rund 115.000 Quadratmeter großen Wiener MQ-Areal groß geworden – zwischen A wie Architekturzentrum und Z wie ZOOM Kindermuseum. In der kulturellen „Oase der Stadt“ kommen Menschen aller Altersgruppen und Erfahrungswelten zusammen. „Generation MQ“ heißt auch das Motto, das die kürzliche verstorbene Starfotografin Elfie Semotan mit einem ihrer letzten Projekte für das 25-Jahr-Jubiläum in Szene setzen konnte. 25 Persönlichkeiten hat sie dafür porträtiert, darunter den ehemaligen Kunsthallen-Chef Gerald Matt, Künstler Peter Kogler sowie Museumsvorstand Saskia Leopold, deren Großvater mit seiner legendären Sammlung für die heute mit jährlich 350.000 Gästen meistbesuchte museale Einrichtung im MQ mitverantwortlich ist. Rund 60 Kulturinstitutionen, Retro-Sportmöglichkeiten wie Boccia oder Minigolf, lukullische Genüsse vom Brunch bis zur Cocktail-Time, Open-Air-Literaturfestivals oder Bühnenspektakel sorgen für fünf Millionen Besucher:innen pro Jahr.
Gemeinsam mit dem ORF-Kultursender Ö1 läutet das MQ seine Jubiläumswoche mit Konzerten und Ausstellungen ein.
Neue Pläne für das mumok
Als jüngstes Mitglied der MQ-Community reiht sich Fatima Hellberg, die neue Direktorin des mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien – ein, die den mehr als 12. 000 Exponate beherbergenden Kunsttanker für die Eröffnungsausstellung „Terminal Piece“ samt einer Intervention namens „Figure of the Child“ der georgischen Künstlerin Tolia Astakhishvili rüstet. Die Sammlung von Klassischer Moderne über Pop-Art und Wiener Aktionismus bis hin zu Zeitgenössischem will die schwedische Kuratorin und Kunsthistorikerin gleich zu Amtsantritt stärker in den Fokus rücken. Bis Ende September lockt sie das zuletzt rückläufige Publikum bei freiem Eintritt ins Museum, dessen Eingangsbereich die renommierte Bühnenbildnerin Anna Viebrock gestaltet. Welche Pläne sie für das mumok hat, wie sie das Haus für das Publikum weiter öffnen will und wohin die Reise gehen soll, darüber spricht sie im „kulturMONTAG“ mit Martin Traxl.
Krähwinkel der Kultur – oder warum das MQ heute so aussieht, wie es aussieht
Bevor das neue Wiener Kulturflaggschiff nach 20 Jahren Diskussionsphase, zehn Jahren Planung und zwei Jahren Ausführung am 29. Juni 2001 unter der Leitung des ersten MQ-Direktors Wolfgang Waldner eröffnen konnte, mischten Politiker aller Couleurs, Boulevardmedien und einflussreiche Bürger erfolgreich mit. Die Pläne des österreichischen Architektenduos Laurids und Manfred Ortner, das in den ehemaligen Hofstallungen der habsburgischen Kaiser mit seinen gediegenen Barockhöfen ein modernes Museumsareal mit einer Reihe markanter zeitgenössischer Bauten errichtet hat, waren schon im Vorfeld hochumstritten. Die mediale Mobilmachung gegen das Projekt war so erfolgreich, dass Ortner & Ortner die Pläne architektonisch „entschärfen“ mussten. Vor allem konnten sie das geplante Wahrzeichen des Quartiers, das als Leseturm bezeichnete schmale und 67 Meter hohe Hochhaus, nicht realisieren. Der Leseturm fiel schließlich zahllosen Bürgerinitiativen und deren prominenten Unterstützern zum Opfer. Unter dem Titel „Vison & Widerstand“ widmet sich der renommierte Kurator Andreas Nierhaus im MQ-„Freiraum“ nun dieser unendlichen Geschichte von ursprünglichen Entwürfen, Querelen und Zukunftsideen. Dazu begrüßt Martin Traxl Nierhaus und Architekt Laurids Ortner zum Gespräch vor der Libelle – der jüngsten architektonischen Erweiterung des MuseumsQuartier-Komplexes.
Dokumentation „Zeichnen aus Protest“ (23.15 Uhr)
In der 2024 entstandenen Produktion „Zeichnen aus Protest“ beleuchtet Karikaturistin Ann Telnaes mit satirischem Blick die Komplexität des US-amerikanischen politischen Systems und übt scharfe Kritik an der politischen Heuchelei. Zum ersten Mal seit der Gründung der USA vor nun 250 Jahren scheint deren Demokratie und Rechtsstaatlichkeit existenziell bedroht. Das Land steht vor grundlegenden Herausforderungen, die weit über einzelne Präsidentschaften hinausgehen. Die demokratischen Grundprinzipien sind unter massivem Druck: von einer Übermacht der Exekutive, fragwürdiger Ethik des Obersten Gerichtshofs und einem Medienumfeld, das von Desinformation geprägt ist. Der Film von Laura Nix blickt zurück auf die erste Trump-Ära von 2017 bis 2021 und diverse Attacken auf demokratische Grundprinzipien. Mit schwarzem Humor untersucht die Regisseurin das US-amerikanische Versprechen einer multikulturellen Demokratie und wirft die Frage auf, inwieweit eine autoritäre Machtübernahme drohen könnte. Und ob es gelingen wird, die demokratischen Ideale in einer Zeit zu retten, in der sich Parteien und Gesellschaft immer stärker radikalisieren.
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