CO₂ speichern erlaubt, im Kreislauf halten besser

Neues Kohlenstoffspeichergesetz erlaubt CO₂-Speicherung – die Circular Carbon Conference am 15. Oktober zeigt, warum der größere Hebel im Kreislauf liegt

Österreich stellt gerade die Weichen für den Umgang mit CO₂. Das neue Kohlenstoffspeichergesetz (KSp-G) erlaubt, CO₂ unterirdisch zu speichern. Allerdings nicht zum Zweck Emissionsreduktionsmaßnahmen zu ersetzen, sondern vorrangig zur Bewältigung schwer vermeidbarer Restemissionen und mit einer absoluten Mengenbegrenzung versehen. Der große Hebel liegt allerdings davor: bei Rohstoffen, die nachwachsen, bei Reststoffen, die zu Produkten werden, und bei CO₂, das genutzt statt in die Luft geblasen oder vergraben wird. Wie das in der Praxis gelingt, zeigt die CIRCULAR CARBON CONFERENCE (C³) der BIOBASE am 15. Oktober 2026 im Palais Niederösterreich in Wien. Mit dabei sind unter anderem Walter Stahel, Agrana, Volkswagen, ÖBB, Saubermacher, Holcim, PORR und die Science Busters.

Neben dem Kohlenstoffspeichergesetz ist seit September auch das neue Klimagesetz in Begutachtung. Beide Vorhaben machen deutlich, dass Kreislaufwirtschafts- und Industriestrategie zusammengehören, denn es geht nicht nur um Umwelt, sondern auch um Standortpolitik. Das betont auch Bundesminister Norbert Totschnig: „Kreislaufwirtschaft verbindet Industrie und Klimaschutz. Die Ziele sind klar, wir müssen Ressourcen nutzen, Resilienz erhöhen und Wertschöpfung schaffen.“ Genau an dieser Schnittstelle setzt die BioBASE an. „Speichern ist eine Übergangslösung für die letzten Prozent, kein Dauerzustand. Die eigentliche Wertschöpfung entsteht davor – in den Betrieben, die Kreisläufe schließen, oft in den Regionen“, sagt Thomas Timmel, Geschäftsführer der BioBASE.

SPEICHERN NICHT ALS ERSATZ FÜR EMISSIONSREDUKTIONSMASSNAHMEN

Konkret heißt das: Unter die Erde dürfen laut Entwurf österreichweit maximal 3 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr bis Ende 2029 und 7 Millionen Tonnen pro Jahr bis Ende 2034. Die restlichen Emissionen sollten vermieden, ersetzt oder im Kreislauf gehalten werden – als nachwachsender Rohstoff, als Rezyklat oder als genutztes CO₂ (Carbon Capture and Utilization, CCU). Jede Tonne, die im Kreislauf bleibt, muss weder aufwendig abgeschieden noch über Zertifikate im EU-Emissionshandel bezahlt werden und schafft zugleich Wertschöpfung in den Regionen.

Wie sich das umsetzen lässt, ohne neue Engpässe zu schaffen, erforscht Catharina Bening, Professorin an der ETH Zürich und Leiterin der Gruppe für Kreislaufwirtschaft. Ihr Befund, den sie auf der C³ vorstellt: „Effizienz allein bringt uns nicht ans Ziel. Biogene Rohstoffe sind begrenzt – die Bioökonomie funktioniert nur, wenn Materialien so lange wie möglich im Kreislauf bleiben. Wer diese Zielkonflikte früh löst, statt sie zu ignorieren, verschafft seinem Standort einen Vorsprung.“

INNOVATION AUS ÖSTERREICH: VON 1983 BIS HEUTE

Dass Österreich das kann, zeigt seine Industriegeschichte: EREMA aus Ansfelden liefert seit 1983 Kunststoffrecycling-Anlagen in alle Welt, Lenzing erzeugt seit 1997 in Heiligenkreuz Lyocell-Fasern aus Holz. Die Reihe reißt nicht ab: 2025 eröffneten PORR, Saint-Gobain und Saubermacher in Stockerau das erste Gips-zu-Gips-Recyclingwerk des Landes, und Brantner green solutions aus Krems holt Glas aus Müllverbrennungsasche zurück in den Kreislauf – nominiert für den Staatspreis Innovation 2026.

„Österreich verursacht zwar nur rund 0,2 Prozent der weltweiten produktionsbasierten CO₂-Emissionen, trotzdem können wir Lösungen liefern, die weltweit gebraucht werden und vergleichsweise effizient produzieren. Als BioBASE bringen wir die Köpfe zusammen, damit aus Ideen Anlagen, Produkte und Arbeitsplätze werden“, sagt Bernhard Windsperger, Geschäftsführer der BioBASE.

AUS DER PRAXIS LERNEN: DAS PROGRAMM DER C³

Unter dem Leitmotiv „Ressourcen im Fluss halten“ bringt die C³ mehr als 20 Vortragende zusammen: Kreislaufwirtschafts-Pionier Walter Stahel eröffnet mit „Ressourcen als Kapital“, Saubermacher, Holcim und REPLOID zeigen, wie aus Abfall Rohstoff wird, Volkswagen und ÖBB berichten aus dem Konzernalltag, Sicherheitsexperte Walter Feichtinger ordnet den geopolitischen Umbruch ein. Zum Abschluss die Science Busters: Elisabeth Oberzaucher beweist, dass Wissenschaft und Lachmuskeln kein Widerspruch sind. Walter Feichtinger, Catharina Bening und weitere Vortragende stehen im Anschluss für Fragen und Interviews zur Verfügung.

ÜBER BIOBASE

Die BIOBASE GmbH in St. Pölten ist die Innovationsplattform für Bioökonomie und Kreislaufwirtschaft: Sie vernetzt Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Politik und macht mit der Wissensplattform BioBASE Kompass⁺ die Stoffströme und Wertschöpfungsketten der österreichischen Wirtschaft sichtbar. Die Circular Carbon Conference findet 2026 zum vierten Mal statt. www.biobase.at

CIRCULAR CARBON CONFERENCE 2026

Im Rahmen dieses hochkarätigen Events werden die zu erwartenden strukturellen Veränderungen in der Güterproduktion durch die Defossilisierung thematisiert und deren Auswirkungen auf den gesamten Wirtschaftsstandort sowie auf alle relevanten Akteur:innen – Unternehmen, Konsument:innen, Wissenschaft, Umwelt und Politik – diskutiert.

BioBASE
Bernhard Windsperger
Telefon: 06644639296
E-Mail: bernhard.windsperger@biobase.at
Website: https://biobase.at/

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