ÖGB: Nein zu höherem gesetzlichen Pensionsantrittsalter

Eine Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters würde Menschen in belastenden Berufen besonders treffen.

Die neuerliche Forderung von WIFO-Chef Gabriel Felbermayr, das Pensionsantrittsalter auf 67 Jahre anzuheben, geht an der Realität vieler Beschäftigter vorbei. „Wer eine Pension mit 67 fordert, muss auch erklären, wie Menschen in Schichtarbeit, in der Pflege, in der Produktion oder auf Montage gesund bis zu diesem Alter arbeiten sollen“, sagt ÖGB-Pensionsexpertin Anja Hafenscher. „Ein höheres gesetzliches Pensionsantrittsalter löst die aktuellen Probleme am Arbeitsmarkt auch nicht.“

PENSION MIT 67 IST KEINE SCHNELLE BUDGETLÖSUNG

Eine Anhebung bringt weder eine rasche Entlastung für das Budget noch zusätzliches Geld für Gesundheit oder Pflege. Das zeigt bereits die Angleichung des Frauenpensionsalters: Sie wurde 1992 beschlossen, begann 2024 und wird erst 2033 abgeschlossen sein. Auch weitere Änderungen würden erst nach langen Übergangsfristen wirken.

Die Pensionsausgaben erreichen laut Ageing Report der EU-Kommission aufgrund der demografischen Entwicklung in den kommenden Jahren einen Höhepunkt. Danach stabilisieren sie sich wieder auf einem nur geringfügig höheren Niveau als 2022. Maßnahmen wie eine Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters würden daher erst langfristig wirken – zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Ausgabenentwicklung bereits wieder entspannt.

HARTE ARBEIT DARF NICHT DOPPELT BESTRAFT WERDEN

Eine Anhebung des Pensionsantrittsalters würde besonders jene treffen, die körperlich oder psychisch belastende Arbeit leisten. Viele Beschäftigte erreichen das Regelpensionsalter bereits heute nur mit gesundheitlichen Einschränkungen oder verlieren davor ihren Arbeitsplatz.

„Harte Arbeit darf nicht doppelt bestraft werden“, so Hafenscher. „Statt das gesetzliche Pensionsantrittsalter weiter anzuheben, braucht es Arbeitsplätze, auf denen Menschen gesund bis zur Pension arbeiten können, sowie Unternehmen, die diese Menschen auch beschäftigen. Wer jahrzehntelang hart gearbeitet hat, verdient Sicherheit und eine Pension in Würde. Hohe Beschäftigung mit guten Löhnen ist die beste Absicherung für unser Pensionssystem – nicht ein höheres Antrittsalter, das kaum jemand gesund erreichen kann.“

Über uns:
Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) vertritt rund 1,2 Millionen Arbeitnehmer:innen in Österreich. Gemeinsam mit seinen sieben Gewerkschaften setzt sich der ÖGB als überparteiliche Interessenvertretung für gute Arbeitsbedingungen, faire Löhne und Gehälter sowie soziale Gerechtigkeit ein.

Mag. Toumaj Faragheh
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