
Wiener Spediteure: Urbane Logistik braucht Flächen in der Stadt
Eine funktionierende Stadtlogistik setzt ausreichend leistbare Logistikflächen und Umschlagplätze für Gewerbe, Handel und Versorgung voraus.
Wien, 31.8.26 – Der neue Masterplan Urbane Logistik der Stadt Wien ist ein wichtiger Schritt für die Bundeshauptstadt. Aus Sicht der Wiener Spediteure greift urbane Logistik aber zu kurz, wenn sie sich nur auf Paketlieferungen fokussiert. Denn eine funktionierende letzte Meile braucht davor ausreichend Logistikflächen, Umschlagplätze und eine leistungsfähige B2B-Infrastruktur in der Stadt.
„Paketboxen sind sinnvoll, aber sie helfen nur dem letzten Teil der Logistikkette“, sagt Jürgen Bauer, Obmann der Fachgruppe Spedition und Logistik in der Wirtschaftskammer Wien. „Der Kunde steht am Ende der Logistikkette – davor müssen Waren überhaupt erst in die Stadt, umgeschlagen und effizient auf die letzte Meile verteilt werden.“
Logistik ist ein zentraler Teil des produktiven Sektors und braucht dauerhaft Raum in der Stadt. Besonders die Donau- und Hafenachse sowie die großflächigen Betriebszonen in der Donaustadt und im Süden Wiens sind natürliche Logistikräume, weil hier Umschlag, Verkehrsanbindung und Betriebswidmungen zusammenfallen.
LOGISTIK ALS TEIL DER STADTPLANUNG
„Wer urbane Logistik ernst nimmt, muss diese Gebiete gezielt als stadtnahen Logistikraum sichern und weiterentwickeln, anstatt großflächige Logistiknutzungen immer weiter ins Umland zu verdrängen“, fordert Bauer. „Denn Logistik ist kein Nebenthema des Onlinehandels, sondern Voraussetzung dafür, dass Handel, Gewerbe, Baustellen, Produktion und die Versorgung der Stadt überhaupt funktionieren.“
Aus Sicht der Branche ist es daher notwendig, erschwingliche Logistikflächen vorausschauend zu widmen. In großen Stadtentwicklungsgebieten wie zum Beispiel Neu-Marx müssen daher günstige Logistikflächen frühzeitig mitgedacht werden. Nicht jede Lieferung passt in eine Paketbox: Große Sendungen wie Stückgüter, Weißware, Möbel, Baumaterialien, Gastro-Lieferungen und vieles mehr brauchen entsprechend große Umschlagflächen, Rangierflächen und Zustellinfrastruktur.
UNNÖTIGE DISTANZEN
Gemeinsam mit Industrie und Gewerbe ist Logistik auf nur rund fünf Prozent der Stadtfläche in Betriebszonen untergebracht. Gleichzeitig sind nur noch rund sechs Prozent dieser Betriebszonen unbebaut. Hochwertige Flächen im Stadtgebiet sind knapp und großflächige Logistiknutzungen weichen zunehmend ins Umland aus.
Gerade das ist aus Sicht der Wiener Spediteure verkehrs- und klimapolitisch problematisch. Wenn Logistikflächen immer weiter aus Wien hinausgedrängt werden, müssen Fahrzeuge längere Strecken zurücklegen – mit Folgen für die Verkehrsbelastung, das Klima und im Falle von E-Fahrzeugen für die Reichweite, die Ladeinfrastruktur und die betriebliche Effizienz.
„Wer Logistik aus der Stadt drängt, produziert am Ende mehr Verkehr statt weniger“, erklärt Bauer. „Zukunftsfähige, stadtverträgliche Logistik braucht daher ausreichend Raum für einen effizienten Warenumschlag.“
Wirtschaftskammer Wien
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