Raiffeisen finanziert zwei neue Atomreaktoren vor Österreichs Haustüre

GLOBAL 2000 deckt auf: Raiffeisen ist Teil jener Bankengruppe, die Geld für zusätzliche Meiler direkt an der Grenze bereitstellt.

“_Für die Raiffeisen KAG (Raiffeisen Capital Management) zählt Atomkraft nicht zu Energieformen, die mit Investitionen unterstützt werden sollten. Jeder Euro, der in Atomkraft investiert wird, könnte zukunftsträchtiger und nachhaltiger in erneuerbare Energien investiert werden”__, _heißt es auf der Website des Raiffeisen Fonds. Ein klares Statement.

Vermeintlich, denn, die Raiffeisenbank gewährt einen Kredit, um in Dukovany zwei neue Atomreaktoren bauen zu lassen. Entgegen der eigenen, öffentlichen Position. Nur 30 Kilometer hinter der österreichischen Grenze. Neben vier bestehenden Schrott-Reaktoren.

“Die Raiffeisenbank hat akuten Erklärungsbedarf. Eine solche Finanzierung ist weder mit der eigenen Politik, noch mit jener Österreichs vereinbar. Sie gefährdet aktiv die österreichische Bevölkerung. Wir fordern die Raika daher auf, ihre Kreditzusage unverzüglich zurückzuziehen”, so Patricia Lorenz, Anti-Atom-Sprecherin bei der Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000.

WARUM BRAUCHT ES DIESEN KREDIT EIGENTLICH?

Die Raiffeisen ist dabei Teil eines Bankensyndikats um die tschechische Komerční banka, welche als Vertragspartner des Betreibers ČEZ und der Tschechischen Republik fungiert. Mit dem zur Verfügung gestellten Überbrückungskredit sollen die Reaktorblöcke 5 und 6 des AKW Dukovany errichtet werden.

Dieser wird benötigt, weil die Regierung in Prag keine Gelder freigeben darf. Die dafür nötige Beihilfengenehmigung aus Brüssel fehlt nämlich. Aufgrund weiterer geplanter Änderungen in der Eigentümer-Struktur, wird diese Genehmigung auch noch länger auf sich warten lassen.

“Ohne diesen Krediten wäre es aktuell nicht möglich, die beiden Reaktoren am Standort Dukovany zu errichten. Während sich die Bevölkerung und die Politik seit Jahrzehnten gegen die bestehenden vier Blöcke einsetzt, finanziert die Raiffeisenbank zwei weitere Reaktoren”, so Lorenz weiter.

WAS WIRD EIGENTLICH GEBAUT?

Der südkoreanische AKW-Hersteller KHNP soll dort zwei Reaktoren des Typs APR-1000 ans Netz bringen, doch es gibt bislang kein einziges Referenzkraftwerk. Patricia Lorenz warnt: “KHNP hat bis heute einen einzigen Reaktor außerhalb Südkoreas gebaut. In den Vereinigten Arabischen Emiraten. In einem Design, welches in Europa nicht zugelassen wäre. Die Reaktoren für Dukovany würden in geringer Leistung benötigt werden. Ein passendes Design müsste erst entwickelt werden. Eine geforderte Sicherheitseinrichtung bei einer Kernschmelze (Core-Catcher) ist genauso ungelöst, wie hybride Kühltürme die aufgrund fehlenden Kühlwassers benötigt würden. Stand jetzt können diese Reaktoren gar nicht ans Netz.”

Dass am Standort Dukovany nicht genug Wasser für die geplanten Kühltürme entnommen werden kann, erscheint da schon fast wie eine Randnotiz. “Die Erweiterung des AKW Dukovany muss alle Alarmglocken schrillen lassen. Das muss auch den Verantwortlichen bei der Raiffeisen bewusst sein und die Finanzierung umgehend gestoppt werden”, so Lorenz abschließend.

Patricia Lorenz, Anti-Atomsprecherin GLOBAL 2000, +43 676 44 64 254,
patricia.lorenz@global2000.at

Marcel Ludwig, Pressesprecher GLOBAL 2000, +43 699 142000 20,
marcel.ludwig@global2000.at

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