
ÖGB-Kickinger: „Mehr als jede zweite Frau arbeitet Teilzeit – das ist ein Auftrag an die Politik und Unternehmen“
Teilzeitquote erreicht neuen Höchststand – ÖGB fordert bessere Kinderbetreuung, gesündere Arbeitsbedingungen und echte Wahlfreiheit bei der Arbeitszeit
Die Teilzeitquote in Österreich erreicht laut Statistik Austria einen neuen Höchststand. Mehr als jede zweite Frau arbeitet mittlerweile Teilzeit – konkret 51,1 Prozent.
Für Dorottya Kickinger, ÖGB-Bundesfrauensekretärin, sind die aktuellen Zahlen ein klarer Handlungsauftrag: „Wenn mehr als die Hälfte der Frauen Teilzeit arbeitet, können wir nicht einfach so tun, als wäre es eine individuelle Entscheidung. Frauen reduzieren ihre Arbeitszeit aus Mangel an Alternativen, weil sie Kinder oder Angehörige betreuen müssen, und weil viele Arbeitsplätze, vor allem in frauendominierten Branchen, nur in Teilzeit angeboten werden. Hier braucht es endlich bessere Rahmenbedingungen.“
FRAUEN TRAGEN WEITERHIN DEN GROSSTEIL DER BETREUUNGSARBEIT
Während bei den Männern die Teilzeitquote bei 14,8 Prozent liegt, ist sie bei Frauen mehr als dreimal so hoch. Besonders ab dem Alter von 25 Jahren ist die Betreuung von Kindern und Angehörigen der häufigste Grund für Teilzeitarbeit.
„Wer Frauen auffordert, mehr zu arbeiten, muss zuerst dafür sorgen, dass das überhaupt möglich ist. Es braucht Kinderbetreuung, die zu den Arbeitszeiten der Menschen passt – mit ausreichend Plätzen, längeren Öffnungszeiten und weniger Schließtagen. Gerade im ländlichen Raum gibt es hier noch große Lücken“, so Kickinger.
VOLLZEIT MUSS MÖGLICH SEIN – UND GESUND BLEIBEN
Auch die Arbeitsbedingungen spielen eine zentrale Rolle. Gerade ältere Beschäftigte arbeiten häufiger reduziert. Wenn Menschen länger im Erwerbsleben bleiben sollen, müssen Arbeitsplätze so gestaltet sein, dass sie dauerhaft gesund bewältigt werden können.
Kickinger: „Mehr Vollzeit wird es nicht durch Druck auf Beschäftigte geben. Es braucht Arbeitsplätze, an denen Menschen gesund bis zur Pension arbeiten können. Wer die Arbeitszeit erhöhen will, muss das auch tatsächlich können – und wer wegen Betreuungspflichten Teilzeit arbeitet, darf dafür nicht ein Leben lang finanzielle Nachteile tragen.“
DER ÖGB FORDERT:
* AUSBAU DER KINDERBETREUUNG: Rechtsanspruch auf Kinderbetreuungsplatz ab dem 1. Geburtstag – finanzielle und personelle Ressourcen müssen dabei sichergestellt sein
* AUSBAU VON GANZTAGSSCHULEN UND FERIENBETREUUNG
* GESUNDE ARBEITSBEDINGUNGEN: Arbeitsbelastung reduzieren und Arbeitsplätze so gestalten, dass Beschäftigte länger gesund und möglichst in Vollzeit arbeiten können.
* ECHTE WAHLFREIHEIT BEI DER ARBEITSZEIT: Recht auf Aufstockung der Arbeitszeit für Teilzeitbeschäftigte im Unternehmen
* FINANZIELLE BESSERSTELLUNG VON MEHRARBEIT IN TEILZEIT
* FLÄCHENDECKENDER AUSBAU DER PFLEGEANGEBOTE
Über uns:
Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) vertritt rund 1,2 Millionen Arbeitnehmer:innen in Österreich. Gemeinsam mit seinen sieben Gewerkschaften setzt sich der ÖGB als überparteiliche Interessenvertretung für gute Arbeitsbedingungen, faire Löhne und Gehälter sowie soziale Gerechtigkeit ein.
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