DIE FURCHE trauert um Hellmut Butterweck (1927-2026)

Er war ein FURCHE-Urgestein, Autor zeithistorischer Standardwerke, Romancier und unermüdlicher Mahner gegen das Vergessen. Nun ist Hellmut Butterweck im 99. Lebensjahr gestorben.

Über 70 Jahre lang hat Hellmut Butterweck für DIE FURCHE geschrieben – jahrzehntelang als Redakteur, bis zuletzt als Autor. Der Kampf gegen das Vergessen der NS-Barbarei und gegen das Wiedererstarken von Faschismus und Antisemitismus prägten sein Wirken als Journalist, Publizist zeithistorischer Standardwerke und Romancier. Nun ist er im 99. Lebensjahr in Wien gestorben, in der Nacht auf dem 9.9. ist er nach Auskunft seiner Familie friedlich eingeschlafen.

Am 30. Dezember 1927 in Wien geboren, wuchs Butterweck bei seiner Großmutter in einem bürgerlichen Haushalt in der Wieden auf. Seine erste Politisierung erfuhr er am 10. November 1938, als er in der „Reichspogromnacht“ die Zerstörung des Kaiser-Franz-Joseph-Tempels in der Siebenbrunnengasse miterleben musste.

Die Kriegsjahre überlebte Butterweck mit Glück und Chuzpe – und vor allem: ohne zur Kollaboration mit den Nazis gezwungen zu sein. Bald nach Kriegsende machte Butterweck erste journalistische Gehversuche, zuerst bei der ÖVP-Zeitung _Volksblatt_, dann bei einem Medium des ÖVP-Dissidenten Josef Dobretsberger. 1953 dockte er bei der FURCHE an. Sein erster Text erschien am 13. Juni in der Rubrik „Querschnitte“.

Butterweck wurde zum journalistischen Tausendsassa, er verantwortete Kulturberichterstattung, war Theater-, Film-, Ausstellungs- und Literaturkritiker und betätigte sich auch als politischer Glossist und Leitartikler sowie als Wirtschaftskommentator.

Zuletzt – von 1996 bis 2002, ein Jahr vor seiner Pensionierung 2003 (da war er schon 75!) – leitete er das Buchressort dieser Zeitung. Und noch bis vor Kurzem bzw. verstärkt in den vergangenen Jahren war er immer wieder als Autor präsent: im Dezember 2024 erinnerte er anlässlich seines Buches „Der Ungeist der Stunde Null“ daran, wie auch nach 1945 über die Schoa geschwiegen wurde; im Jänner 2025 warnte er zum 80. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz unter dem Titel „Wir haben nicht aufgepasst“ vor der Wiederkehr der Dämonen des 20. Jahrhunderts; im Mai 2025 besuchte er mit der FURCHE die Ausstellung „Kontrollierte Freiheit“ im Wien-Museum; und in seinem letzten Text vom August 2025 erinnerte er zum 80. Jahrestag des Beginns der Volksgerichte an diese „entsorgte Geschichte“.

IN EINEM EIGENEN DOSSIER HAT DIE FURCHE WESENTLICHE TEXTE VON UND ÜBER HELLMUT BUTTERWECK ZUSAMMENGESTELLT, DARUNTER AUCH EINEN NACHRUF VON OTTO FRIEDRICH.

UND AUF DER FURCHE-AUTORENSEITE VON HELLMUT BUTTERWECK SIND VIELE JENER ARTIKEL, DIE ER IN MEHR ALS ÜBER SIEBEN JAHRZEHNTEN FÜR DIE FURCHE VERFASST HAT, NACHZULESEN.

DIE FURCHE blieb aber bei weitem nicht das einzige Betätigungsfeld von Hellmut Butterweck. 1967 schrieb er fürs Radio das Hörspiel „Das Wunder von Wien“, das 1982 auch im Theater an der Josefstadt aufgeführt wurde, oder das Hörspiel „Die Letzten“, das 2007 mit Fritz Muliar auf Ö1 zu hören war. 2016 erschien sein Opus Magnum über die Berichterstattung der österreichischen Zeitungen zu den Volksgerichtsprozessen, die zwischen 1945 und 1955 die NS-Verbrechen juristisch aufzuarbeiten suchten. Auch über den Nürnberger Prozess verfasste Butterweck zwei Bücher (2005 und 2022).

Butterweck verfasste auch Romane, 2008 erschien sein „Tote im Verhör“, und das letzte Opus des 98-Jährigen, „Möglichkeiten“ aus 2026, handelt von der Fiktion, dass das NS-Regime den Krieg gewonnen hat, dann aber untergeht wie weiland die realsozialistische Diktatur der DDR.

Öffentliche Anerkennung für sein enormes publizistisches Schaffen wurde Hellmut Butterweck erst in hohem Alter zuteil: 2016 erhielt er den „Preis der Stadt Wien“, 2024 wurde ihm der Berufstitel „Professor“ verliehen und 2025 wurde er mit dem „Theodor Kramer Preis für Schreiben im Widerstand und Exil“ ausgezeichnet.

Mit dem Tod von Hellmut Butterweck ist nicht nur ein journalistisches Jahrhundertleben zu Ende gegangen. Österreich hat mit ihm einen seiner originellsten Publizisten verloren, dessen Leistungen viel zu wenig wahrgenommen und gewürdigt wurden.

DIE FURCHE verneigt sich vor Hellmut Butterweck in Dankbarkeit.

DIE FURCHE
Mag. Doris Helmberger-Fleckl
Chefredakteurin
Telefon: +43-664-88140721
E-Mail: doris.helmberger@furche.at
Website: https://furche.at

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