
Belvedere 21: Miao Ying. Come, Sit, Stay
10. Juli – 4. Oktober 2026: In ihrer ersten musealen Einzelausstellung in Europa stellt Miao Ying eine ungewöhnliche Analogie zwischen Künstlicher Intelligenz und der Tierwelt her.
Mit einem ebenso spielerischen wie kritischen Blick untersucht die chinesische Künstlerin Miao Ying (* 1985 Shanghai) den gesellschaftlichen Umgang mit intelligenten Systemen und eröffnet im Belvedere 21 neue Perspektiven auf eine Technologie, die den Alltag zunehmend prägt. Als Vertreterin einer Generation, deren Sozialisation durch das Aufkommen des Internets, die Ein-Kind-Politik und die digitale Zensur in China geprägt wurde, beschäftigt sie sich mit den Mechanismen von Überwachung, Kontrolle und medialer Manipulation.
Stella Rollig, Generaldirektorin des Belvedere: Mit Miao Ying präsentieren wir eine international bedeutende künstlerische Position an der Schnittstelle von Kunst, Technologie und digitaler Kultur. Ihre multimedialen Arbeiten veranschaulichen, wie tief Künstliche Intelligenz bereits in unseren Alltag eingreift, und eröffnen zugleich einen differenzierten und überraschend humorvollen Blick auf eine Technologie, die unsere Gegenwart und Zukunft maßgeblich prägt. Die Ausstellung lädt dazu ein, die oft verborgenen Mechanismen digitaler Systeme und ihre gesellschaftlichen Auswirkungen neu zu betrachten.
Der Ausstellungstitel _Come, Sit, Stay_ greift klassische Kommandos des Hundetrainings auf und verweist auf den menschlichen Wunsch, komplexe Technologien steuern und beherrschen zu können. Miao Ying nutzt diese bewusst humorvolle Analogie, um den gegenwärtigen Diskurs über Künstliche Intelligenz aus einer ungewohnten Perspektive zu betrachten. Das Gleichnis erweist sich als präziser Kunstgriff, der die Mechanismen hinter KI verständlich macht und zugleich die Frage aufwirft, wie technologische Entwicklungen gestaltet und mitverantwortet werden können.
Seit 2019 beschäftigt sich die Künstlerin zudem mit historischen Vorstellungen von Magie, Alchemie und Beschwörung. Diese Motive treten in der Ausstellung mit den schwer nachvollziehbaren Prozessen Künstlicher Intelligenz in Dialog. Gerade weil algorithmische Systeme selbst für Expert*innen zunehmend komplex geworden sind, erscheinen sie im öffentlichen Diskurs oftmals als undurchschaubare oder beinahe magische Technologien.
Kurator Sergey Harutoonian: Miao Ying nähert sich Künstlicher Intelligenz nicht als rein technologischem Phänomen. Sie untersucht die kulturellen Narrative, Hoffnungen und Ängste, die mit ihr einhergehen. Dabei führt sie scheinbare Gegensätze zusammen: Magie und Algorithmus, digitale Bildproduktion und traditionelle Malerei, Kontrolle und Unvorhersehbarkeit. Ihre Werke eröffnen neue Perspektiven auf die Frage, wie wir mit intelligenten Maschinen zusammenleben wollen.
Charakteristisch für Miao Yings Werk ist die Verbindung digitaler Technologien mit traditionellen Medien. In einer bewusst bühnenhaft inszenierten Raumsituation entsteht im Zusammenspiel mit Malerei und skulpturalen Elementen eine immersive Installation, in der digitale Prozesse eine materielle und räumliche Entsprechung finden. Anstatt Mensch und Maschine als Gegensätze zu inszenieren, untersucht _Come, Sit, Stay_ deren wechselseitiges Verhältnis und lenkt den Blick auf jene Qualitäten, die menschliches Handeln auszeichnen – Unvollkommenheit, Kreativität und die Fähigkeit, mit Unsicherheit umzugehen.
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