Neue Lebensmittelsteuern verteuern den Einkauf und gefährden Arbeitsplätze

Eine Zuckersteuer erhöht die Lebensmittelpreise und schwächt den Standort Österreich

Der aktuelle politische Vorstoß für neue Steuern auf Lebensmittel, insbesondere auf Getränke, stößt in der heimischen Lebensmittelindustrie auf großes Unverständnis. „Gerade jetzt über neue Abgaben auf Lebensmittel nachzudenken, ist das völlig falsche Signal. Nach den massiven Belastungen durch hohe Energie- und Arbeitskosten, die Inflation und den aktuellen Herausforderungen infolge von Hitze und Dürreschäden wären neue Lebensmittelsteuern der nächste Rückschlag für den heimischen Produktionsstandort. Sie würden Lebensmittel verteuern, die Kaufkraft der Menschen schwächen und unsere Betriebe zusätzlich belasten. Weitere Preissteigerungen bei Lebensmitteln kann doch jetzt wirklich niemand ernsthaft wollen“, betont MAG. KATHARINA KOSSDORFF, Geschäftsführerin des Fachverbands der Lebensmittelindustrie.

ZUCKERSTEUER GEFÄHRDET ARBEITSPLÄTZE UND DIE VERSORGUNG DES LANDES MIT ÖSTERREICHISCHEN AGRARWAREN

Neue Lebensmittelsteuern wie eine Zuckersteuer treffen weit mehr als einzelne Produkte. Sie belasten eine gesamte Wertschöpfungskette mit tausenden Arbeitsplätzen, von den heimischen Rübenbauern über die Zuckerwirtschaft bis hin zu den Lebensmittel- und Getränkeherstellern. Die österreichische Zuckerwirtschaft betreibt nur noch eine Zuckerfabrik im Land. Sie sichert damit die Abnahme heimischer Zuckerrüben, schafft Arbeitsplätze in den Regionen und gewährleistet, dass sich Österreich bei Zucker noch vollständig selbst versorgen kann. Das ist keineswegs selbstverständlich: Außer bei Zucker, Milch und Rindfleisch ist Österreich bei allen anderen Agrarrohstoffen auf Importe angewiesen. Wer die Branche durch neue Steuern zusätzlich belastet, gefährdet daher nicht nur Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfung, sondern auch die strategische Versorgungssicherheit mit heimischen Lebensmitteln.

ZUCKERKONSUM IST IN ÖSTERREICH SEIT JAHREN RÜCKLÄUFIG – UND DAS GANZ OHNE ZUCKERSTEUER

Seit Mitte der 1990er-Jahre ist der Pro-Kopf-Konsum von Zucker in Österreich um rund 30 Prozent gesunken und liegt im Jahr 2024/25 mit 26,8 Kilogramm pro Jahr (1) inzwischen unter dem EU-Durchschnitt von 33,2 Kilogramm. Ausschlaggebend dafür sind veränderte Konsumgewohnheiten und die laufenden Reformulierungsmaßnahmen der Lebensmittelindustrie hin zu weniger Kalorien. Konsumentinnen und Konsumenten greifen zunehmend zu zuckerreduzierten oder zuckerfreien Produkten und orientieren sich an neuen Ernährungstrends (u.a. Longevity).

GETRÄNKEINDUSTRIE REDUZIERT ZUCKER IN ERFRISCHUNGSGETRÄNKEN UM 30 PROZENT

Gleichzeitig setzt die Getränkeindustrie seit Jahren erfolgreiche freiwillige Maßnahmen zur Zuckerreduktion um: Die Getränkeabfüller haben den Zuckergehalt in ihrem Getränkeportfolio in den letzten 20 Jahren schrittweise um rund ein Drittel gesenkt (2). Parallel dazu hat die österreichische Getränkeindustrie eine durchschnittliche Zuckerreduktion von 15 % im Zeitraum 2015 bis 2025 realisiert. Der Beitrag von Softdrinks zur täglichen Energiezufuhr ist übrigens vergleichsweise gering. Er liegt bei Männern bei 4,1 % und bei Frauen bei 2,8 % der durchschnittlichen Tagesenergiezufuhr (3).

ERFAHRUNGEN AUS LÄNDERN MIT EINER ZUCKERSTEUER ZEIGEN: ANZAHL DER ÜBERGEWICHTIGEN PERSONEN GEHT NICHT ZURÜCK

In allen Ländern, die eine Zuckersteuer eingeführt haben (darunter Mexiko, Chile, Frankreich, Großbritannien), sind die Übergewichts- und Adipositasraten entgegen den Erwartungen nicht gesunken. Vielmehr hat man festgestellt, dass es keine belastbaren Belege (4, 5) für einen gesundheitlichen Lenkungseffekt einer Zuckersteuer gibt, um damit Übergewicht und Adipositas nachhaltig zu bekämpfen. Die Zuckersteuer in Mexiko führte lediglich zu einer Reduktion des Kalorienkonsums von rund sechs Kalorien pro Tag – das entspricht gerade einmal einem kleinen Bissen Apfel; in Großbritannien sind es 12 Kalorien bei Kindern und 20,8 Kalorien bei Erwachsenen pro Tag, das sind 1 % der empfohlenen täglichen Gesamtenergieaufnahme.

STATT NEUER ZUCKERSTEUER: GEZIELTE UNTERSTÜTZUNG DER VON ADIPOSITAS HAUPTBETROFFENEN BEVÖLKERUNGSGRUPPE

Eine aktuelle Studie (6) aus Großbritannien zeigt erneut, dass insbesondere Menschen mit niedrigerem Einkommen sowie geringerer Bildungs- und Ernährungskompetenz von Übergewicht und Adipositas primär betroffen sind. „Genau hier müssen Maßnahmen ansetzen, um genau diese Menschen gezielt mit Bildung und Aufklärung bestmöglich im Alltag zu unterstützen. Mehr Ernährungswissen in Schulen und ein stärkeres Bewusstsein für einen gesunden Lebensstil leisten einen wesentlich wirksameren Beitrag als zusätzliche Belastungen an der Supermarktkassa für alle“, betont Koßdorff.

WEITERE DETAILS FINDEN SIE UNTER:

* Position zur Zuckersteuer
* Fakten zu Zucker auf „Österreich isst informiert“

STELLENWERT DER LEBENSMITTELINDUSTRIE IN ÖSTERREICH

Die Nahrungs- und Genussmittelindustrie (Lebensmittelindustrie) zählt mit ihren 27.500 direkt Beschäftigten zu den Schlüsselbranchen in Österreichs Wirtschaft. Sie garantiert verlässlich die tägliche Versorgung von Millionen Menschen mit sicheren, qualitativen und leistbaren Produkten. Die rund 200 Unternehmen erwirtschaften jährlich ein Produktionsvolumen von rund 12 Mrd. Euro. Rund 10 Mrd. Euro davon werden im Export in über 180 Länder abgesetzt. Der Fachverband unterstützt seine Mitglieder durch Information, Beratung und internationale Vernetzung.

* STATISTIK AUSTRIA, Versorgungsbilanzen für den pflanzlichen Sektor
* GlobalData monitoring based on aggregated data from 7 European markets comprising some 70 % of the European total, Juni 2019 und Letter of the European Commission recognizing UNESDA’s sugar reduction achievements, sante.ddg1.c.4(2019) 5240639.
* BMGF: Österr. Ernährungsbericht 2017
* WHO report: Fiscal policies to promote healthy diets: 2024. https://www.who.int/publications/i/item/9789240091016 bzw. https://iris.who.int/bitstream/handle/10665/376763/9789240091016-eng.pdf?sequence=1
* Fachverband der Nahrungs- und Genussmittelindustrie: „3 x 3 Argumente gegen eine Zucker-Steuer bei Softdrinks“, Pkt 1.
* Fletcher R, Conrad N, Rockenschaub P et al.; Whole-population trends in obesity across dimensions of inequality in England, 2019–25: a retrospective, longitudinal cohort study of 54 million adults; The Lancet Diabetes & Endocrinology, 2026; 14, 740-753.

Mag. Katharina Koßdorff
Geschäftsführerin im Fachverband der Lebensmittelindustrie
T: +43 1 712 21 21 – 14
E: k.kossdorff@dielebensmittel.at

DI Oskar Wawschinek MAS MBA
Food Business Consult
Pressesprecher für den Fachverband der Lebensmittelindustrie
M: +43 664 545 63 50
E: office@foodbusiness.at

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