AK Stilling: „Schluss mit Rechenspielen auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung!“

Tatsächliches Pensionsantrittsalter steigt bereits massiv – gesunde Lebensjahre stagnieren

Gebetsmühlenartig fordern neoliberale Vertreter:innen, das Pensionsantrittsalter an die Lebenserwartung zu binden – mit der Behauptung, die Menschen würden immer gesünder alt und das Antrittsalter bewege sich kaum. Ein Blick auf die Fakten zeigt: Diese Argumentation basiert auf falschen Annahmen und zieht die völlig falschen Schlüsse.

Grundsätzlich ist jeder Zuwachs an Lebenszeit erfreulich. Doch laut Eurostat-Daten stagnieren die gesunden Lebensjahre seit 15 Jahren und sind zuletzt sogar wieder rückläufig: 2023 lag der Wert im Durchschnitt nur mehr bei 60,4 Jahren. Nach einem zwischenzeitlichen Anstieg sank er von 2021 auf 2022 um 0,9 Jahre und 2023 um weitere 0,5 Jahre. Die Realität: Die Menschen in Österreich verbringen im Schnitt 21,5 Jahre ihres Lebens mit schweren oder mittelschweren gesundheitlichen Problemen. Gleichzeitig arbeiten sie bereits deutlich länger als früher: Das durchschnittliche Pensionsantrittsalter ist seit dem Jahr 2000 bei Männern von 58,5 auf 62,5 Jahre (plus 4 Jahre) und bei Frauen von 56,8 auf 60,9 Jahre (plus 4,1 Jahre) gestiegen. Allein in den letzten 15 Jahren betrug der Anstieg bei Männern 3,4 Jahre und bei Frauen 3,8 Jahre.

„Das sind zynische Rechenspiele auf Kosten der Beschäftigten“, stellt Ines Stilling, Bereichsleiterin Soziales der AK Wien, klar. „Ein höheres Regelpensionsalter führt nur zu drastischen Abschlägen für alle, die gesundheitlich nicht mehr durchhalten oder ab 55 aussortiert werden. 43 Prozent der Arbeiter im untersten Einkommensviertel sind mit 65 bereits invalid oder verstorben. Selbst die beste Gesundheit nützt wenig, wenn Betriebe ältere Beschäftigte vor die Tür setzen. Wir brauchen daher ein verbindliches Bonus-Malus-System: Unternehmen, die Ältere anstellen und gesund im Job halten, gehören belohnt – jene, die sie vorzeitig abbauen, müssen zahlen. Statt weiter an der Schraube beim Pensionsalter zu drehen, muss die Arbeitswelt endlich gesund und alternsgerecht werden!“

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