
Junge Industrie zur Pensionsdebatte: Arbeitsmarkt und Pensionen nicht gegeneinander ausspielen
Fröschl: Wer ältere Menschen länger in Beschäftigung halten will, muss auch über das Antrittsalter reden können. Denkverbote verschieben die Rechnung auf die junge Generation.
Nach der Absage von GPA-Vorsitzender und SPÖ-Abgeordneter Barbara Teiber an eine Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters in der ORF-Sendung „Hohes Haus“ am Sonntag stellt die Junge Industrie (JI) klar: Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und die Absicherung des Pensionssystems sind keine Gegensätze. _„Beim Ziel sind wir uns einig: Die Arbeitslosigkeit muss sinken – bei den Älteren genauso wie bei jungen Menschen, die einen Lehrplatz suchen. Aber das ist kein Gegenentwurf zur Pensionsdebatte, sondern ein Teil der Antwort. Wer Ältere länger in Beschäftigung hält, stärkt auch das Pensionssystem“_, sagt EDUARD FRÖSCHL, Bundesvorsitzender der Jungen Industrie.
DIE RECHNUNG IST LÄNGST BEKANNT
Heuer müssen nach Berechnungen der Jungen Industrie auf Basis der Alterssicherungskommission rund 34 Milliarden Euro aus Steuermitteln zugeschossen werden, damit sich die Pensionen ausgehen. Seit dem Pension Overshoot Day am 10. August läuft das System rechnerisch nur noch auf Steuergeld – das sind 240 Millionen Euro pro Tag. 2023 fiel dieser Tag noch auf den 19. August. _„Mit einem kategorischen Nein ändert man keine einzige dieser Zahlen. Man verschiebt nur die Rechnung – auf jene, die heute ins Berufsleben einsteigen“_, so FRÖSCHL.
Dass ein höheres gesetzliches Antrittsalter auch am Arbeitsmarkt wirkt, zeigt die Anhebung des Frauenpensionsalters: Seit Juni 2023 ist die Zahl der beschäftigten Frauen zwischen 60 und 64 Jahren um mehr als 52.000 gestiegen. _„Das Antrittsalter und die Beschäftigung Älterer sind zwei Seiten derselben Medaille. Wer das eine für tabu erklärt, schwächt auch das andere“_, sagt FRÖSCHL.
WAS ES JETZT BRAUCHT
Die Junge Industrie tritt für ein Gesamtpaket ein: Das gesetzliche Pensionsantrittsalter muss an die steigende Lebenserwartung gekoppelt werden, um das faktische Pensionsantrittsalter effektiv zu heben. Anreize für den frühen Ausstieg gehören abgebaut, jene für das Weiterarbeiten gestärkt – die vergangene Woche im Nationalrat beschlossene Aktivpension ist dafür ein richtiger erster Schritt, dem substanzielle Reformen folgen müssen. Und die zweite und dritte Säule müssen gestärkt werden, allen voran mit der Wiedereinführung einer Behaltefrist.
_„Wir wollen keinen Konflikt zwischen den Generationen, sondern ein Pensionssystem, auf das sich auch die Jungen noch verlassen können. Dafür braucht es eine ehrliche Debatte ohne Denkverbote – und die sollten wir gemeinsam führen, gerade auch mit den jungen Vertreterinnen und Vertretern der Sozialpartner“_, so FRÖSCHL abschließend.
Junge Industrie
Benjamin Carl-Arthur Frormann, MAIS
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