
Prostatakrebs: Spezielle Bildgebung könnte nicht notwendige Biopsien vermeiden
MedUni-Wien-Studie zeigt hohe Erkennungsrate bei klinisch relevantem Prostatakrebs
EIN ERHÖHTER PSA-WERT IM BLUT KANN AUF PROSTATAKREBS HINWEISEN, ERLAUBT ABER NOCH KEINE SICHERE DIAGNOSE. BEI ENTSPRECHENDEM VERDACHT WIRD DAHER MEIST EINE GEWEBEPROBE AUS DER PROSTATA ENTNOMMEN. EINE STUDIE DER MEDIZINISCHEN UNIVERSITÄT WIEN ZEIGT NUN, DASS EINE SPEZIELLE FORM DER BILDGEBUNG – DIE SOGENANNTE PSMA-PET/CT – BEREITS VOR EINER SOLCHEN BIOPSIE WICHTIGE ZUSÄTZLICHE INFORMATIONEN LIEFERN KÖNNTE. IN EINER ANALYSE VON 194 PATIENTEN ERKANNTE DIE METHODE 91 PROZENT DER KLINISCH RELEVANTEN PROSTATAKARZINOME. DIE ERGEBNISSE DES FORSCHUNGSTEAMS UNTER DER LEITUNG VON MARCUS HACKER, LEITER DER KLINISCHEN ABTEILUNG FÜR NUKLEARMEDIZIN DER UNIVERSITÄTSKLINIK FÜR RADIOLOGIE UND NUKLEARMEDIZIN, WURDEN IN DER ERSTAUSGABE DES NEUEN JOURNALS THE LANCET MEDICAL IMAGING & THERANOSTICS VERÖFFENTLICHT.
Die PSMA-PET/CT kombiniert zwei bildgebende Verfahren. Bei der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) wird eine geringe Menge einer radioaktiv markierten Substanz verabreicht, die sich gezielt an das sogenannte prostataspezifische Membranantigen (PSMA) bindet. Dieses Eiweiß kommt auf Prostatakrebszellen besonders häufig vor. Dadurch können verdächtige Bereiche sichtbar gemacht werden. Die gleichzeitig durchgeführte Computertomographie (CT) liefert genaue Bilder der Körperstrukturen und ermöglicht es, diese Bereiche anatomisch zuzuordnen.
HOHE ERKENNUNGSRATE BEI KLINISCH RELEVANTEM PROSTATAKREBS
Das Forschungsteam um Holger Einspieler und Sazan Rasul untersuchte im Rahmen einer nachträglichen Analyse der randomisierten Phase-3-RAPID-Studie, welchen Stellenwert die PSMA-PET/CT bereits bei Patienten mit erhöhtem PSA-Wert und Verdacht auf Prostatakrebs vor einer Biopsie haben könnte.
Von 77 Patienten mit einem durch Gewebeuntersuchung bestätigten klinisch signifikanten Prostatakarzinom wurden 70 durch die PSMA-PET/CT erkannt. Das entspricht einer Erkennungsrate von 91 Prozent. Auch bei einem unauffälligen Untersuchungsergebnis war die Aussagekraft hoch: In 91 Prozent der entsprechenden Fälle lag kein klinisch signifikanter Tumor vor.
Darüber hinaus analysierten die Wissenschafter:innen den weiteren Krankheitsverlauf. Bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von 35 Monaten wurden 23 von 24 Patienten, bei denen sich ein aggressiver Krankheitsverlauf zeigte, bereits durch die PSMA-PET/CT erkannt.
PERSPEKTIVE FÜR EINE GEZIELTERE ABKLÄRUNG
Die Ergebnisse sprechen dafür, dass die PSMA-PET/CT künftig auch bei der ersten Abklärung eines Prostatakrebsverdachts eine Rolle spielen könnte. Insbesondere ein unauffälliger Befund könnte dabei helfen, besser einzuschätzen, bei welchen Patienten eine Gewebeentnahme tatsächlich notwendig ist. Damit könnten möglicherweise unnötige Biopsien vermieden werden. Ob und wie die Methode in die routinemäßige Diagnostik integriert werden kann, muss in weiteren Studien untersucht werden.
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die PSMA-PET/CT möglicherweise bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt der diagnostischen Abklärung wertvolle Informationen liefern kann. Besonders relevant ist dabei die hohe Aussagekraft eines unauffälligen Befunds. Künftig könnte dies dazu beitragen, besser zu entscheiden, bei welchen Patienten eine Biopsie tatsächlich notwendig ist“, sagt Studienleiter Marcus Hacker.
Medizinische Universität Wien
Mag. Johannes Angerer
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