Aktuelle Umfrage bestätigt: wenig Zustimmung für Zuckersteuer

Menschen befürworten eine gesundheitsförderliche Veränderung der Preisrelationen statt Strafsteuern. In keiner abgefragten Produktgruppe erhält Zuckersteuer klare Mehrheiten.

Die Menschen in Österreich wollen eine gesundheitsförderliche Preisgestaltung bei Lebensmitteln. 39,1 % befürworten eine steuerliche Entlastung von Obst und Gemüse sowie Lebensmitteln, die einen gesunden Lebensstil fördern. Rund ein Drittel kann sich eine Kombination mit anderen fiskalen Maßnahmen vorstellen. Können die Menschen also zwischen unterschiedlichen Maßnahmen wählen, findet die Einführung einer Zuckersteuer in Österreich als alleinige Maßnahme nur 11 % Zustimmung. In keiner der neun abgefragten Produktgruppen – von Softdrinks über Kekse und Kuchen bis hin zu Speiseeis – erhält eine Zuckersteuer klare Mehrheiten. Das zeigt eine aktuelle, für die österreichische Bevölkerung repräsentative Marketagent-Befragung unter 1.000 Personen zwischen 14 und 75 Jahren. Sie bestätigt damit das forum. ernährung heute (f.eh). „Die Umfrage ist eine klare Handlungsaufforderung an die Politik: Statt einzelne Lebensmittel herauszugreifen, brauchen wir einen ganzheitlichen Ansatz, der positive Anreize mit Ernährungsbildung, einem vielfältigen Angebot und ausreichend Bewegung verbindet. Wenn knapp drei Viertel pflanzliche Lebensmittel für einen gesunden Lebensstil steuerlich entlasten wollen, ist das ein starkes Signal“, sagt Marlies Gruber, Geschäftsführerin des f.eh.

SKEPSIS BEI POSITIVEN EFFEKTEN

Auch weitere Ergebnisse der Befragung zeigen, dass die grundsätzliche Zustimmung zu einer Zuckersteuer mit erheblichen Vorbehalten einhergeht. 47,4 % befürchten, dass Lebensmittel und Getränke dadurch noch teurer werden, 41,9 % sind der Ansicht, eine Zuckersteuer würde das eigentliche Problem nicht lösen, und 38,2 % sehen die Gefahr einer stärkeren Belastung von Haushalten mit geringem Einkommen. Bei der erwarteten Wirkung zeigt sich ebenfalls Zurückhaltung. Eine Reduktion von Übergewicht und ernährungsbedingten Erkrankungen erwarten nur 28,3 %, eine insgesamt gesündere Ernährung der Bevölkerung lediglich 19,2 %. 38 % würden ihr Einkaufsverhalten nicht ändern.

Aus Sicht des f.eh ist diese Skepsis nachvollziehbar. Internationale Erfahrungen zeigen zwar, dass Abgaben auf zuckergesüßte Getränke angepasste Rezepturen anstoßen und die Zuckeraufnahme reduzieren können. Weniger eindeutig ist jedoch, ob die Prävalenz für Übergewicht und Adipositas sinkt, denn deren Entstehung ist multifaktoriell. „Entscheidend sind die gesamte Ernährungsweise, Portionsgrößen und Konsumhäufigkeiten, individuelle Bedürfnisse und Vorlieben sowie Bewegung und die sozialen und ökonomischen Rahmenbedingungen. Wer nachhaltige Veränderungen erreichen möchte, muss daher an mehreren Stellschrauben gleichzeitig drehen“, betont Marlies Gruber.

Es braucht daher einen breiteren Maßnahmenmix. Dazu gehören eine umfassende Ernährungs- und Verbraucherbildung von klein an, zielgerichtete Prävention für besonders vulnerable Gruppen, angemessene Portionsgrößen sowie Rahmenbedingungen, die einen aktiven Lebensstil fördern. Ess- und Bewegungsgewohnheiten entstehen langfristig und werden wesentlich vom familiären und sozialen Umfeld, von Bildung, Alltagsstrukturen und sozioökonomischen Voraussetzungen geprägt. Damit gesundheitsförderliche Gewohnheiten entstehen können, müssen individuelle Eigenverantwortung und gesellschaftliche Rahmenbedingungen zusammenspielen.

forum. ernährung heute (f.eh)
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