
Neue Ausstellung im Parlament: „BLICKWECHSEL. Das Erbe Altösterreichs“
Hunderttausende deutschsprachige Menschen der ehemaligen Habsburgermonarchie fanden in Österreich eine neue alte Heimat.
Das Parlament eröffnete am 29. Juni im Besuchszentrum Demokratikum – Erlebnis Parlament die Ausstellung „BLICKWECHSEL. Das Erbe Altösterreichs“. Sie widmet sich den deutschsprachigen Menschen aus Gebieten der ehemaligen Habsburgermonarchie, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Österreich eine neue Heimat fanden – und einem europäischen Erbe, das die Republik Österreich bis heute prägt.
ROSENKRANZ: AUS MENSCHEN, DIE IHRE HEIMAT VERLOREN HABEN, WURDEN MITBÜRGERINNEN UND MITBÜRGER
Nationalratspräsident Walter Rosenkranz eröffnete die Ausstellung mit einem Hinweis auf ihre historische und gesellschaftliche Bedeutung: „Das Parlament ist der Ort, an dem Geschichte nicht nur erinnert, sondern vielfach auch gestaltet wurde.“ Und weiter: „Politische Entscheidungen haben hier Lebenswirklichkeit geschaffen, Rechte begründet und den Rahmen dafür gesetzt, dass aus Menschen, die ihre Heimat verloren hatten, Mitbürgerinnen und Mitbürger unserer Republik werden konnten“. So wurde am 29. Juni 1954 das sogenannte Optionsgesetz im Bundesrat behandelt, durch das viele Altösterreicherinnen und Altösterreicher die österreichische Staatsbürgerschaft bekommen konnten.
Die Ausstellung erzählt eine Geschichte, die weit vor 1945 beginnt. Mit dem Zerfall der Habsburgermonarchie 1918 fanden sich Hunderttausende deutschsprachige Menschen außerhalb der Republik Österreich wieder. In den Gebieten des heutigen Tschechien, der Slowakei, Polens, Ungarns, Rumäniens, Serbiens, Kroatiens und Sloweniens waren sie seit Jahrhunderten ansässig und Teil einer vielsprachigen, kulturell verflochtenen Gesellschaft. Zwischen 1944 und 1947 wurden viele von ihnen zur Flucht gezwungen oder vertrieben. Viele gelangten in das vom Krieg gezeichnete Österreich, wo ein schwieriger, aber erfolgreicher Integrationsprozess begann.
KURATOR KÜHRER-WIELACH: FACETTENREICHTUM WAR ÜBERRASCHEND
Kurator der Ausstellung ist Florian Kührer-Wielach, Direktor des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Auch er lernte bei der Recherche zu den Altösterreicherinnen und Altösterreichern Neues kennen: „Ich durfte mich auf eine der interessantesten beruflichen Reisen meines Lebens zu einem Thema begeben, das mir einerseits sehr vertraut ist, dessen Facettenreichtum mich aber in den vergangenen Monaten mehrmals überrascht hat.“
Zur inhaltlichen Ausrichtung meinte Kührer-Wielach, dass Flucht- und Vertreibungsereignisse zentrale Momente dargestellt haben. So zeigen die Debatten im Hohen Haus nach dem Zweiten Weltkrieg, „wie sich Republik und Gesellschaft zuerst zögerlich, aber Schritt für Schritt dazu bekannten, die deutschsprachigen Flüchtlinge und Vertriebenen formal und realpolitisch zu integrieren“.
ERINNERUNGSSTÜCKE DER FLUCHT: SPIELZEUGE UND GEBETSBÜCHER
Eine Litfaßsäule im Demokratikum macht anhand ausgewählter Beispiele sichtbar, wie dieses europäische Erbe Österreich bis heute prägt. Ergänzend dazu zeigen Schaukästen persönliche Erinnerungsstücke, die Leihgeberinnen und Leihgeber zur Verfügung gestellt haben: Kinderspielzeuge, Gebetsbücher, historische Ausweisdokumente und Aufenthaltsgenehmigungen erzählen von individuellen Schicksalen zwischen Verlust und Neubeginn. Eine multimediale Installation mit integrierter Videowall vermittelt die Inhalte auf zeitgemäße und niederschwellige Weise.
Die Ausstellung verweist auch auf die politische Dimension des Themas: Zu den Altösterreicherinnen und Altösterreichern zählten die ersten drei Bundespräsidenten der Zweiten Republik ebenso wie zahlreiche Parlamentarierinnen und Parlamentarier. Auch das Parlament selbst befasste sich in der Nachkriegszeit mit der Lage der Vertriebenen – mit Fragen der Staatsbürgerschaft, der sozialen Sicherung und der politischen Teilhabe.
BEGLEITPROGRAMM UND WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN
Zur Ausstellung gibt es eine zweisprachige Begleitbroschüre auf Deutsch und Englisch. Weitere Informationen finden sich auf der Website des Parlaments unter www.parlament.gv.at/blickwechsel-das-erbe-altoesterreichs.
HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung sowie eine Nachschau auf vergangene Veranstaltungen finden Sie im Webportal des Parlaments. (Schluss) pak
————————-
Pressedienst der Parlamentsdirektion
Parlamentskorrespondenz
Tel. +43 1 40110/2272
pressedienst@parlament.gv.at
www.parlament.gv.at/Parlamentskorrespondenz
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
© Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender